Münchener Traditionshaus mit guter Kapitaldecke – Berlitz soll Verlagsangebot ergänzen
Langenscheidt vertraut seinen starken Marken

Das Traditionsunternehmen Langenscheidt stemmt sich gegen die Krise in der Buchbranche und will unabhängig bleiben. Der auf Sprach- und Reisepublikationen spezialisierte Verlag spürt jedoch die Zurückhaltung in Deutschland. Die Münchener wollen daher verstärkt im Ausland wachsen.

MÜNCHEN. Wie schwer es ist, in Deutschland derzeit mit Gedrucktem Geld zu verdienen, spürt auch der Münchener Langenscheidt-Verlag. Die Buchbranche steckt in der Krise, die Umsätze der Verlage gingen zuletzt zurück. Wachstumsimpulse erwartet die Traditionsfirma daher in erster Linie aus dem Ausland, insbesondere in den USA und in Großbritannien. Dabei setzt das 1856 gegründete Familienunternehmen auf große Namen: "Wir sind ein Haus der Marken", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Langenscheidt dem Handelsblatt. So hat sich das Unternehmen Anfang des Jahres den internationalen Verlagsbereich von "Berlitz" sowie für über 20 Jahre die international bekannten Markenrechte gesichert.

Groß geworden ist Langenscheidt, dessen Markenzeichen das hellblaue L auf sonnengelbem Grund ist, mit Wörterbüchern. Heute aber entfällt nur noch ein Drittel des gesamten Umsatzes auf den Geschäftsbereich "Sprachen". Denn der Verlag hat in den vergangenen Jahrzehnten neue Nischen besetzt.

Außer den klassischen Wörterbüchern ist der Verlag bei Reiseführern mit den Marken "Polyglott" und "Apa" am Markt. In den USA ist Langenscheidt bei Straßenkarten die Nummer zwei, an der Ostküste sogar Marktführer. Und seit 1988 sind die Münchener mehrheitlich am Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG in Mannheim beteiligt, zu dem auch der Dudenverlag und Meyers Lexikon-Verlag gehört. Insgesamt erwirtschaftete Langenscheidt zuletzt mit etwa 1 500 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 250 Mill. Euro.

Die Übernahme von Berlitz - ohne Sprachschulen und Übersetzungsinstitute - passt zur Wachstums- und Internationalisierungsstrategie. Geschätzter Umsatz der neuen Tochter: Zwischen 10 und 15 Mill. Euro. "Das ist eine starke Marke", ist Langenscheidt überzeugt. Dort, wo sein Haus bislang schwach ist, soll jetzt Berlitz in den Vordergrund rücken, etwa in Frankreich oder auch Südamerika. In den anderen Regionen sollen Langenscheidt und Berlitz in unterschiedlichen Preissegmenten positioniert werden.

Der deutsche Markt hingegen bleibt schwierig. Die Vorsteuer-Rendite des Unternehmens über alle Bereiche lag daher zuletzt unter dem langjährigen Zielwert von etwa 10 %. "Wir machen aber nirgendwo Verluste", betonte Langenscheidt, der keine Einzelheiten zur Gewinnlage nennt.

Trotz Tendenz zu Konzentrationen auch im Verlagswesen will Langenscheidt die Zukunft alleine bestehen. "Selbstverständlich bleiben wir unabhängig", betont Langenscheidt, der die Firma zusammen mit seinem Vater führt. Die Langenscheidt Kommanditgesellschaft befindet sich in Besitz von acht Familienmitglieder. Darunter ist auch Florian Langenscheidt, der Bruder von Andreas, der vor einigen Jahren aus der Unternehmensführung ausgeschieden ist, um eigene Wege als Publizist zu gehen.

Der Verlag verfügt nach eigenen Angaben auch über genügend finanzielle Mittel, um alleine bestehen zu können. Die Eigenkapital-Quote beziffert Langenscheidt je nach Beteiligung zwischen 40 und 50 %. Frisches Geld ist dem Verlag in den vergangenen Jahren unter anderem durch umfangreiche Immobilienverkäufe am Münchener Hauptsitz im Norden Schwabings zugeflossen.

Das war auch nötig, denn es gab in der Vergangenheit einige Tiefschläge. So hat der Brockhaus-Verlag zuletzt eine Krise durchgemacht. Nach einem Nachfrageboom für Enzyklopädien brach das Geschäft ein, inzwischen ist die Firma wieder in den schwarzen Zahlen - nicht zuletzt wegen des Booms bei Wissens- und Quizshows. Auch die Beteiligung an Könemann macht Probleme: Der Kölner Fachverlag musste Ende 2001 Insolvenz anmelden.

Zudem wollte Langenscheidt vom Internet-Boom profitieren. Doch die Euphorie ist verflogen. Aber Langenscheidt ist im Netz erfolgreich: Der Münchener Verlag bietet einen Online-Übersetzungsservice an. Kunden sind international tätige Mittelständler und Großunternehmen. "Da sind wir auf eine Marktlücke gestoßen", freut sich Langenscheidt.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%