Mullah Omar ist auf der Flucht
Kandahar gefallen - Taliban-Regime am Ende

Nach zwei Monaten Krieg in Afghanistan ist das Taliban-Regime besiegt. Tausende Milizen ergaben sich am Freitag in der letzten verbliebenen Taliban-Hochburg Kandahar kampflos den einrückenden Oppositionstruppen. Ein paschtunischer Stammesrat (Schura) übernahm nach zeitweisem Chaos die Kontrolle in der wochenlang von der US-Luftwaffe bombardierten Stadt.

dpa ISLAMABAD. "Die Taliban- Regierung ist am Ende", sagte ein Sprecher des Rates. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar, der die Übergabe Kandahars am Vortag vereinbart hatte, ist auf der Flucht. Um der Bergfestung Tora Bora im Osten Afghanistans tobten dagegen heftige Gefechte. Beobachter in Kabul warnten, der Krieg sei noch nicht zu Ende.

Oppositionelle Truppen besetzten strategische Stellungen in Kandahar. Augenzeugen berichteten dem amerikanischen Fernsehsender CNN, die Truppen zögen in Konvois in die Stadt und würden von der Bevölkerung begrüßt. Viele Menschen schwenkten Fahnen und Bilder des ehemaligen Königs Sahir Schah. Zuvor herrschte zeitweise Chaos in Kandahar. Einwohner berichteten von Maschinengewehrfeuer und Plünderungen. Tausende Taliban-Kämpfer versuchten aus der Stadt zu entkommen.

Unklar war allerdings, ob alle Talibanmilizen wie zuvor vereinbart ihre Waffen abgeliefert hatten. Beobachter in Kabul meinten, die Aufgabe der Hochburg Kandahar bedeute nicht zwangsläufig, dass alle Milizen den Kampf aufgeben. US-Elitesoldaten feuerten auf mehrere flüchtende Talibankämpfer und töteten sieben Milizionäre, berichtete CNN. Die Taliban hatten Mitte der 90er Jahre in den Wirren eines Bürgerkrieges die Macht an sich gerissen.

Der designierte Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai, hatte die Aufgabe der Taliban am Vortag persönlich ausgehandelt. Talibankämpfer, die keine Verbrechen begangen haben, werden demnach amnestiert und erhalten freies Geleit. "Sie können ohne Probleme nach Hause gehen."

Offenbar auf Druck der USA stellte Karsai später ausdrücklich klar, dass die Amnestie nicht für Talibanchef Mullah Omar und nicht für ausländische Taliban-Kämpfer gelte. Omar müsse in Afghanistan vor Gericht. "Er hat sich nicht vom Terrorismus losgesagt", begründete Karsai seine Haltung. Washington hatte zuvor klar gemacht, dass es keine Amnestie für Talibanführer dulden könne. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP berichtete, Omar sei an einem geheimen Ort.

Auch in der Helmand-Region westlich von Kandahar gaben die Taliban auf. In die Stadt Spin Boldak nahe der pakistanischen Grenze marschierten nach Angaben von AIP rivalisierende Clan-Kämpfer ein. In der ostafghanischen Provinz Paktia lieferten sich zerstrittene Clan- Verbände heftige Kämpfe um die Kontrolle.

Die schwersten Kämpfe tobten zwischen Oppositionstruppen und El- Kaida-Kämpfern von Terrorchef Osama bin Laden um die Bergfestung Tora Bora nahe Dschalalabad. Mehrere Dutzend El-Kaida-Kämpfer seien getötet worden, hieß es. Anti-Taliban-Einheiten hatten eigenen Angaben zufolge eines der "Hauptlager" Bin Ladens entdeckt. Man habe Waffen sichergestellt und einige Frauen gefangen genommen.

Von Bin Laden fehle aber jede Spur. Möglicherweise sei er über die Grenze nach Pakistan entkommen. CNN berichtete, auch US-Militärs schlössen nicht aus, dass Bin Laden nicht mehr in Afghanistan ist. US-Geheimdienste suchten ihn auch in anderen Ländern, etwa in Somalia, aber auch in Asien und Europa.

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