Multimedia-Agentur wird keine schwarzen Zahlen schreiben
Concept schließt weiteren Standort

Die Wiesbadener Multimedia-Agentur concept! wird im Rahmen ihrer Reorganisation einen weiteren Standort schließen und wegen der Marktschwäche anders als geplant im Gesamtjahr kein positives operatives Ergebnis erzielen können.

Reuters FRANKFURT. Vorstandschef Sven Bornemann sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, er stimme mit aktuellen Analystenschätzungen überein, die einen Umsatz von knapp unter 30 Mill. Euro und ein negatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) prognostizierten. "Um die Marktschwäche in den ersten Quartalen auszugleichen, müssten bezüglich der Nachfragesituation im vierten Quartal dramatische Dinge passieren. Ich glaube nicht, dass das schon geschehen wird", sagte Bornemann. "Aber wir stecken eine Menge Energie rein, dass wir 2002 wieder anders dastehen." Wichtiger Indikator sei das vierte Quartal.

Im Juli hatte Bornemann noch auf Analystenschätzungen für den Jahresumsatz von 30 bis 35 Mill. Euro und eine positive Ebit-Marge verwiesen. "Wir müssen uns sinnvoll reduzieren", sagte Bornemann. Abgesehen von Personaleinsparungen gebe es aber auch andere Möglichkeiten, Kosten zu senken. Dies betreffe etwa Unternehmensstrukturen. "Klar ist das Personal der größte Kostenblock und niemand in dieser Firma hat eine Arbeitsplatzgarantie. Aber wir machen uns die Entscheidungen wirklich nicht leicht", ergänzte der Firmenchef.

Drei Kompetenzzentren

"Die Unternehmensstruktur muss den Marktbedingungen Rechnung tragen", sagte Bornemann. "Dazu zählt die stärkere Fokussierung auf Know-How und Kompetenzen." So habe Concept die Kompetenzzentren IT, Consulting und Design gegründet und die Brancheneinheiten im Unternehmen verstärkt. Concept werde sich dabei stärker auf den Standort Wiesbaden konzentrieren. Aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen heraus werde das Münchener Büro mit fünf Mitarbeitern geschlossen. "Das hat keinen Einfluss auf unser Geschäft. Wir haben festgestellt, dass wir nicht vor Ort präsent sein müssen", sagte Bornemann. In Polen sei Concept derzeit dabei, ein Management-Buy-Out zu organisieren. Das Büro solle aber unter dem Namen Concept weitergeführt werden. Bereits im ersten Halbjahr hatte Concept Standorte geschlossen und sich von rund zehn Prozent der damals 370 Mitarbeiter getrennt. Derzeit arbeiten rund 330 Mitarbeiter für Concept. Auch wenn die Bereiche IT und Consulting verstärkt werden sollten, sei nicht geplant, großflächig einzustellen, schränkte Bornemann ein. "Netto wird sich die Mitarbeiterzahl bis Ende des Jahres reduzieren."

Die Anforderungen der Unternehmen gingen immer mehr über das reine Erstellen von Internetseiten hinaus. Sie forderten branchen- und unternehmensbezogenes Marketing und die Vernetzung des Internet-Auftritts mit anderen Medien wie Zeitung oder Fernsehen. "Es geht um das einheitliche Bild dem Kunden gegenüber", sagte Bornemann. Concept gehe jetzt das Thema CRM (Kundenbeziehungsmanagement) an und profitiere dabei von der Zusammenarbeit mit WPP, die Unternehmensangaben zufolge 20 % an Concept hält. Seit Anfang 2000 besteht eine weltweite, exklusive Partnerschaft mit der Relationship Marketing Group (RMG). Das zur britischen WPP gehörende RMG-Network bietet Komplett-Service im CRM-Bereich an.

"Lieber tiefer als breiter"

"Ich bin eher für die Lösung, sich tiefer als breiter aufzustellen", sagte Bornemann. "Es ist nicht sinnvoll, kurzfristig zu einer 1000-Mann-Agentur zu werden, also breit zu wachsen. Was zählt ist Klasse statt Masse." Concept wolle sich im CRM-Bereich in den relevanten Feldern IT und Consulting verstärken. Dabei sei Concept offen für Akquisitionspartner. "Mit dem was wir haben, sind wir ganz gut aufgestellt. Aber wenn wir ein Unternehmen finden, dass unser Portfolio ergänzt, sind wir nicht abgeneigt", sagte der Vorstandschef. Die Concept AG sieht ihr wesentliches Geschäftsfeld in Online-Dienstleistungen für interaktive Medien. Vor dem Hintergrund der örtlichen Nähe zum Finanzplatz Frankfurt und zur hessischen Landesregierung sei Concept vor zehn Jahren mit Terminalsystemen und CD-Rom-Projekten für Finanzdienstleister und den öffentlichen Sektor gestartet. Der Schwerpunkt liege auch heute noch auf Finanzdienstleistern. "Unser Geschäft basiert auf Erfahrung", sagte Bornemann. Dieses gehe weit über das reine Web-Design hinaus.

Nach dem Insolvenzantrag von Kabel New Media oder den Problemen von Pixelpark werde Concept stärker wahrgenommen. "Aber der negative Touch für die Branche führt neben der konjunkturellen Situation dazu, dass Unternehmen länger über Investitionen nachdenken", sagte Bornemann. "Wir werden jetzt häufiger nach unserer finanziellen Stabilität gefragt, aber da können wir ganz entspannt sein." Concept verfüge (zum 30. Juni) noch über knapp 90 Mill. Euro liquide Mittel.

Die am Neuen Markt notierte Concept-Aktie lag am Dienstag über sieben Prozent im Minus bei 3,90 Euro.

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