München unter Druck
In der Champions League droht den Bayern das Aus

Der deutsche Meister FC Bayern München steht wieder einmal mit dem Rücken zur Wand. Wie schon im Vorjahr droht ein verfrühter K.O. im Europacup. Für Uli Hoeneß ist es deswegen das "Spiel der Spiele". Für Trainer Ottmar Hitzfeld ist es die wichtigste Partie der Saison.

HB GLASGOW. "Der Druck ist enorm", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Montag bei der Reise zur brisanten Begegnung mit Celtic Glasgow, "man muss die Nerven bewahren." Die zuletzt alles andere als überzeugenden Bayern wollen ein schon am Dienstag in Glasgow mögliches vorzeitiges Vorrunden-Aus mit aller Macht verhindern. "Man muss über sich hinauswachsen", forderte Trainer Hitzfeld: "Unser absolutes Ziel ist es, ins Achtelfinale einzuziehen. Dafür werden wir alles geben."

Angesichts der brenzligen Situation und vieler kritischer Kommentare versuchte der zudem als Privatmann in die Schlagzeilen geratene AG-Chef Rummenigge ("ich bitte um Verständnis, dass ich zu meinem Privatleben keinen Kommentar abgeben werde") den Druck auf die Mannschaft nicht noch zu erhöhen. "Es wird keinem der Kopf abgerissen", meinte er, "wenn man die Medien verfolgt, kann man meinen, wir können gleich zu Hause bleiben."

Hitzfeld forderte vor der Partie am Dienstag (20.45 Uhr MEZ/live in Premiere) "bayerisches Selbstbewusstsein". Denn: "Angst wäre ein schlechter Ratgeber, wenn man auf der Insel bestehen will." Wer nach Schottland fährt, "muss sich warm anziehen". Hoeneß hofft auf frühere Qualitäten: "Oft war es so: Wenn der FC Bayern mit dem Rücken zur Wand stand, sind Kräfte frei geworden, die vorher nicht da waren." Zumal die Stars laut Willy Sagnol lieber gegen große Teams als gegen "Scheiße-Mannschaften" spielen.

Ein erneutes Vorrundenaus wäre für Hoemeß fatal

Allerdings ist die Harmonie gerade empfindlich gestört. Michael Ballack reagierte verschnupft auf Aussagen des Managers zur Fitness des Spielmachers. "Ich will immer alles geben. Wenn man aber permanent sagt, ich könne nicht laufen, liegt Hoeneß in der Wortwahl gehörig daneben. Ich weiß nicht, was das soll", so Ballack im "kicker"-Interview. Wenn man mit ihm nicht zufrieden sei, "bin ich der letzte, der sich in den Weg stellt".

Laut Hoeneß wäre ein erneutes Vorrunden-Aus "fatal". Die Münchner würden nicht nur an Prestige verlieren, ihnen würden auch Millionen- Einnahmen durch Prämien und TV-Gelder in den K.o.-Runden entgehen. Allerdings ist der finanzielle Aspekt nicht so dramatisch, da die Bayern bisher in der Champions League durch einen veränderten TV- Anteil nach "kicker-Angaben" mit 20,77 Millionen Euro deutlich mehr eingenommen als im Vorjahr (14,5 Mio).

Durch die 1:2-Heimniederlage vor drei Wochen gegen Olympique Lyon sind die Bayern in der Tabelle abgerutscht. Um die Chance auf ein Weiterkommen aus eigener Kraft zu sichern, müssen sie mindestens ein Unentschieden schaffen. Sollten sie verlieren und Lyon gegen RSC Anderlecht mindestens einen Punkt holen, hätten die Münchner im letzten Spiel gegen Anderlecht keine Möglichkeit mehr, den für den Achtelfinal-Einzug nötigen 2. Platz zu schaffen. Derzeit führt Lyon (7 Punkte) vor Glasgow (6), Bayern (5) und Anderlecht (4). Hitzfeld fordert Kampfgeist, das Spiel gegen Glasgow werde "eine Schlacht". Er hat kaum Kreativ-Personal. Der Einsatz von Ze Roberto ist gefährdet. Sebastian Deisler und Mehmet Scholl fallen länger aus.

Die Heim-Bilanz der Schotten, die zuletzt Dundee United auswärts mit 5:1 abfertigten, scheint erdrückend. Insgesamt 63 Spiele hintereinander ist Celtic zu Hause ungeschlagen. Eine Tatsache, die zumindest Oliver Kahn nicht erschreckt. "Das stimmt uns sehr positiv, weil jede Serie irgendwann mal reißt", sagte der Kapitän bestimmt: "Wir sind Bayern München. Wenn wir nach Glasgow reisen, wollen wir dort gewinnen. Alles andere interessiert uns nicht. Serien sind schön und gut. Aber sie sind dazu da, dass man sie einstellt."

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