Müntefering und Struck lehnen Rücktrittsforderungen ab
Führende SPD-Politiker stärken Trittin den Rücken

Nach Spekulationen über eine Ablösung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) im Falle eines schlechten Abschneidens seiner Partei bei den Landtagswahlen am Sonntag haben führende SPD-Politiker den Minister unterstützt.

rtr BERLIN. SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering sagte: "Trittin soll nicht zurücktreten. Er ist ein guter Umweltminister." Trittin müsse an seiner Arbeit gemessen werden, forderte Müntefering am Rande einer SPD-Veranstaltung am Samstag in Hagen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte der "Welt am Sonntag", er teile zwar die Kritik an Trittins Skinhead-Äußerungen über CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. "Aber Trittin hat sich mittlerweile dafür entschuldigt. Damit ist für uns die Sache erledigt."

Die rheinland-pfälzische CDU hatte vor der dortigen Landtagswahl gegen Trittin mobil gemacht. Bis Samstagabend sammelte die Partei von Spitzenkandidat Christoph Böhr nach eigenen Angaben 77 000 Unterschriften für Trittins Entlassung. Die baden-württembergische CDU von Ministerpräsident Erwin Teufel, der ebenfalls am Sonntag eine Landtagswahl zu bestehen hat, hatte sich nicht an der Unterschriftensammlung beteiligt.

Müntefering hatte Trittins Skinhead-Äußerungen am Donnerstag in einer Fernsehsendung noch scharf gerügt: "Trittin war bekloppt, als er das gesagt hat." Mehrere Zeitungen spekulierten daraufhin am Samstag über eine mögliche Ablösung Trittins. Bei den Grünen wurde allgemein erwartet, dass in der Nachlese zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vom Sonntag auch Trittins Beitrag zum Grünen-Ergebnis zur Sprache kommen wird. In der Partei wird auf Wahlforscher verwiesen, die Trittins jüngste Äußerungen als nicht hilfreich für die Partei einschätzten. Grünen-Bundesgeschäftsführer Reinhard Bütikofer hatte Trittin in einem Brief an die Wahlkämpfer in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kritisiert. Fraktionschef Rezzo Schlauch hatte Trittin dagegen unterstützt.

Trittin hatte Meyer mit einem Skinhead verglichen, weil dieser sich zu dem Satz bekannt hatte, "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein." Dies hatte zu einer allgemeinen Debatte über den Patriotismus führender Politiker geführt, in der auch Bundespräsident Johannes Rau kritisiert wurde.

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