Multi-Channel-Strategie
Das Internet ist für Karstadt-Quelle mehr als ein Vertriebsweg

Der Karstadt-Quelle-Konzern hat aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt. In Zukunft setzt das Unternehmen auch im Internet wieder auf die hohe Bekanntheit seiner Unternehmensmarken. In den nächsten Wochen sollen unter der Adresse www.karstadt.de sechs neue vertikale Portale ("Vortals") für die Bereiche Bücher, Wein, Multimedia, Sport, weiße Ware und Reise im Netz an den Start gehen und den Handeslriesen im E-Business nach dem Scheitern des Online-Kaufhauses "My World" auf Erfolgskurs bringen.

DÜSSELDORF. "Wir werden dort nur solche Produkte anbieten, die der E-Kunde auch erwartet", betonte Konzern-Chef Wolfgang Urban heute in Düsseldorf. Den Sportbereich sieht er als größten Hoffnungsträger an. Insgesamt will er bis 2003 rund 500 Mill. DM investieren. Der Umsatz aus dem E-Business-Geschäft soll bis dahin auf 3 Mrd. DM steigen. 1999 lag er bei 200 Mill. DM, in diesem Jahr sollen es 700 Mill. DM werden. Nicht mehr zu finden sind im neuen Online-Kaufhaus des Handelsriesen in Zukunft Angebote aus den Bereichen Fashion und Lebensmittel. "Unsere Erfahrungen und unsere Erkenntnisse aus dem Research haben gezeigt, dass das einfach nicht funktioniert", sagte Christian Seifert, Vorstand der Karstadt-Quelle New Media AG, in der der Konzern seine E-Business-Aktivitäten seit wenigen Monaten gebündelt hat.

Dabei betrachtet Karstadt-Quelle sein Online-Angebot längst nicht mehr nur als einen zusätzlichen Vertriebsweg. "Es ist für uns immer mehr ein Informations- und Kommunikationsmedium zur Kundenbindung und Kundengewinnung", erläuterte Seifert.

Der Onlineshop als zusätzliches Angebot

Dem E-Business komme gerade im Rahmen der neuen Multi-Channel-Strategie eine große Bedeutung zu, sagte Urban. Es sei die verbindende Klammer für die Umsetzung dieser Strategie. "Nach aktuellen Erhebungen werden in naher Zukunft etwa 24 % aller Handelsumsätze online beeinflusst sein, gegenüber 6 % online getätigter Handelsumsätze. Auch wenn ein Kunde unsere E-Commerce-Angebote lediglich zur Information benutzt, aber in einem unserer Warenhäuser einkauft, haben wir unser Ziel erreicht."

Den Startschuss für das neue Angebot kündigte Urban, dem Karstadt-Quelle als "integriertes, vernetztes Handels- und Serviceunternehmen" vorschwebt, noch für das 4. Quartal an. Auch Seifert wollte keinen genauen Termin nennen. "In jedem Fall werden wir es rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft launchen."

Die bereits in Angriff genommene Optimierung der Internetpräsenz der Kernmarken Karstadt, Karstadt-Sport, Quelle, Neckermann und World of Music (Wom) ist im Rahmen der E-Business-Strategie der erste von drei Schritten, die Urban ankündigte. In einer zweiten Stufe soll bis Ende diesen Jahres ein "elektronisches Rückgrat" aufgebaut werden, das auf Kooperationen und Beteiligungen im Content- und Technologiebereich zielt. Die entscheidenden Komponenten - zum Beispiel Datenmanagement und Logistik - seien von Karstadt-Quelle bereits gut besetzt. "Die jahrzehntelange Erfahrung aus dem Versandhandel ist eine hervorragende Ausgangsbasis für E-Commerce", urteilte Urban.

Eine Bilddatenbank für Reiseziele

Ab 2001 will der Konzern das Multi-Channel-Netzwerk weiter ausbauen - eine Aufgabe, die vor allem der Karstadt-Quelle New Media AG (KQNM) zugedacht ist. An erster Stelle steht die Entwicklung von Shopping-Plattformen. Gleichzeitig sollen konzernweit einsetzbare B2B-Plattformen und-Marktplätze entwickelt werden. Beispielhaft nannte Urban ein gemeinsames Projekt der Karstadt-Quelle New Media AG und von Dumont Schauberg: Deren Gemeinschaftsunternehmen Streamevent AG plant laut Urban unter Beteiligung der Touristik-Tocher C&N, die größte deutsche Bewegt-Bilddatenbank für Reiseziele und-hotels aufzubauen.

Zum anderen hat sich die KQNM an texyard.com, einer Einkaufsplattform für Stoffe und Textilien im Internet, beteiligt. "Hiervon wird der Karstadt-Quelle-Konzern auf Anhieb profitieren", glaubt Urban. Im nächsten Schritt werde texyard.com das Drittkunden-Geschäft im Wachstumsmarkt B2B erschließen.

Unklar ist hingegen, was mit der eingeführten Marke "My World" passieren wird. "Die Marke ist grundsätzlich positiv besetzt", glaubt Christian Seifert. Dass man seit längerem Gespräche mit der Kirch-Gruppe darüber führe, wie ein Handelsunternehmen und ein Content-Anbieter sinnvoll zusammen arbeiten könne, sei kein Geheimnis. Dass das unter der Marke "My World" erfolgen werde, sei allerdings "reine Spekulation".

Marc Renner  Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Marc Renner
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%