München vor dem Aus im Rennen um das Damen-Masters
Servus, Bayern

Vermutlich war es ein einmaliges Gastspiel - nach nur einem Jahr droht der große Tennis-Zirkus von München nach Los Angeles zu ziehen. Noch ist nichts offiziell, doch alles spricht für einen Ortswechsel des Tennis-Masters der Damen ins sonnige Kalifornien.

Schweigen ist auch eine Antwort. Als vergangene Woche beim Hartplatz-Turnier in Indian Wells erstmals geheime Pläne über einen Ortswechsel des Tennis-Masters nach außen drangen, stellte der Medienstab der WTA-Tour seine Informationsarbeit ein: "Kein Kommentar." 24 Stunden später hieß es von offizieller Seite, dass es "keine Empfehlungen für eine Änderung" gebe, denn schließlich habe man mit München "einen Vertrag". In der Fußball-Bundesliga ist bei derartigen Aussagen das Schicksal des Trainers bereits besiegelt. Jetzt darf man auch im Filzballgeschäft davon ausgehen, dass die Würfel längst gefallen sind.

Da die Frauen-Weltmeisterschaft im Tennis 2001 in München floppte, soll mit einem raschen Umzug das Image des Finales der 16 weltbesten Tennis-Spielerinnen wieder aufpoliert werden. Spiel, Satz, Sieg L.A.? Mit einem raffinierten Passierball hat sich das Staples Center, in dem auch die Los Angeles Lakers in der NBA antreten, in eine glänzende Position gebracht. "Umzug der Championships nach L.A. sehr wahrscheinlich", berichtete die "Los Angeles Times", nachdem der Stein von Lisa Raymond ins Rollen gebracht worden war.

Die Amerikanerin, Mitglied des Spielerinnen-Rates der WTA, hatte in der kalifornischen Wüste erstmals bestätigt, "dass es Diskussionen gibt, die Veranstaltung wieder in die USA zu holen". Die meisten Top-Spielerinnen wurden von der Initiative nicht wirklich überrascht. "Ein paar Girls haben mir gesagt, dass es in New York besser war", meinte Monica Seles, die wegen des Hamburger Attentats Deutschland meidet und einen Ortswechsel begrüßt: "Die USA bieten das beste Umfeld." Laut Martina Hingis muss man abwägen, wo "ein besseres Business möglich ist", und Arantxa Sanchez-Vicario bedauerte, dass zu wenige Zuschauer nach München kamen - nur 36 500. Zuvor - in einem eher mäßigen Jahr im New Yorker Madison Square Garden - waren es immerhin noch 94 133 gewesen.

Da aber die US Open am Big Apple das Maß aller Dinge sind und das Saisonfinale der Damen auf immer weniger Resonanz stieß, scheint ein Wechsel an die Westküste nun die logische Konsequenz zu sein. "Los Angeles ist ein großartiger Tennismarkt und wir würden gerne mit AEG ins Geschäft kommen", hatte WTA-Chef Kevin Wulff bereits am Rande der Australian Open im Januar erklärt. AEG steht für die Anschutz Entertainment Group, die auch das hochmoderne Staples Center in Downtown Los Angeles betreibt. Deren Präsident Tim Leiweke ist ein alter Geschäftsfreund von Wulff, womit sich der Kreis schließt.

Der Umzug nach Kalifornien scheint beschlossene Sache zu sein, obwohl der Vertrag zwischen der WTA und der Olympiapark GmbH noch bis einschließlich 2003 läuft. Deren Sprecher Arno Hartung wollte bislang nur bestätigen, dass "Gespräche laufen". Momentan ist ein juristischer Ballwechsel im Gange und es geht der WTA darum, sich aus den Münchner Verträgen herauszukaufen. Dass die unter Beschuss geratenen Münchner das Preisgeld von zwei auf drei Millionen Dollar erhöhten, war für Wulff offenbar keine Überlegung mehr wert.

Für den Chef der Frauen-Tour ist Deutschland in der Post-Steffi-Ära nur ein "zweitrangiger Markt". Jetzt sollen nächste Woche beim Turnier in Key Biscayne Nägel mit Köpfen gemacht werden. Das Direktoren-Gremium der WTA muss dem Umzug zustimmen. Daran zweifelt momentan niemand.

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