Mündigen und kritischen Anleger gefordert
Börsenkrise lässt Anleger von Einzelaktien in Fonds flüchten

Angesichts der anhaltenden Börsenkrise flüchten Anleger von Einzelaktien zunehmend in Aktienfonds. Die Zahl der Anleger, die ausschließlich in Aktien investieren, sei in den ersten sechs Monaten des Jahres um 288.000 auf knapp 3,27 Millionen gesunken, teilte das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Dienstag in Frankfurt am Main mit.

AFP FRANKFURT/M. Gleichzeitig nahm die Zahl der Fondsbesitzer um 1,3 Millionen auf 7,48 Millionen zu. "Die neue Aktienkultur ist primär eine Fondskultur", erklärte der geschäftsführende DAI-Vorstand Rüdiger von Rosen. Insgesamt besitzen laut DAI bereits 21 Prozent der Bundesbürger Aktien in Form von einzelnen Wertpapieren oder Fondsanteilen.

Immer mehr Anleger haben mittlerweile Aktien und Fondsanteile gleichzeitig im Depot. Ihre Zahl stieg dem DAI zufolge um 60.000 auf rund 2,7 Millionen. Damit ergibt sich eine Gesamtzahl von über 13,4 Millionen Aktien- und Fondsbesitzern. Dies waren 1,1 Millionen mehr als zum Jahresende 2000. Der deutliche Rückgang der Zahl ausschließlich in Aktien investierender Anleger sei "angesichts der dramatischen Kursverluste - insbesondere am Neuen Markt - eine relativ moderate Entwicklung", betonte das DAI, das sich als von Wirtschaftsunternehmen und Verbänden getragener Verein die Förderung der Aktienkultur in Deutschland auf die Fahnen geschrieben hat.

Rosen sah trotz der schlechten Börsenmeldungen der vergangenen Monate aber keine Verunsicherung der Anleger. Bewusste Falschmeldungen von Firmen trügen allerdings nicht zur Akzeptanz der Anlage in Aktien bei. Rosen nannte dabei im Hessischen Rundfunk etwa die Klage gegen das Unternehmen Infomatec wegen der Bekanntgabe eines nicht exisitierenden Großauftrages. "Das ist kriminell, wenn es so ist, dass die Meldung falsch ist und bewusst vom Vorstand falsch in die Öffentlichkeit gegeben wurde."

Rosen forderte aber auch von den Anlegern, sich intensiver mit ihrem Kapital zu beschäftigen. "Wir brauchen den mündigen und kritischen Anleger, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg mit seiner Anlage beschäftigt." Noch sei es so, dass sich die meisten in der Fußball-Bundesliga besser auskennen, als bei ihren eigenen Aktien- und Fondsanlagen.

Starke Unterschiede machte das Institut in seiner von Infratest erstellten Studie weiter beim Anlageverhalten zwischen Ost- und Westdeutschland aus. In den alten Bundesländern hatten zuletzt 11,4 Menschen Aktien oder Fondsanteile. Dies waren 22,5 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Nur-Aktionäre sank seit dem Jahresende um 50.000 auf 3,04 Millionen. Gleicheitig stieg die Zahl der reinen Fondsbesitzer um fast 1,5 Millionen auf 5,95 Millionen an. Aktien und Fonds gleichzeitig hatten 2,44 Millionen Menschen und damit 58. 000 Anleger weniger als noch vor sechs Monaten.

In den neuen Bundesländern stieg die Gesamtzahl der Aktien- und Fondsbesitzer um 237.000 auf gut zwei Millionen. Dies entsprach 15,4 Prozent der dortigen Bevölkerung. "Die Fondsanleger dominierten eindeutig die Aktienanlage in den neuen Bundesländern", erklärte das DAI. Demnach hatten zuletzt nur noch 226.000 Anleger in einzelne Aktien investiert. Dies entsprach einem Rückgang von 146.000 gegenüber dem Jahresende 2000. "Dies dürfte auf die in den neuen Bundesländern niedrigeren Geldvermögen zurückzuführen sein, die derzeit noch eine ausreichend breite Streuung im Rahmen der Direktanlage erschweren", kommentierte das DAI. Dagegen schnellte die Zahl der reinen Fondsbesitzer um 380.000 auf 1,53 Millionen hoch. In Aktien und Fonds gleichzeitig investierten 256.000 Menschen in den neuen Bundesländern und damit ungefähr ebenso viele wie noch vor sechs Monaten.

Die Studie im Internet: www.dai.de/dai_publikationen

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