Münchener Konzerne legen in dieser Woche Jahreszahlen vor – Zukäufe lassen auf sich warten
Siemens und Infineon auf Rekordfahrt

Mit Rekordergebnissen werden Siemens und der Chipkonzern Infineon aller Voraussicht nach in dieser Woche aufwarten. Für die seit längerem schwachen Aktienkurse der beiden Dax-Werte werden Impulse erwartet. Aber gerade im Siemens-Bereich Information und Kommunikation ist noch einiges zu tun.

HB MÜNCHEN. Das brummende Mobilfunk-Geschäft sowie der Boom in der Chipbranche sorgen für die stärksten Impulse bei Siemens und deren Tochter Infineon Technologies, noch zu 69 % in Besitz des Münchener Konzerns. Insgesamt dürfte sich Konzernchef Heinrich von Pierer am Mittwoch nach groben Schätzungen über ein Gesamtergebnis von nahezu acht Mrd. Euro" für das Geschäftsjahr 1999/2000 (30.9.) freuen - im Vergleich zu 1998/99 mehr als eine Verdoppelung.

Analysten gehen in ihren Berechnungen davon aus, dass das Siemens-Ergebnis nach Steuern bei mindestens 3,2 Mrd. Euro liegen wird. Dazu kommen außerordentliche Erträge aus den Börsengängen von Epcos und Infineon sowie dem Verkauf verschiedener Geschäftsbereiche von wenigstens 4,6 Mrd. Euro. Dabei werden wohl alle Geschäftseinheiten Gewinne abliefern. Erstmals seit langem will der Siemens-Konzern auch wieder einen positiven Geschäftswert-Beitrag (GWB) ausweisen, also ein Plus auch nach Abzug aller Kapitalkosten. Über eine Erhöhung der Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr wird schon spekuliert.

Profitiert hat Siemens insbesondere von der positiven Entwicklung bei Infineon. Der Chipkonzern, der seine Jahreszahlen einen Tag früher am morgigen Dienstag vorstellen wird, dürfte weiterhin der stärkste Profitträger im Konzern sein. Analysten erwarten ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 1,3 Mrd. Euro" und 1,5 Mrd. Euro, 1998/99 lag dieser Wert erst bei etwa 50 Mill. Euro. Das starke Wachstum am Halbleitermarkt, derzeit etwa 37 %, wird nach Ansicht von Infineon auch 2001 anhalten, sich mit 20 bis 25 % aber etwas abschwächen. Infineons Ziel ist dabei, schneller als der Markt zu wachsen.

Gut läuft auch der Mobilfunk. Der Siemens-Bereich ICM, in dem sowohl das Geschäft mit Handys als auch mit mobiler Infrastruktur zusammen gefasst ist, war schon nach den ersten neun Monaten hinter Infineon zweitstärkster Gewinnlieferant. In 1999/2000 hat Siemens sein Absatzziel von 30 Millionen Handys lediglich wegen mangelnder Produktionskapazität und wegen Lieferschwierigkeiten der Komponentenhersteller verfehlt. Für 2001 rechnet ICM-Chef Rudi Lamprecht weiter mit dem Verkauf von bis zu 60 Millionen Mobilfunktelefonen.

Weitere Ergebnisträger im Siemens-Konzern sind derzeit die Bereiche Automatisierung und Antriebe, das Netzwerk-Geschäft (ICN) sowie die Medizintechnik. Auch die ehemaligen Sorgenkinder Verkehrstechnik und Energie/KWU haben die Wende geschafft.

Bei so viel Licht gibt es allerdings auch Schatten. Insbesondere im wachstumsträchtigen Bereich "Information and Communication" gibt es noch einiges zu tun. So sind den vollmundigen Ankündigungen, Siemens wolle sich hier über Akquisitionen vor allem in den USA stärken, bisher noch kaum Taten gefolgt. Bei ICM stehen hohe Investitionen für den geplanten Markteintritt in den USA und für die Entwicklung der neuen UMTS- Technologie an. Experten befürchten zudem, dass UMTS-Ausrüster wie Siemens einen erheblichen Anteil am Risiko bei der Einführung des neuen Mobilfunkstandards mittragen müssen. Bei der Entwicklung der UMTS-Infrastruktur kooperiert Siemens mit NEC. Bei UMTS- Endgeräten wird gerade an einer Partnerschaft mit Toshiba gearbeitet.

Probleme gibt es auch im Bereich Netzwerktechnik (ICN). ICN-Chef Roland Koch hat gerade ein 4-Punkte-Sanierungsprogramm verkündet. Damit soll endlich der Übergang zur Internet-Technologie gelingen. Derzeit ist Siemens noch zu stark im Geschäft mit herkömmlichen Telefonnetzen und-vermittlungstechnik verhaftet. Konkurrenten wie Cisco oder Lucent sind bereits weit enteilt. Der Börsengang der US-Internettochter Unisphere an die New Yorker Nasdaq steht noch aus.

Auch das Computer-Joint-Venture Fujitsu-Siemens (bei ICM konsolidiert) läuft noch nicht rund. Der IT-Dienstleister SBS (Siemens Business Services) ist zwar wieder in den schwarzen Zahlen. Ein Großteil des Gewinnes würde aber mit Siemens-internen Aufträgen erzielt, monieren Insider. Die Aktienkurse von Siemens und Infineon litten zuletzt unter der allgemeinen Schwäche bei High-tech-Titel. Infineon legte aber am Freitag um fast 5 % zu, Siemens um knapp 2 %. Beide Dax- Werte notieren derzeit aber noch weit unter den Hochständen.

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