Müntefering weist Vorwürfe zurück
Zentralrat der Juden kritisiert geplantes Schröder-Gespräch

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat an einem für Mittwoch geplanten Gespräch zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem Schriftsteller Martin Walser scharfe Kritik geübt. Man sei "irritiert und verwundert" darüber, dass die SPD am Gedenktag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 eine Veranstaltung zum Thema "Nation, Patriotismus und demokratische Kultur in Deutschland" mit Walser und dem Journalisten Christoph Diekmann durchführe, erklärte der Zentralrat am Montag in Berlin.

WiWo/ap BERLIN. Walser hatte 1998 bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels von Auschwitz als der "Moralkeule" und der "Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken" gesprochen. Der das Gespräch moderierende Diekmann stellte in der Wochenzeitung "Die Zeit" die rhetorische Frage, ob es nicht der "jüdische Volkserwählungsglaube" gewesen sei, durch den der Nationalsozialismus inspiriert worden sei.

"In jedem Fall ist die Veranstaltung mit dieser Besetzung und im Beisein des Bundeskanzlers ein Widerspruch, der die Glaubwürdigkeit Gerhard Schröders im Angesicht der Initiative 'Gegen Vergessen' und seines Anspruchs an den 'Aufstand der Anständigen' relativiert", sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Michel Friedman. Er frage sich, ob mit dieser Veranstaltung rechtsnationale Wähler angesprochen werden sollten.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering wies die Vorwürfe zurück. Er erwarte einen "interessanten und wichtigen Gedankenaustausch". Durch das Datum des 8. Mais solle sich niemand belastet fühlen. Zudem sei es bei Veranstaltungen wie diesen so, dass die Gesprächspartner nicht immer die gleiche Meinung haben müssten. Man wolle damit auch der veränderten Rolle Deutschlands in Europa und der Welt gerecht werden. Es gebe wieder eine politische Kultur der Offenheit und Toleranz.

Das Antifaschistische Bündnis Berlin und das Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus riefen zu Protesten vor der Veranstaltung auf. Das Treffen müsse verhindert werden, da es eine "ungeheure Provokation der Opfer der deutschen Volksgemeinschaft" darstelle, hieß es in einer Erklärung.

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