Münchener Halbleiter-Hersteller verhandelt jetzt auch mit koreanischem Hynix-Konzern: Infineon setzt Micron unter Druck

Münchener Halbleiter-Hersteller verhandelt jetzt auch mit koreanischem Hynix-Konzern
Infineon setzt Micron unter Druck

Der US-Halbleiter-Produzent Micron bekommt Konkurrenz durch Infineon. Die Deutschen buhlen jetzt mit den Amerikanern um einen Einstieg bei dem angeschlagenen koreanischen Chip-Hersteller.

jojo MÜNCHEN. Ulrich Schumacher bringt Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Chip-Hersteller Micron und der hoch verschuldeten Hynix Semiconductor Inc. Am Wochenende traf sich der Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies AG zu Gesprächen mit Hynix-Managern. Ein Infineon-Sprecher wollte zum Inhalt der Verhandlungen nichts sagen. Es seien jedoch "konstruktive" Gespräche gewesen, die fortgesetzt würden. Hynix betonte, es gebe noch keine Ergebnisse.

Die Südkoreaner verhandeln seit Wochen mit Micron über den Verkauf ihrer Speicherchip-Werke. Zuletzt waren die Gespräche aber abgebrochen worden, weil sich die Firmen nicht auf den Preis einigen konnten. Micron hatte zunächst rund 3,1 Mrd. $ geboten, Hynix forderte dagegen 5 Mrd. $.

Gestern gab es Gerüchte, Micron hätte sein Angebot nun auf 3,8 Mrd. $ aufgestockt. Koreanische Zeitungen meldeten ferner, Infineon hätte eine bessere Offerte vorgelegt und damit Micron unter Druck gebracht. Infineon wollte ein konkretes Angebot aber nicht bestätigen.

Schumacher hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass er sich nicht finanziell an der Sanierung anderer Halbleiter-Hersteller beteiligen wolle. Dies sei auch kaum möglich, betonen Analysten, da Infineon selbst knapp bei Kasse sei.

Die Münchener haben sich erst Anfang des Jahres über eine Wandelanleihe frisches Kapital beschafft, nachdem sie bereits im vergangen Sommer über eine Kapitalerhöhung 1,5 Mrd. $ eingenommen hatten.

Im Dezember waren bereits die weit fortgeschrittenen Verhandlungen von Infineon und Toshiba über eine Zusammenarbeit bei Speicherchips gescheitert. Die Deutschen wollten sich nicht an der Sanierung der angeschlagenen Speicherchip-Sparte der Japaner beteiligen. Stattdessen übernahm Micron ein US-Werk von Hynix, dafür steigt Toshiba aus der Speicherchip-Fertigung aus. Die gesamte Branche stöhnt über zu hohe Kapazitäten und drastisch geschrumpfte Nachfrage.

Nun soll Infineon sogar die mehrheitliche Übernahme von Hynix angeboten haben. Vergangene Woche hieß es noch, eine Kooperation könne sich auch nur auf einzelne Bereiche wie Entwicklung oder Marketing beschränken. Analysten halten dies für die wahrscheinlichere Lösung.

Ob es überhaupt zu einer Zusammenarbeit zwischen Infineon und den Koreaner kommt, ist völlig offen. Die Asiaten würden nach wie vor einen Deal mit Micron bevorzugen, hieß es bei der Korea Exchange Bank, dem größten Gläubiger des mit rund 6,5 Mrd. $ verschuldeten Konzerns. Schon heute will sich offenbar Hynix-Chef Park Chong Sup in den USA mit dem Micron-Management treffen.

Die Chip-Branche beobachtet die Verhandlungen über die Zukunft von Hynix mit großem Interesse. Da die Preise für Speicherchips immer noch weit unter den Herstellkosten liegen, hoffen die Unternehmen, dass die Kapazitäten schnell gekürzt werden. Eine Übernahme von Hynix würde diesen Prozess beschleunigen, so die Erwartungen.

Sollten sich Hynix und Micron einigen, entstünde der größte Speicherchip-Hersteller der Welt. Der derzeitige Branchenprimus Samsung würde auf den zweiten Platz verdrängt, weit vor Infineon.

Die Infineon-Aktie reagierte gestern mit einem leichten Plus von rund 1 % auf etwa 25 Euro auf die Nachrichten. Als vergangene Woche die ersten Kontakte mit Hynix bekannt wurden, hatte der Kurs um 5 % zugelegt.

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