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Multi-Kulti-Insel der Seligen

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert lieferten irisch-stämmige New Yorker sich Straßenschlachten mit Schwarzen, die damals aus dem Süden der USA zuzogen. Die zumeist bitterarmen Iren sahen in den Afroamerikanern Konkurrenten um die Arbeiterjobs, die sie traditionell in New York übernahmen.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert lieferten irisch-stämmige New Yorker sich Straßenschlachten mit Schwarzen, die damals aus dem Süden der USA zuzogen. Die zumeist bitterarmen Iren sahen in den Afroamerikanern Konkurrenten um die Arbeiterjobs, die sie traditionell in New York übernahmen.

Überreste von Rassismus bleiben sind bis heute in der US-Metropole spürbar, vor allem in den ärmeren Vierteln. Dort erweist sich New Yorks Ruf als weltoffene Stadt als schöne Illusion.

Seit einer guten Woche liegt der 22jährige Schwarze Glenn Moore mit Kopfverletzungen im Krankenhaus, die offenbar von einem Baseballschläger stammen. Als Verdächtiger sitzt der 19jährige Nicholas Minucci in Haft, wohnhaft im fast ausschließlich weißen New Yorker Viertel "New Howard Beach". Minucci wurde vor Jahren bereits erwischt, als er mit einem Farbkugelgewehr auf dunkelhäutige Mitbürger schoss.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg verurteilte das Verbrechen und kündigte eine harte Strafverfolgung an. Die ist dringend nötig. Denn Minuccis Nachbarn in "New Howard Beach" schieben die Schuld an dem Vorfall auf das Opfer. Ein Schwarzer, der morgens um drei Uhr dort auftauche, wolle vermutlich stehlen und verdiene daher ein Tracht Prügel. Das diktierten Bewohner des Arbeiterviertels den Lokaljournalisten in ihre Blocks.

Im multikulturellen Schmelztiegel New York scheinen besonders Gruppen auf den unteren Stufen der sozialen Leiter sich durch heftiges Treten nach unten ihres Selbstwerts zu versichern.

In Reichenvierteln wie der Upper East Side verläuft die soziale Selektion geräuschloser über den Geldbeutel. Die wenigen Dunkelhäutigen, die sich dort ein Millionen-Apartment leisten können, sind den vornehmlich weißen Einwohnern willkommen. Sie dienen als Farbtupfer, mit denen die wohlhabenden New Yorker ihre ansonsten bleiche Welt auffrischen.

Von Arbeitervierteln wie "New Howard Beach" aus betrachtet, wirkt diese heile Welt der Schönen und Reichen wie eine Insel der Seligen. Für die meisten New Yorker - gleich welcher Hautfarbe - bleibt sie unerreichbar.

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