Mugabe schürt die Furcht vor einem Übergreifen der Land-Enteignungen
Simbabwes Präsident bekommt Rückendeckung von Namibia

Die von Beifall begleitete kämpferische Rede Robert Mugabes vor dem Uno-Weltgipfel in Johannesburg hat am Kap alte Ängste geweckt. Simbabwes Präsident preiste seine Politik der Landenteignung und Vertreibung weißer Farmer als Modell an - und schürte damit die Furcht vor einem Übergreifen der chaotischen simbabwischen Verhältnisse auf andere afrikanische Staaten, vor allem Namibia.

JOHANNESBURG. Bejubelt von einem Gutteil der afrikanischen Staatschefs, verließ Mugabe am Montag Abend mit erhobener Faust das Rednerpult des Uno-Weltgipfels. Wer Selbstkritik des simbabwischen Diktators an der katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Lage seines Landes erwartet hatte, sah sich getäuscht. Mugabe nutzte die Gelegenheit vielmehr dazu, seine verheerende Landpolitik von neuem zu verteidigen und gleichzeitig den britischen Premierminister Tony Blair wegen dessen Forderung nach Sanktionen gegen Simbabwe zu geißeln.

"Wir haben, klein wie wir sind, für unser Land und seine Souveränität gekämpft. Wir wollen keinen Zentimeter von Europa. Also: Blair, behalte England und lass? mir mein Simbabwe!" rief er aus. In Fahrt gekommen, verstieg Mugabe sich zum Ende seiner zehnminütigen Rede sogar zu der abstrusen Behauptung, die von ihm in den letzten drei Jahren forcierte entschädigungslose Enteignung weißer Farmer und die willkürliche Vergabe des Landes an Parteibonzen und andere Günstlinge sei eine Form der gerechten und nachhaltigen Entwicklung wie sie auf dem Uno-Gipfel diskutiert wird. "Nachhaltige Entwicklung ohne eine umfassende Agrarreform ist völlig unmöglich."

Scharfe Angriffe auf den Westen

Kurz vor Mugabes Rede hatte bereits Namibias Präsident Sam Nujoma eine harte Attacke gegen den britischen Premier und die früheren Kolonialmächte geritten. Wie vor zehn Tagen auf dem Parteitag seiner Swapo in Windhuk bezichtigte Nujoma den Westen erneut, Verantwortung für Armut und Unterentwicklung in Afrika zu tragen. Es sei unverfroren, dass sich Blair für Sanktionen gegen Simbabwe einsetze, ereiferte sich Nujoma. Kürzlich hatte er gedroht, womöglich gegen weiße Farmer in Namibia vorzugehen, falls diese nicht mit seiner Regierung kooperierten. Der britische Premier hingegen vermied eine direkte Konfrontation und drängte die reichen Staaten, Afrika zu helfen.

Die scharfen Angriffe der beiden afrikanischen Herrscher auf den Westen erhöhen den Druck auf Südafrikas Präsidenten Thabo Mbeki, endlich Stellung zu den anarchischen Zuständen in Simbabwe zu nehmen - und Schritte gegen eine weitere Eskalation der Lage zu ergreifen. Obwohl die Situation in Simbabwe außer Kontrolle geraten ist und Mugabe erst in der vergangenen Woche mit der Ernennung eines "Kriegskabinetts" seine Unversöhnlichkeit demonstrierte, hat Mbeki den simbabwischen Diktator bisher kein einziges Mal öffentlich kritisiert. Allerdings meldete sich jetzt die südafrikanische Geschäftswelt zu Wort und kritisierte Mbekis seit fast drei Jahren praktizierte "stille Diplomatie". Mbekis Politik habe die unter dem Deckmantel einer Landreform verfolgte katastrophale Politik Mugabes nicht stoppen können, heißt es in einer Erklärung. Gleichzeitig forderte die Geschäftswelt eine konzertierte Aktion der afrikanischen Führer und der internationalen Gemeinschaft gegen Mugabe. Bei der Kritik der South African Foundation, in der die 60 größten Firmen des Landes zusammengeschlossen sind, darunter auch die südafrikanischen Niederlassungen von BMW, Volkswagen und Siemens, handelt es sich um den ersten Angriff der Geschäftswelt auf die eigene Regierung und ihre Untätigkeit gegenüber Mugabe.

Vielen Beobachtern ist unbegreiflich, dass Südafrika als angebliche Triebfeder eines neuen demokratischen Afrika immer wieder als Fürsprecher des Regimes in Harare in Erscheinung tritt. Auch viele Nichtregierungsorganisationen, bei denen Mugabe jahrelang äußerst populär war, gehen inzwischen zu ihm auf Distanz. Die amerikanische Entwicklungshilfeorganisation Usaid charakterisierte Mugabes Politik jetzt als "verrückt".

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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