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Münchener Rück zeigt sich „wetterfest“

vwd MÜNCHEN. Weitgehend stabile Preise in der Rückversicherung und eine erfolgreich restrukturierte Erstversicherung dürften der Münchener Rückversicherungs AG-Gesellschaft nach Einschätzung von Analysten 2005 einen deutlichen Gewinnanstieg ermöglichen. Das eigene Ziel einer Eigenkapitalrendite von 12 Prozent wird der weltweit größte Rückversicherer den Schätzungen zufolge allerdings nicht erreichen.

"Die Münchener Rück ist wetterfester geworden", urteilt Analyst Jochen Schmitt von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Trotz der Lasten aus den tropischen Wirbelstürmen im Spätsommer, Sonderabschreibungen auf Immobilien und Nachreservierungen für die US-Tochter American Re sei die Münchener Rück 2004 "auf Kurs, das Rekordergebnis zu erzielen". Der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandsvorsitzende Nikolaus von Bomhard trimme die Gesellschaft "auf einen harten Profitabilitätskurs". Er trenne sich gegebenenfalls von Geschäft, wenn Preise und Bedingungen nicht stimmen, sagen Analysten.

"Die Rückversicherung wird 2005 ein weiteres starkes Jahr erleben", prognostiziert Analyst Stephan Kalb von Sal. Oppenheim. Die Preise bleiben seiner Prognose zufolge auf "attraktivem Niveau". Der Nettogewinn der Rückversicherung werde mindestens das Niveau von 2004 erreichen. In der Rückversicherung, die mit 17,46 Mrd Euro in den ersten neun Monaten 2004 gut 60 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen und mit 1,38 Mrd Euro den weitaus größten Teil der Erträge des Gesamtkonzerns beisteuerte, erwartet die Gesellschaft 2005 über alle Branchen hinweg stabile Preise und Bedingungen.

LRP-Analyst Schmitt wertet die Schaden-Kosten-Quote von 98,8 Prozent zum Ende September als "Indiz für das hohe Prämienniveau am Rückversicherungsmarkt sowie die weitere Limitierung und Streuung der gezeichneten Risiken bei der Münchener Rück." Selbst größere Katastrophen könnten aufgefangen werden, ohne dass der Konzern auf Segmentebene in die roten Zahlen rutsche.

Die übrigen Versicherungslinien des Münchener Unternehmens hätten bereinigt um den Effekt der Wirbelstürme 2004 "eine sehr gute Entwicklung" gezeigt, urteilt Analyst Oliver Flade von der HypoVereinsbank (HVB). Analyst Kalb rechnet für die Erstversicherungs-Sparte 2005 mit einer Ergebnissteigerung. Das Sorgenkind hat eine Umstrukturierung weitgehend abgeschlossen und wird nach Unternehmensangaben 2004 und damit ein Jahr früher als geplant seine Kapitalkosten verdienen.

Ihr Profitabilitätsziel einer Eigenkapitalrendite von 12 Prozent im nächsten Jahr hat die Münchener Rück zuletzt bei der Vorlage der Neunmonats-Zahlen bekräftigt. Dennoch bleiben einige Analysten skeptisch. "Wir sehen dieses Ziel noch in weiter Ferne", erklärt HVB-Analyst Flade, der eine Rendite von 11 Prozent prognostiziert. Er verweist auf die durch die Kapitalerhöhung gewachsene Kapitalbasis, wodurch 2005 ein Überschuss von rund 2,5 Mrd Euro erforderlich wäre, um die Zielrendite zu erreichen.

Flade prognostiziert für 2005 einen Überschuss von 2,293 Mrd Euro, nach geschätzten 1,930 Mrd Euro im laufenden Jahr. Die LRP rechnet mit einem Überschuss von 2,124 (2004 erwartet 1,933) Mrd Euro und einer Eigenkapitalrendite von 10,3 Prozent. Morgan Stanley sieht ein Nettoergebnis von 2,11 (2004 erwartet 1,816) Mrd Euro und eine Eigenkapitalrendite von 12,1 Prozent. Allerdings wird die Münchener Rück ab 2005 nach der neuen IAS-Regel keine regelmäßigen Goodwill-Abschreibungen mehr vornehmen, wodurch die Zielrendite leichter erreichbar sein dürfte.

Nach der herben Rückstufung ihres Ratings durch Standard & Poor's, die die gesunkene Kapitalstärke des Rückversicherers kritisiert hatte, reagierte die Münchener Rück mit einer Kapitalerhöhung um rund 4 Mrd Euro. Zu der vom Markt erwarteten Anhebung des Ratings hält sich S&P bislang zurück. Das Erreichen der Kapitalstärke auf dem Niveau des "AA"- Ratings werde zum Jahresende 2004 erwartet, schreiben die Analysten in ihrer jüngsten Studie. Jedoch hänge eine Anhebung des Ratings bzw des Ausblicks von weiteren operativen Verbesserungen ab.

Kalbs Einschätzung zufolge ist das Rating für die Münchener Rück nicht entscheidend, da der Konzern "ein untadeliges Standing im Markt" habe. Unwägbarkeiten für die Geschäftsentwicklung ergeben sich den Analysten zufolge unter anderem durch Ermittlungen des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer, obwohl die Münchener Rück in dem dort vorliegenden Fall nicht als Beschuldigte gilt.

Ferner hat der Versicherungskonzern eine abermalige Reserve-Stärkung bei der American Re nicht ausgeschlossen, zugleich aber darauf verwiesen, dass die US-Tochter diese Lasten allein schultern kann. Sondererträge könnte der Rückversicherer durch Aktienverkäufe von Allianz oder HypoVereinsbank erzielen. Für beide Beteiligungen hat die Münchener Rück erklärt, dass sie sich eine weitere Reduzierung vorstellen kann.

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