Multimedia-Agentur kündigt vorläufigen Zahlungsstopp an
Kabel New Media steht vor der Insolvenz

Der am Neuen Markt notierten Multimedia-Agentur Kabel New Media geht die Puste aus. Ohne neue Geldgeber hat der finanziell angeschlagene Hamburger Internet-Dienstleister keine Zukunft. Gestern ist der aussichtsreichste Beteiligungsinteressent abgesprungen. Ein vorläufiger Zahlungsstopp soll helfen, das Kerngeschäft zu retten.

Reuters FRANKFURT. Kabel New Media sieht nach dem Rückzug eines potenziellen Beteiligungsinteressenten nur noch geringe Chancen auf Gewinnung eines Investors. "Wir führen weiter Gespräche mit Investoren, aber diese Gespräche sind nicht so aussichtsreich", sagte Unternehmenssprecherin Caroline Götz am Freitag. Die Gespräche dauerten schon Monate an. Sollten sie scheitern, drohe Kabel ein Insolvenzantrag. Am frühen Freitagmorgen hatte Kabel einen vorläufigen Zahlungsstopp angekündigt, woraufhin die am Neuen Markt notierte Aktie zeitweise um mehr als 57 Prozent auf ein Jahrestief von 0,46 Euro stürzte.

Kabel werde die Gehälter noch drei Monate zahlen, sagte Götz. Solange gebe es noch ein operatives Geschäft. Unternehmenssprecher Stefan Meyhoefer ergänzte, der potenzielle Investor habe sich wegen der momentanen Marktsituation zurückgezogen. Dies habe nichts mit Kabel selbst zu tun.

Der Zahlungsstopp beziehe sich auf sämtliche Forderungen aller Gläubiger, sagte Meyerhoefer. Forderungen und Verbindlichkeiten des Unternehmens stünden auf dem Prüfstand. "Derzeit ist ungewiss, in welcher Form es weiter geht", sagte der Sprecher. Alle Möglichkeiten der Mittelbeschaffung würden geprüft. Entlassungen seien zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Kabel beschäftige rund 800 Mitarbeiter. Ziel der Unternehmensprüfung sei die Erhaltung des gesunden Kerngeschäfts. "Das Dienstleistungsgeschäft ist profitabel", ergänzte Meyerhoefer. Dies gelte nicht für das Plattformgeschäft und einzelne Beteiligungen.

Vor zehn Tagen hatte Kabel angekündigt, die Gewinnzone nicht wie geplant im vierten Quartal 2000/2001 (Geschäftsjahresende zum 31. März) erreichen zu können. Der Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) werde sich auf etwas weniger als 14 Millionen Euro nach einem Verlust von einer Millionen Euro im Vorjahreszeitraum belaufen. Als Gründe hatte Kabel Forderungsausfälle des Sportvermarkters ISL Worldwide und schwächer als geplante Umsätze in einigen Betriebseinheiten genannt. Der Break-Even auf Basis Cash-Ebita werde für Ende 2001 angestrebt. Götz sagte am Freitag, Kabel, das die am Neuen Markt gelisteten GFT und Pixelpark zu seinen Wettbewerbern zählt, halte an diesem Ziel fest.

"Insgesamt beliefen sich die Forderungsausfälle auf 7,5 Millionen Euro", sagte Meyhoefer. Durch den geplatzten Auftrag von ISL sei ein Umsatz von vier Millionen Euro weggefallen. Die insolvente Muttergesellschaft von ISL, die ISMM Group, und ISL halten die Vermarktungsrechte für die Herrenweltmeisterschaften im Tennis und die Fußballweltmeisterschaft. Kabel war beauftragt worden, die entsprechenden Websites zu gestalten.

Insbesondere im US-Markt habe es enorme Einbußen gegeben, aber auch in Skandinavien, fügte Meyhoefer hinzu. Die Verluste könnten aber noch nicht beziffert werden. Über Schließungen von Niederlassungen müsse nachgedacht werden, sollten die Zahlen dafür sprechen. In den USA und Großbritannien hatte Kabel seine Geschäfte bereits beendet. Für 2000/2001 rechnet Kabel auf Grund außerplanmäßiger Abschreibungen mit einem Verlust zwischen 115 und 130 Millionen Euro.

Wegen Portfoliobereinigungen einiger Fonds war nach Einschätzung von Händlern der Aktienkurs der am Neuen Markt gelisteten Kabel New Media AG bereits am Donnerstag abgestürzt. Der Technologiewert brach bis zum Handelsschluss um 53,70 Prozent auf 0,50 Euro ein. Den Verdacht auf eine Beteiligung von Kabel an möglichen Insidergeschäften wies Meyhoefer am Freitag zurück "Wir haben uns mit Sicherheit an die Vorschriften gehalten und darauf geachtet, dass nichts vor der Ad-Hoc durchsickert."

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