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Münchener Rück leidet unter Naturkatastrophen

Die Klimaveränderung setzt dem Rückversicherer zu. Die Zahl der Naturkatastrophen ist zwar gesunken, der entstandene Schaden aber steigt.

Reuters MÜNCHEN. Im Schatten der Anschläge von New York und Washington ist es der Jahresbilanz der Münchener Rück zufolge 2001 weltweit zu weniger Naturkatastrophen gekommen als ein Jahr zuvor. Allerdings fielen die Schäden deutlich schwerer aus: Bei den 700 Unwettern, Erdbeben, Stürmen, Dürren und Überschwemmungen kamen 25 000 Menschen ums Leben, zweieinhalb Mal so viele wie 2000, teilte die Münchener Rück als weltgrößter Versicherer in ihrem jährlichen Bericht am Freitag in München mit. Naturkatastrophen richteten Schäden von rund 36 (2000: 30) Mrd. Dollar an. Weil ein immer größerer Teil davon versichert sei, drohten die Versicherer an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit zu stoßen, hieß es. So könne ein Erdbeben größere Schäden verursachen als die Anschläge in den USA.

Die 700 gezählten Katastrophen lagen nach Angaben der Rück zwar unter dem Rekordwert von 850 aus dem Jahr davor, aber über dem langjährigen Mittel von 650. Den Grund für die Zunahme sieht Gerhard Berz, der Leiter des Fachbereichs GeoRisikoForschung des Rückversicherers, in der Klimaveränderung weltweit. So habe über Singapur ein Taifun gewütet, der bisher meteorologisch für unmöglich gehalten worden sei. Die Versicherer und Rückversicherer mussten im vergangenen Jahr 11,5 (7,5) Mrd. Dollar an Naturkatastrophen-Schäden begleichen, über 50 % mehr als ein Jahr zuvor.

Auch weiterhin sei damit zu rechnen, dass die versicherten Schäden weitaus stärker stiegen als die volkswirtschaftlichen, heißt es in der Studie. Die Weltbevölkerung und die versicherten Werte in gefährdeten Regionen nähmen zu. New York habe gezeigt, wie verletzbar Ballungszentren sind. "Nach unseren Schätzungen können extreme Schadenbelastungen aus Naturkatastrophen noch über dem versicherten Schaden vom 11. September liegen", warnten die Versicherungsexperten. "Kunden, Versicherer und Rückversicherer müssen nun das bisher Undenkbare berücksichtigen", teilte Rück-Vorstandsmitglied Wolf Otto Bauer mit. Die Swiss Re hatte zuletzt den Gesamtschaden aus den Anschlägen auf rund 90 Mrd. Dollar veranschlagt, wovon 32 Mrd. Dollar bei den Versicherungen hängen blieben.

Zu Gute kam den Risikoträgern, dass ein Größtschaden in der Natur 2001 ausblieb. Den größten Einzelschaden verursachte der Tropensturm "Allison", der im Juni über Texas hinweg zog und sechs Mrd. Dollar teure Verwüstungen anrichtete, so viel wie noch kein anderes Unwetter seiner Art. Auf die Versicherer kamen daraus Zahlungen von 3,5 Mrd. Dollar zu, da allein 100 000 Autos in den Fluten versanken. Im US-Bundesstaat Kansas gab es mit knapp zwei Mrd. Dollar den größten Hagelschaden aller Zeiten. Insgesamt entfielen 91 % aller versicherten Schäden 2001 auf Stürme und Überschwemmungen.

Das Erdbeben im indischen Gujarat, bei dem im Januar 14 000 Menschen starben, schlug trotz volkswirtschaftlicher Schäden von 4,5 Mrd. Dollar bei den Versicherungskonzernen dagegen nur mit 100 Mill. Dollar zu Buche.

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