Münchner Großaktionär verlangt Schadensersatz
Kirch für Springer-Gefecht gerüstet

Der Münchner Medienunternehmer wirft dem Vorstand und der Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer vor, seinen Konzern in den Abgrund gestürzt zu haben und damit auch dem Haus Springer schwer geschadet zu haben.

DÜSSELDORF/HAMBURG. Der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch ist für das neue Gefecht mit Springer gerüstet. Auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung der AG in Berlin will der 75-jährige Großaktionär eine Sonderprüfung durch die BDO Deutsche Warentreuhand AG zu der von Springer zu Jahresbeginn ausgeübten Put-Option für die Anteile an der Pro Sieben Sat 1 Media AG durchsetzen. Außerdem sollen die Aktionäre darüber entscheiden, ob Schadenersatzansprüche gegen alle Vorstandsmitglieder und die Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer geltend gemacht werden. "Bei Springer hat man eine große Angst vor der Sonderprüfung", war sich gestern ein Kirch-Vertrauter sicher. Bei Europas größten Zeitungskonzern (Bild, Welt, Hörzu) gibt man sich hingegen gelassen. Einer Sonderprüfung wird keine Chance eingeräumt, erklärte eine Unternehmenssprecherin.

Leo Kirch wird heute zusammen mit seinem Vertrauten Dieter Hahn und dem Wirtschaftsanwalt Ronald Frohne an der Hauptversammlung teilnehmen. Ende Juni war er mit seinen Anträgen auf dem letzten Aktionärstreffen gescheitert, da sie nicht zur Abstimmung zugelassen wurden. Vor Gericht erkämpfte sich der Medienunternehmer, der 40 % an Springer hält, jedoch die außerordentliche Hauptversammlung.

Kirch macht Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und die Deutsche Bank für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich. Im Mittelpunkt des Aktionärstreffens steht zum einen die zu Jahresanfang ausgeübte Put-Option des 11,5 %igen Anteils an der Senderfamilie Pro Sieben Sat1 in Höhe von 767 Mill. Euro. Döpfner hatte durch das Ziehen der Put-Option die schwere Existenzkrise Kirchs ausgelöst. Kirch behauptet in seinem Antrag, dass Friede Springer ihren Einfluss auf Döpfner geltend gemacht hat, um ihn loszuwerden. Ein weiterer Streitpunkt ist ein Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit der Axel Springer Beteiligungs GmbH und der AS Content GmbH. Diese seien von der Hauptversammlung nicht genehmigt worden. Dennoch hat der Springer-Vorstand deren Verluste übernommen, wodurch das Konzernergebnis im letzten Jahr mit einem Fehlbetrag von knapp 200 Mill. Euro laut Kirch um fast 79 Mill. Euro deutlich höher ausfiel.

Erst am Freitag hatte die Deutsche Bank vor dem Landgericht München durchgesetzt, das 40-prozentige Springer-Paket, das ihr als Sicherheit für ihren Kredit von 730 Mill. Euro an Leo Kirch dient, selbst verwerten zu können. Die Niederlage ist jedoch für Kirch ohne praktische Bedeutung. Denn die Deutsche Bank hat bisher ihr Pfandrecht nicht ausgeübt. Die Neigung des Finanzriesens das Paket selbst zu verwerten, ist offenbar gering. Denn dann müsste die Deutsche Bank das Aktienpaket in die Bücher nehmen. Die Anteile sind jedoch derzeit nur noch rund 630 Mill. Euro wert.

Derzeit sprechen Springer und Ringier über eine Überkreuzbeteiligung. Demnach würde Springer Ringier zuerst ganz übernehmen. Mit dem Gewinn könnte der Schweizer Verlag dann den Springer-Anteil von Kirch erwerben. Die Verhandlungen Ringier und Springer laufen weiter. "Die Deutsche Bank drängt auf einen Deal mir Ringier", sagte ein Kirch-Vertrauter. Sollte tatsächlich die angestrebte Fusion zwischen Ringier und Springer klappen, hätte Kirch nicht nur seine Schulden zurückgezahlt, sondern könnte womöglich auch einen schönen Gewinn einstecken.

Ringier-Sprecher Fridolin Luchsinger dämpfte jedoch die Erwartungen: "Ein Abschluss ist noch in weiter Ferne". Eine Entscheidung werde in zwei bis drei Wochen fallen. "Ringier ist nicht unter Zeitdruck", sagte der Verlagssprecher. Bei Springer hieß es, dass nicht nur der Kaufpreis eine zentrale Rolle spiele. Es gehe um die strategische Frage, ob Ringier sich für eine Partnerschaft mit Springer entscheiden könne.

Der traditionsreiche Ringier Verlag mit rund 6 000 Mitarbeitern erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 1,062 Mrd. Schweizer Franken. Der Gewinn nach Steuern lag bei knapp 35 Mill. Schweizer Franken. Springer mit über 13 000 Mitarbeiter erzielte im ersten Halbjahr 1,368 Mrd. Euro bei einem operativen Konzernergebnis von 42 Mill. Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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