Münchener Medienkonzern bei der Commerzbank mit 300 Mill. Euro verschuldet: Kirch-Gruppe gewinnt mit Notverkäufen Zeit

Münchener Medienkonzern bei der Commerzbank mit 300 Mill. Euro verschuldet
Kirch-Gruppe gewinnt mit Notverkäufen Zeit

Mit den Verkäufen von Anteilen am Zeitungskonzern Springer und dem spanischen Fernsehsender Telecinco will die angeschlagene Kirch-Gruppe Zeit gewinnen. Die Schulden sind offenbar höher als angenommen. Am Dienstag bestätigte die Commerzbank einen Kredit von 300 Mill. Euro an Leo Kirch.

cbu/rob/mab/mw//hps/sk MÜNCHEN. Die finanziell angeschlagene Kirch-Gruppe, München, spielt auf Zeit. Mit einem abgestimmten Paket von Notverkäufen soll ein drohender Liquiditätsengpass vermieden werden. Die jetzt bekannt gewordenen Verkäufe würden dem Medienkonzern voraussichtlich bis April Luft verschaffen.

Schon in den nächsten Tagen will Kirch-Gruppe entscheiden, an wen die 40 %-Beteiligung an der Axel Springer Verlag AG (ASV) verkauft werden soll. Wie berichtet, hat die Hypo-Vereinsbank (HVB) der Kirch-Gruppe eine Option gewährt. Danach erklärt sich die Münchener Großbank bereit, das Springer-Paket für etwa 1,1 Mrd. Euro zu übernehmen. Mit der HVB-Option im Rücken spricht Kirch offenbar jetzt auch mit anderen Interessenten und versucht, einen höheren Preis zu erzielen.

An der Börse ist 40 %-Beteiligung derzeit etwa 800 Mill. Euro wert. Mit im Rennen ist nach Handelsblatt-Informationen zumindest noch ein Gebot der Deutsche Bank Tochter DB Investor. Dem Wall Street Journal Europe zufolge liegt das Angebot über dem der Hypo-Vereinsbank.

Nach Informationen des Handelsblattes sollen Credit Suisse First Boston und JP Morgan Chase auch Bieter sein. Unter den Interessenten für den Springer-Anteil soll auch die WAZ-Gruppe sein. Das Essener Zeitungshaus ist der viertgrößte Medienkonzern in Deutschland.

Nach negativen öffentlichen Äußerungen von Deutsche Bank Chef Rolf Breuer werden in München dem Angebot aber kaum noch Chancen eingeräumt. Breuer hatte in der vergangenen Woche öffentlich die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in Frage gestellt.

Offen ist, ob die Kirch-Gruppe wegen der Äußerungen, die als geschäftsschädigend gelten könnten, gegen Breuer vor Gericht ziehen will. Ein Kirch-Sprecher wollte dies gestern auf Anfrage nicht kommentieren.

Sollte das Geschäft mit der HVB - oder einem anderen Käufer - zus Stande gekommen, könnte Kirch mit dem Erlös zunächst Kredite bei der Deutschen Bank von geschätzt 700 Mill. Euro tilgen, die mit der Springer-Beteiligung besichert sind.

Seinen im April auslaufenden Kredit von 460 Mill. Euro bei der Dresdner Bank könnte Kirch über den Verkauf eines 25-%-Anteils am spanischen Sender Telecinco finanzieren. Die Verhandlungen stehen nach Informationen aus Branchenkreisen kurz vor dem Abschluss. Sie sollen rund 500 Mill. Euro einspielen. Vor allem der italienische Medienkonzern Mediaset, der zu 48,3% vom italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi kontrolliert wird, will seine Telecinco-Beteiligung von aktuell 40% auf bis zu 49% erhöhen. Die Mediengesetze in Spanien erlauben es keinen ausländischen Anbieter die Mehrheit an einem TV-Sender zu erwerben. Ursprünglich sollen die Gespräche bereits Ende letzten Jahres abgeschlossen sein.

Trotz des schwachen Werbemarktes in Spanien gilt Telecinco als profitabelster Sender in Europa. In Branchenkeisen wird Kirchs Anteil von 25 % auf 400 bis 500 Mill. Euro. Analysten schätzen den Wert des Pakets jedoch nur auf rund die Hälfte.

Möglicherweise liegen die Schulden der Kirch-Gruppe höher als ursprünglich angenommen. Bisher war von 5 bis 6 Mrd. Euro ausgegangen worden. So bestätigte die Commerzbank gestern, dass die Kirch-Gruppe bei ihr mit 300 Mill. Euro verschuldet sei. Auslöser der schweren Finanzkrise bei Kirch ist die Forderung von Springer über rund 770 Millionen Euro für dessen Beteiligung am Kirch-Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1.

Nach Informationen aus Branchenkreisen finden derzeit Gespräche zwischen Autoherstellern wie Daimler-Chrysler und Bertelsmann über eine Neuorganisation der Formel 1 statt. Derzeit vermarkten Kirch und Bernie Ecclestone den Rennzirkus. Einer Lösung stehen vor allem finanztechnische Probleme im Wege. Viele Fragen seien noch offen, heißt es bei der Bertelsmann-Tochter RTL. Der zu Bertelsmann gehörende Fernsehkonzern sieht sich jedoch als "natürlicher Partner" für die Autokonzerne.

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