Multi-Kulti-Mannschaften
Podolski und Yakin treffen gegen ihr Heimatland

Neben Lukas Podolski hat jetzt auch der für die Schweiz spielende Hakan Yakin gegen seine alte Liebe getroffen. Der Stürmer mit türkischer Abstammung schoss am Mittwoch das 1:0. Multi-Kulti ist in im europäischen Fussball.

Sie trafen beide gegen ihre große Liebe, verkniffen sich aus Respekt den Jubel und mussten sich dennoch Kritik anhören. Der gebürtige Pole Lukas Podolski schoss beide Tore zum 2:0-Erfolg der deutschen Elf gegen sein Heimatland, es folgte die polemische Forderung eines polnischen Politikers nach seiner Ausbürgerung. Hakan Yakin, der Schweizer wider Willen, musste gegen seine geliebten Türken spielen. Über den letztlich wertlosen Treffer zum 1:0 bei der 1:2-Niederlage konnte er sich denn auch gar nicht richtig freuen.

"Ich habe meine Pflicht getan", sagte der frühere Stuttgarter Bundesliga-Profi: "Aber mein Herzenswunsch war es immer, für die Türkei zu spielen. Da habe ich nie eine Chance bekommen, deshalb spiele ich für die Schweiz." Ob freiwillig oder nicht, war den türkischen Fans egal. Sie pfiffen den "Überläufer" nicht nur bei seinem Tor, sondern schon vor dem Spiel und bei fast allen Aktionen lautstark aus.

Podolski hatte sich bewusst für Deutschland entschieden. Dennoch hatte er nach seinem großen Tag gegen die Polen wohl fast schon ein schlechtes Gewissen und wünschte sich schnell ein erneutes Aufeinandertreffen im Halbfinale.

Multi-Kulti ist aber in im europäischen Fußball, und manchmal sorgt es auch für solch seltsame Konstellationen. Von den 386 EM-Spielern haben viele mehrere Staatsangehörigkeiten, ausländischen Wurzeln oder sind sogar "Überläufer" ohne jede Blutsverwandtschaft.

So stehen gleich sechs Brasilianer in den Kadern der 16 Teams. Deco und Pepe haben für Portugal bereits getroffen, Mehmet (früher Marco) Aurelio war bisher überragender Mann der Türken. Auch Marcos Serra (Spanien), Roger Guerreiro (Polen) und der deutsche Stürmer Kevin Kuranyi sind in Brasilien geboren.

Insgesamt haben acht Spieler aus dem deutschen Aufgebot ausländische Wurzeln, darunter interessanterweise alle fünf Stürmer. Neben Podolski hätten noch Miroslav Klose und Piotr Trochowski für Polen spielen können, auch Tim Borowski hat polnische Vorfahren. Oliver Neuville hat eine italienische Mutter und wurde in der Schweiz geboren. Der Vater von Mario Gomez ist Spanier, der von David Odonkor Ghanaer. In allen Fällen handelt es sich aber ausnahmslos um Profis, die nachweislich einen familiären Bezug zu Deutschland haben.

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