Münchener Konzern baut Kapazitäten in Shanghai aus
Siemens produziert UMTS-Handys in China

Das ist Siemens nicht gewohnt: Innerhalb eines Jahres hat sich der Marktanteil von Siemens Mobile in China halbiert. Nur noch 5 % aller im Reich der Mitte verkauften Handys kommen von dem Münchener Konzern. Jetzt ist Schadensbegrenzung angesagt - das deutsche Unternehmen baut seine Aktivitäten in dem heftig umkämpften asiatischen Markt aus.

mg SCHANGHAI. Lokale Hersteller haben in China in nur vier Jahren die Hälfte des Marktes für Mobiltelefone erobert. Etwa 30 lokale und 25 ausländische Hersteller produzieren insgesamt etwa 150 Millionen Handys pro Jahr - bei einer Nachfrage von 60 Millionen Geräten. Das Resultat sind Überkapazitäten und Preiskämpfe. In den Lagern der Hersteller liegen momentan gut 23 Millionen Handys - mehr als ein Drittel der Gesamtverkäufe im Jahr 2002. Folge: Die Preise sinken jedes Jahr um 10 bis 15 %.

An den Preiskämpfen will Siemens sich nicht beteiligen. "Wir hätten leicht ein oder zwei Millionen Handys mehr verkaufen können", sagt Peter Borger, Präsident des chinesischen Mobilfunk-Werkes Siemens Shanghai Mobile Communications (SSMC). "Aber wir hätten dabei keinen Gewinn gemacht."

Trotzdem will Siemens die Kapazitäten in dem Werk ausbauen. Insgesamt 30 Mill. $ will der Konzern investieren, hieß es gestern anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Fabrik. Allerdings ist ein Großteil der Handy-Produktion schon heute für den Export bestimmt: Allein 2003 sollen 9 Millionen der rund 14 Millionen in Shanghai gebauten Handys außerhalb Chinas verkauft werden.

Siemens will SSMC nach Aussage von Bereichsvorstand Lothar Pauly ausbauen zum weltweit zweiten Produktionsstandort des Unternehmens für UMTS, die in Europa gängige Mobilfunktechnologie der dritten Generation. Außerdem wartet der Konzern darauf, dass die chinesische Regierung die Lizenzen für die dritte Generation von Mobiltelefonen verteilt. Die Münchener haben zusammen mit der chinesischen Telekom-Firma Datang eine eigene Technologie mit der Abkürzung TD-SCDMA entwickelt - die könnte in China statt UMTS Standard werden.

Feldversuche in Zentralchina bezeichnete Pauly als "ermutigend". Angesichts der sinkenden Marktanteile und der schärferen Konkurrenz der lokalen Hersteller würde es Siemens helfen, wenn die Lizenzen schnell kommen. "Ich hoffe und glaube immer noch, dass sie im laufenden Jahr kommen", sagt Pauly. "Aber ich würde nicht mein eigenes Geld darauf wetten."

Chinas Telekommarkt hat Analysten zufolge nach stürmischem Wachstum die besten Zeiten hinter sich. Die Branche musste im ersten Halbjahr 2003 einen Gewinnrückgang um über 35 % hinnehmen - das chinesische Ministerium für Informationsindustrie sieht als Hauptgrund den hart umkämpften Mobilfunkmarkt. SSMC-Chef Borger sagt das Ausscheiden von möglicherweise der Hälfte der 30 lokalen Hersteller in den kommenden zwölf Monaten voraus.

Quelle: Handelsblatt

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