Münchener-Rück-Chef Schinzler geht in den Aufsichtsrat der Hypo-Vereinsbank: HVB-Aktionäre sollen Umbau zustimmen

Münchener-Rück-Chef Schinzler geht in den Aufsichtsrat der Hypo-Vereinsbank
HVB-Aktionäre sollen Umbau zustimmen

Der Hypo-Vereinsbank droht eine turbulente Hauptversammlung: Die Aktionärsschützer von DSW und SdK wehren sich vehement gegen die Wahl von Ex-Chef Albrecht Schmidt zum Aufsichtsrats-Chef. Zudem sollen die Aktionäre den Umbau des Konzerns und Vorratsbeschlüsse für mögliche Anleihen absegnen.

MÜNCHEN. Diskretion ist bei der Münchener Rück Pflicht. So ist Konzernchef Hans-Jürgen Schinzler - fast unbemerkt von der Öffentlichkeit - am 3. März vom Amtsgericht München als Aufsichtsrat der Hypo-Vereinsbank (HVB) bestellt worden, ohne dass dies bekannt gemacht wurde. Die reguläre Wahl Schinzlers in das Aufsichtsgremium soll nun auf der nächsten Hauptversammlung der HVB am 14. Mai von den Aktionären nachgeholt werden. gut 25 % der Anteile hält, im Aufsichtsrat der HVB. Bisher vertrat lediglich Lothar Meyer, Chef der Rück-Tochter Ergo, deren Interessen mit. "Da scheint die Münchener Rück, vielleicht zu spät, den Ernst der Lage erkannt zu haben", sagt Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) dem Handelsblatt. 2002 war die Münchener Rück durch einen Rekordverlust der HVB, der einen Absturz der Aktie auslöste, belastet worden.

Harsche Kritik gibt es auch an der bevorstehenden Wahl des langjährigen Chefs des Bankkonzerns, Albrecht Schmidt, an die Spitze des Aufsichtsrates. Auch er ist schon zum Jahresanfang per Amtsgerichtsbeschluss auf seinen neuen Posten gelangt; davor war er Vorstandsvorsitzender der Bank.

Dieser Wechsel rief vehemente Kritik hervor und verstößt gegen den "Corporate- Governance"-Kodex, der sich gegen den Aufstieg von Unternehmenschefs in den Aufsichtsratsvorsitz ausspricht. Aber Schmidt wird auch mangelnder Erfolg vorgeworfen: "Wer die Bank strategisch in diese Lage manövriert hat, hat an der Spitze des Aufsichtsrats nichts zu suchen", meint SdK-Mann Schneider. Dagmar Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigt Widerstand an: "Wir werden ausdrücklich dagegen votieren." Die Wahl verhindern können diese Stimmen nicht, weil die Großaktionäre mit ihrer Mehrheit hinter Schmidt stehen.

Wichtigster Punkt der Hauptversammlung dürfte die schwierige wirtschaftliche Lage der HVB sein. Für 2002 muss wegen der hohen Verluste die Dividende ausfallen. Zudem müssen die Anteilseigner dem Umbau des Konzerns zustimmen.

Punkt 9 der Tagesordnung der Hauptversammlung sieht den Beschluss zur Abspaltung der gewerblichen Immobilienfinanzierung in der neuen Hypo Real Estate Holding AG vor. Die Aktionäre sollen für vier HVB-Aktien ein Papier der neuen Bank erhalten.

Zudem sind Vorratsbeschlüsse für die Ausgabe von verschiedenen Arten von Anleihen, darunter auch eine Zwangswandelanleihe, zu fassen. Das Gesamtvolumen soll wie bisher bei bis zu 1,5 Mrd. Euro liegen. Das genehmigte Kapital soll auf 125 Mill. Aktien (bisher 100 Mill. Aktien) angehoben werden, was beim derzeitigen Kurs etwa 960 Mill. Euro entspricht.

Die Kernkapitalquote der HVB soll bis Jahresende von derzeit 5,7 % auf bis zu 7 % steigen. Außerdem sollen weitere Kredite verbrieft werden, um die Risiko-Position zu verbessern und das Eigenkapital zu entlasten. Davon betroffen sind rund 4,8 Mrd. Euro an Immobilienkrediten.

Der vom neuen HVB-Chef Dieter Rampl angekündigte Teilbörsengang der profitablen Österreich-Tochter Bank Austria braucht nicht die Zustimmung der Aktionäre.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%