Münchener schmieden Allianz für den größten Handy-Markt der Welt
Siemens ringt um neuen Mobilfunkstandard in China

17 Technologieunternehmen haben das Joint-Venture "Commit" gegründet. Es soll für China Handys herstellen, die einen UMTS-Konkurrenzstandard von Siemens unterstützen. Marktbeobachter sind skeptisch. Die chinesische Regierung könnte dem Projekt zum Durchbruch verhelfen.

HB HONGKONG. In die Bemühungen der Siemens AG, einen alternativen neuen Mobilfunkstandard in Konkurrenz zu UMTS in China zum Erfolg zu führen, kommt Bewegung: Bei der Entwicklung von Endgeräten für diese Technologie versprechen zum ersten Mal namhafte internationale Konzerne Unterstützung.

Nokia, Texas Instruments und LG Electronics haben zusammen mit 14 chinesischen und taiwanesischen IT-Unternehmen das Joint Venture "Commit" gegründet. Insgesamt investieren die sehr unterschiedlichen Partner 33 Mill. $. "Commit" soll mobile Multimedia-Handys für den chinesischen Markt entwickeln, vorrangig für den Siemens-Standard TD-SCDMA. Dieser ähnelt der in Europa verwendeten UMTS-Technologie, ist mit ihr aber nicht identisch. Führt China TD-SCDMA statt UMTS als neuen Mobilfunk-Standard ein, würde das Siemens zu einem Wettbewerbsvorteil auf dem größten Mobilfunkmarkt der Welt verhelfen. Die Münchner haben die Technik zusammen mit dem lokalen Partner Datang Telecom entwickelt und halten das Gros der Urheberrechte.

Analysten verfolgen "Commit" mit Interesse. Denn die Bereitschaft internationaler Konzerne, Ressourcen für TD-SCDMA bereit zu stellen, gilt als Gradmesser für die kommerziellen Erfolgschancen dieser Technik. Mangels Unterstützung durch die Industrie ist sie bisher von der Marktreife weiter entfernt als UMTS. "Um den Entwicklungsrückstand wettzumachen, müsste bald eine Investitionslawine losbrechen", sagt Craig Watts, Telekom-Spezialist bei der Technologie-Consulting-Agentur BDA China. Dafür sieht der Analyst keine Anzeichen. Die Unterstützung von Nokia und Texas Instruments für den Standard wertet er zwar positiv. Doch er ist skeptisch, ob die "Commit"-Eigner wirklich im großen Stil Kapital und Know-How für die TD-SCDMA-Entwicklung zur Verfügung stellen.

Allerdings ist die Zahl internationaler Konzerne, die dem "China Standard" Unterstützung versprechen, in jüngster Zeit deutlich gestiegen. Außer Commit arbeiten auch Philips und die dänische RTX Telecom an TD-SCDMA-Endgeräten und Chipsets. Fujitsu und Alcatel entwickeln Netztechnik, Siemens die ganze Produktpalette. Datang versucht, weitere Konzerne mit ins Boot zu bekommen: Das Unternehmen sucht nach Interessenten an einer Kapitalbeteiligung an seiner gerade gegründeten Tochter Datang Mobile, in der alle TD-SCDMA-Aktivitäten gebündelt werden.

Chinas Staatspresse zitiert Datang-Präsident Zhou Huan mit den Worten, die 18 Mill. $, die Datang Mobile bislang zur Verfügung stehen, reichten bei weitem nicht zur Kommerzialisierung der Technologie. Doch seien "führende internationale Konzerne" an einer Beteiligung interessiert. Chinesischen Presseberichten zufolge verhandelt Zhou mit Intel und Siemens. In der Münchner Konzernzentrale heißt es allerdings, eine finanzielle Beteiligung an Datang oder Datang Mobile sei nicht vorgesehen.

Datang und Siemens werden nicht müde zu beteuern, der Standard werde sich in China durchsetzen. Doch Analysten wie Watts bleibt skeptisch: "Ohne klares Signal aus Peking, dass TD-SCDMA eingeführt wird, werden internationale Konzerne nie genügend Ressourcen bereitstellen", glaubt er. Selbst Chinas streng zensierte Presse traut sich inzwischen, laut Zweifel an dem TD-SCDMA-Projekt zu äußern. Das angesehene Wirtschaftsmagazin "Caijing" zitiert Datangs General Manager Zhou Huan mit den Worten, ohne die Hilfe externer Partner müsse sein Unternehmen das Projekt in spätestens einem Jahr begraben.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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