Münchener verkaufen zum Start der neuen Handy-Generation erst einmal Geräte der Amerikaner
Siemens braucht bei UMTS Motorola-Hilfe

Siemens hat mit US-Konkurrent Motorola eine weit gehende Kooperation bei UMTS-Handys geschlossen. Danach werden die Münchener zum Start der neuen Mobilfunk-Generation zunächst Motorola-Geräte unter eigenem Namen verkaufen. Erst ab 2004 will Siemens dann eigene Handys auf den Markt bringen.

cbu/gil MÜNCHEN. Spekulationen um eine Mobilfunk-Allianz zwischen Motorola und Siemens, hinter Nokia die Nummern Zwei und Drei auf dem Weltmarkt, gibt es schon länger. Eine Fusion der Handy-Sparten war im vergangenen Jahr verworfen worden. Gestern nun bestätigten beide Konzerne, dass sie bei UMTS-Endgeräten eine umfangreiche Zusammenarbeit starten werden. "Weiter führende Schritte sind derzeit nicht vorgesehen", sagte gestern ein Siemens-Sprecher zu Vermutungen, beide Unternehmen könnten das Mobilfunkgeschäft doch noch zusammen fassen.

Siemens und Motorola haben vereinbart, dass die Münchener zum UMTS-Start Ende diesen Jahres zunächst Motorola-Geräte unter ihrem eigenen Namen verkaufen. Damit kann Mobilfunk-Chef Rudi Lamprecht doch noch sein Versprechen halten, zum UMTS-Start mit Geräten am Markt zu sein. Erst ab 2004 sollen eigene Siemens-Geräte verfügbar sein. Diese werden aber auch mit Chips von Motorola ausgerüstet sein. Bisher arbeitete Siemens bei Halbleitern für Mobilfunkgeräte in erster Linie mit der ehemaligen Konzerntochter Infineon zusammen.

"Motorola hat einen Entwicklungsvorsprung", sagte ein Siemens-Sprecher zur Begründung. Der Münchener Hightech-Konzern war ins Hintertreffen geraten, als Ende 2001 die Entwicklungspartnerschaft mit dem japanischen Konzern Toshiba gescheitert war. Damals hieß es bei Siemens, ein neuer Partner für die Entwicklung von UMTS-Handys sei nicht notwendig, man werde es auch aus eigener Kraft schaffen. Bei UMTS-Netzen kooperiert Siemens erfolgreich mit NEC. Beide Unternehmen bauen derzeit auf des Isle of Man ein UMTS-Pilotnetz.

Wie viel Siemens für der neue Partnerschaft zahlen wird, ist offen. "Motorola wird uns sicherlich nichts schenken", meinte ein Siemens-Sprecher lediglich. Die Amerikaner werden sich aber sicherlich gut dafür entlohnen lassen, dass Siemens vom bisher exklusiven Know-how der Amerikaner profitieren kann. Siemens spart zunächst weitere Forschungsausgaben und kann nach eigenen Angaben bei UMTS-Endgeräten damit an Geschwindigkeit gewinnen. Der Massenmarkt für UMTS mit großen Stückzahlen soll sich ohnehin erst ab 2004 entwicklen.

Motorola hatte bereits vor knapp einem Jahr angekündigt, in Europa als erster ein UMTS-Handy am Markt zu haben. Dieses Modell "A820" wird in der Fabrik des Konzerns in Flensburg gebaut und soll mit geringen Änderungen jetzt auch an Siemens geliefert werden. Zu Mengen und Preisen wollte Motorolas Marketing Direktor Mike Phillips auf Anfrage keine Stellung nehmen. "Dies hängt von der Marktentwicklung ab", sagte er. Er hält eine Dauer von rund einem Jahr für die Lieferungen an Siemens für möglich.

Längerfristig sei dagegen die Lieferung der UMTS-Chipsätze an Siemens angelegt. Hier rechnet Motorola mit Lieferungen für die ersten zwei Generationen der UMTS-Handys, also für einen Zeitraum bis etwa 2006. Dies ist das erste Mal, dass Motorola an Siemens Handys oder Chipsätze liefert. Siemens sei auch der erste Kunde außerhalb des eigenen Konzerns für die erst Ende Februar diesen Jahres vorgestellten Chipsätze von Motorola.

Damit verzichtet Siemens zumindest zum Anfang auf Chiplieferung von Infineon. Motorola-Manager Phillips hält es für technisch schwierig, in eine Handyserie Chipsätze von verschiedenen Lieferanten einzubauen. Ob Siemens bei weiteren UMTS-Handymodellen auch Chipsätze seiner früheren Konzerntochter einbaut, ist damit noch offen. Bereits vor einem Monat waren Gerüchte aufgetaucht, dass Infineon Schwierigkeiten bei der Entwicklung der UMTS-Chips habe. Damals war dies von Infineon bestritten worden. Allerdings war eingeräumt worden, dass Siemens seine Chips künftig nicht mehr ausschließlich bei Infineon beziehen werde, sondern mehrere Lieferanten wünsche. Analyst Ben Wood vom Marktforschungsinstitut Gartner Dataquest sieht in dem Abkommen auch Vorteile für Siemens. Siemens spare Entwicklungskosten und könne mit eigenen Modellen warten, bis sich der UMTS-Massenmarkt entwickelt habe.

Quelle: Handelsblatt

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