Multifunktionale Chipkarten erschließen sich neue Anwendungen
Große Chancen für kleine Smart Cards

Plastikkarten mit eingebautem Chip sind bisher vorwiegend im Handy und als Guthabenkarte für die Telefonzelle im Einsatz. Zwar gab es wegen der Handykrise im vergangenen Jahr einen Rückschlag, doch der Gebrauch als Bankkarte oder Ausweis nimmt stark zu. Hersteller erwarten eine Verdopplung des Marktes bis 2005.

HB DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Die 540 000 Einwohner der einstigen portugiesischen Kolonie Macao erhalten in den kommenden Jahren neuartige Ausweise: Siemens Business Services stattet zusammen mit dem Banknotendrucker Giesecke & Devrient und Infineon die Bewohner der heute zu China gehörenden Halbinsel mit den Alleskönnern aus. Die Chipkarte enthält biometrische Merkmale, kann zur offiziellen Signatur verwendet werden, zum Bezahlen und auch als Führerschein.

Aufträge wie diese lassen die Hersteller dieser so genannten Smart Cards hoffen. Statt der bislang üblichen Karten mit Magnetstreifen werden die Menschen immer mehr Plastikkarten mit eingebautem Chip mit sich tragen. "Wir stehen noch ganz am Anfang", betont Hermann Eul, Leiter des Smart-Card-Bereichs beim Chiphersteller Infineon. Der Manager rechnet mit einem Markt-Wachstum von jährlich 30 % bis 2005. Enthielt der Chip zunächst nur Daten - etwa bei der Krankenkassen-Karte -, so speichert die Karte inzwischen zusätzlich immer mehr Funktionen und Anwendungen. Rund 1,9 Milliarden Smart Cards wurden 2001 weltweit ausgeliefert, 2005 sollen es 3,5 Mrd. sein.

Heute dienen rund 80 % der weltweit eingesetzten Smart Cards dem Telefonieren, entweder als vorbezahlte Guthabenkarte für die Telefonzelle oder als SIM-Karte für das Handy. Die kleinen Telefonplättchen enthalten alle Informationen, um das Handy beim Netzbetreiber anzumelden und abzurechnen.

Mit Smart Cards lässt sich jedoch weit mehr machen. Der Einsatz als Bankkarte nimmt stark zu, besonders in Asien und Amerika. Und viele Schifahrer gehen heute schon mit kontaktlosen Tickets durch die Schranken an den Liften. Die Karten übertragen alle nötigen Daten an die Sperren, ohne dass der Wintersportler wie früher seinen Schipass in den Automaten stecken muss. Ähnlich funktionieren Smart Cards auch im öffentlichen Nahverkehr oder bei der Zugangskontrolle in Firmen.

"Im Schnitt wird jeder Bürger drei bis vier Smart Cards bekommen", sagt Olaf Jacobi, Vorstand des Komponenten-Händlers ACG, "nicht eingerechnet die kontaktlosen Tickets, etwa für Bus und Bahn." Smart Cards werden in alle Lebensbereiche eindringen, ist Jacobi überzeugt. Der Vorteil der neuen Karten gegenüber den heutigen Modellen ohne Chip: Sie sind sicherer und erlauben ganz neue Anwendungen.

Im Jahr 2001 hat die Branche allerdings einen herben Rückschlag erlitten. Der Absatz ist massiv eingebrochen, weil die Leute weniger Handys gekauft haben. "Der Markt ist geschrumpft", gibt Jacobi zu. Viele Anbieter schreiben deshalb rote Zahlen. Lando Zappei, Geschäftsführer der Orga Kartensysteme GmbH in Paderborn, hält dies jedoch nur für einen Ausrutscher. "Die Branche hatte den Handymarkt falsch eingeschätzt." Für dieses Jahr rechnet er wieder mit einem Wachstum des Kartenabsatzes von rund 10 %.

Neue Einsatzmöglichkeiten bietet vor allem das Thema Sicherheit. Smart Cards könnten etwa Informationen über den Fingerabdruck des Eigentümers enthalten. So lässt sich leicht überprüfen, ob der Nutzer auch der rechtmäßige Besitzer des Ausweises ist. Weil eine sichere Identifikation möglich ist, kann man den Ausweis auch für Online-Transaktionen nutzen, etwa für Wahlen.

"Seit dem elften September steigt die Nachfrage vor allem aus den USA", sagt ACG-Vorstand Jacobi - das sind neue Marktchancen für sein Unternehmen. Die Amerikaner interessierten sich nach den Terroranschlägen vor allem für die verschlüsselte Datenübertragung und die Zugangskontrolle. Infineon produziert jetzt die Chips für die neuen Mitarbeiter-Ausweise des US-Verteidigungsministeriums. Die rund vier Millionen Mitarbeiter und externe Firmenvertreter werden mit der neuen Karte Zugang zu Gebäuden und Computernetzen bekommen. Die Chips werden auf Karten des französischen Konzerns Schlumberger installiert, der zusammen mit dem ebenfalls französischen Anbieter Gemplus Weltmarktführer bei Smart Cards ist. Mit Sony will Infineon Ende 2002 auch Multifunktions-Chipkarten-Systeme für den öffentlichen Nahverkehr, als elektronische Geldbörse und zur Identifizierung auf den Markt bringen. Die Japaner haben bereits einige Erfahrung auf diesem Feld: Sie haben 11 Millionen Karten für die U-Bahn in Hongkong ausgegeben und 400 Stationen der Japan Railway East in Tokio ausgestattet.

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