Münchener Großbank enttäuscht die Erwartungen
Hypo-Vereinsbank sieht rot

Schlechter Auftakt für die Halbjahreszahlen der deutschen Banken: Die Hypo-Vereinsbank (HVB) meldete erstmals ein negatives Quartalsergebnis. Die Ziele für das Gesamtjahr kann die Bank wohl nicht mehr erreichen. Die Talfahrt der HVB-Aktie auf immer neue Rekordtiefs kam jedoch zunächst zum Stillstand.

cbu MÜNCHEN. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) ist für den Rest des laufenden Geschäftsjahres pessimistisch. "Richtig Geld verdienen werden wir erst wieder 2003", sagte HVB-Chef Albrecht Schmidt in München bei der Präsentation der Zahlen für das 2. Quartal. Es gehe derzeit ein "Orkan" über die Kapitalmärkte. Schmidt hofft, dass es ein "reinigendes Gewitter" ist. "Insgesamt rechnen wir nicht damit, dass schon in diesem Jahr eine konjunkturelle Besserung eintritt", sagte Schmidt.

Wie die HVB spüren derzeit alle deutschen Großbanken die tiefe Krise an den Kapitalmärkten. Der Chef der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, spricht bereits von einer Bankenkrise in Deutschland. Deutsche Bank, Commerzbank und der Allianz-Konzern, zu dem die Dresdner Bank gehört, werden in den kommenden zwei Wochen ihre Zahlen vorlegen.

Die HVB machte einen denkbar schlechten Auftakt: Erstmals in der Geschichte der Bank wurde im Quartal ein negatives Betriebsergebnis ausgewiesen. Dieses liegt im Zeitraum April bis Juni bei minus 89 Mill. Euro. Im ersten Quartal war es noch ein Plus von 330 Mill. Euro gewesen. Gleichzeitig konnte Finanzvorstand Wolfgang Sprißler aber einen Gewinn von 411 Mill. Euro aus dem Verkauf von Allianz-Anteilen verbuchen, so dass unter dem Strich dann doch noch ein Nach-Steuer-Quartalsgewinn von 185 Mill. Euro.

Ursprünglich hatte Schmidt für 2002 eine Eigenkapitalrendite von sieben bis neun Prozent eingeplant. Dies zu erreichen sei jetzt "zunehmend unwahrscheinlich", hieß es. "Aus heutiger Sicht werden wir dieses Ziel voraussichtlich nicht erreichen", sagte Schmidt zu Analysten. Trotzdem erwartet die Bank für das laufende und das nächste Quartal wieder positive Ergebnisse. Die Maßnahmen zur Kostensenkung würden wirken. Zudem werde der Sparkurs nochmals verschärft. Eingespart werde jetzt bei Dienstwagen, Reisen, Telekommunikation und Büroeinrichtungen. "Schöner Wohnen ist vorbei", sagte Schmidt. Auch weitere Stellenstreichungen seien nicht ausgeschlossen. Die HVB hatte bereits den Abbau von 9100 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Erträge brechen schneller weg als die Kosten sinken, stellte Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck, fest.

Von Pleitewelle betroffen

Grund für die schlechte Entwicklung ist neben einem Rückgang des Zinsüberschusses die deutlich angehobene Risikovorsorge. Die HVB ist mit einem deutlich größeren Kreditportfolio stärker als die anderen Banken von der Pleitewelle betroffen. Die Münchener sind bei fast allen großen Insolvenzen, von Kirch über Holzmann und Fairchild-Dornier bis zu Babcock Borsig, dabei. Für das Gesamtjahr wird jetzt mit Wertberichtigungen von 2,5 Mrd. Euro gerechnet, bisher standen etwa 2,1 Mrd. Euro in der Planung. Finanzchef Sprißler bestätigte zudem, dass das Ergebnis der Sonderprüfung zu den Kirch-Krediten durch das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistungen (BAFin) vorliege. Es sei eine Empfehlung für die Höhe der Wertberichtigungen ausgesprochen worden. Er ließ durchblicken, dass die HVB daraufhin die Risikovorsorge für Kirch nur geringfügig erhöhen musste.

Die negative Entwicklung bei der HVB hatte sich bereits in den vergangenen Tagen angekündigt. Die Erwartungen der Analysten wurden damit enttäuscht. Die Experten von West LB Panmure teilten aber mit, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten seien. Die HVB-Aktie lag nach anfänglichen Gewinnen am Nachmittag wieder im Minus. Seit Wochenbeginn war das Papier deutlich gefallen. Am Mittwoch rauschte die Aktie zeitweise um 15 % nach unten und markierte ein neues Rekordtief bei gut 17 Euro.

Der Kurs sei "unakzeptabel niedrig", sagte Schmidt zu der Entwicklung. Der Konzernchef sieht die HVB aber nicht als Übernahmekandidat. Er verwies darauf, dass es auch den anderen Finanzkonzernen schlecht gehe. Die Münchener Rück, größter Rückversicherer der Welt, hält 25,7 % an Deutschlands zweitgrößter Geschäftsbank. Rück-Chef Hans Jürgen Schinzler äußerte sich zuletzt unzufrieden mit dem HVB-Aktienkurs.

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