Münchener Bankkonzern mit erstem Quartal zufrieden
Hypo-Vereinsbank erwartet viel von Münchener Rück

Die Hypo-Vereinsbank, hinter der Deutschen Bank zweitgrößtes Geldhaus in Deutschland, lotet derzeit alle Möglichkeiten der Kooperation mit dem Münchener-Rück-Konzern aus. Die Zahlen für das erste Quartal lagen leicht unter den Analysten-Erwartungen. Bei Privatkunden gab es einen Gewinneinbruch. Der Aktienkurs gab daraufhin nach.

HANDELSBLATT, cbu MÜNCHEN. "Wir sind glücklich, dass wir jetzt einen starken Versicherungspartner haben", hieß es am Montag anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Derzeit würden alle Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Münchener-Rück-Konzern ausgelotet. Es seien bereits gemeinsame Arbeitsgruppen gebildet worden. Wann mit ersten Ergebnissen gerechnet werden kann, ist noch offen. Offenbar soll dies aber so schnell wie möglich erfolgen, um Synergien zu heben.

Im Rahmen der Neuordnung der deutschen Finanzszene wird die Münchener Rück mit 25,7 % eine Sperrminorität an der HVB übernehmen. Die HVB wiederum hält 13,3 % an der Münchener Rück. Geplant ist zunächst eine gegenseitige Vertriebszusammenarbeit mit der Ergo Versicherung (Victoria, DKV, Hamburg-Mannheimer, DAS), die Erstversicherungstochter der Münchener Rück. Bereits jetzt verkauft die HVB in bestimmten Regionen Produkte des Lebensversicherers Victoria.

Weitere Projekte sind im Asset-Management geplant. Hier ist die HVB unter anderem mit der Fondstochter Activest am Markt. Die Münchener Rück hat das Vermögensanlage-Geschäft in der Meag gebündelt. Zudem könnten die beiden Partner im Risikomanagement zusammenarbeiten, hieß es

. Mit der Entwicklung im ersten Quartal 2001, das stark von der erstmaligen Konsolidierung der Bank Austria (BA) gezeichnet ist, zeigte sich die HVB zufrieden. "Wir haben uns angesichts des Marktumfelds wacker geschlagen", hieß es. Das Betriebsergebnis verbesserte sich um knapp 19 % auf 837 Mill. Euro. Darin enthalten ist allerdings der einmalige steuerfreie Ertrag aus dem Verkauf des britischen Vermögensverwalters Foreign & Colonial in Höhe von 370 Mill. Euro. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um knapp 25 % auf 770 Mill. Euro. Die Eigenkapitalrendite belief sich Ende März auf 10,9 %. Bis 2004 soll diese gemäß den Planungen auf 15 % verbessert werden.

Die Zahlen lagen leicht unter den Erwartungen der Analysten. Konrad Becker von Merck Finck kritisierte jedoch, dass der Einfluss der Erstkonsolidierung der Bank Austria nicht abzuschätzen ist. Die HVB veröffentlichte keine vergleichbaren Vorjahreszahlen. An diesem Mittwoch will die Bank Austria allerdings eigene Zahlen vorstellen. Negativ fiel den Analysten auch die schwache Entwicklung des Provisionsüberschusses auf. Dies sei "enttäuschend", meinte Metehan Sen von Sal. Oppenheim. Zudem seien die Kosten weiter gestiegen, auch bereinigt um außerordentliche Effekte, kritisierte Sen. Der Analyst wies daraufhin, dass die Frankfurter Großbanken im ersten Quartal die Kosten teilweise deutlich reduzieren konnten.

Inklusive BA schnellte der Verwaltungsaufwand um knapp 59 % auf 1,9 Mrd. Euro nach oben. Die Integration der BA laufe derzeit planmäßig, hieß es. In den Zahlen enthalten ist zudem erstmals der französische Direkt-Broker Selftrade, der von der HVB-Tochter DAB-Bank übernommen wurde.

Besonders bemerkbar machte sich die Börsenflaute im Privatkundengeschäft. Das Betriebsergebnis in diesem Geschäftsbereich, das eines der Kernfelder der HVB ist, brach von 239 Mill. Euro auf 98 Mill. Euro ein. Die Eigenkapitalrendite liegt jetzt bei nur noch 3,5 %. Ein HVB-Sprecher verwies in diesem Zusammenhang auf die Probleme der Branche.

Der Abgang des für Privatkunden zuständigen Vorstands Stephan Schüller stehe aber damit nicht im Zusammenhang, betonte der Sprecher. Schüller wird Chef der Hamburger HVB-Tochter Vereins und Westbank. - Seine Aufgaben werden aufgeteilt. Vorstandsmitglied Eberhard Rauch übernimmt die Verantwortung für Privatkunden, Stefan Jentzsch für Private Banking und Geschäftskunden. Von einer guten Entwicklung berichtete die Bank im Hypothekengeschäft.

Die HVB-Aktie gab Montag um über 1 % auf unter 59 Euro ab. Bereits Ende der vergangenen Woche war das Papier in Erwartung der Quartalszahlen nach unten gegangen.

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