Multimedia-Fähigkeiten sollen Kauflust wecken
Einzelhandel profitiert bisher kaum von Windows XP

"Käuferschlangen wie damals bei Windows 95 gibt es nicht", räumt Microsoft-Sprecherin Irene Nadler zum Verkaufs-Auftakt des neuen Windows XP in München ein, "aber die Nachfrage ist zufrieden stellend".

afp MÜNCHEN/BERLIN. Rund drei Millionen Lizenzen des jüngsten Betriebssystems will Microsoft Deutschland bundesweit an Computernutzer bringen.

Weltweit schlägt Microsoft die Werbetrommel für die teuerste Werbeaktion seit dem Start von Windows 95. In New York assistiert Rockmusiker Sting Firmengründer Bill Gates. Microsoft-Chef Steve Ballmer hat sich ungeachtet aller Sicherheitsbedenken vom Firmensitz in Redmond im US-Bundesstaat Washington auf den Weg nach Deutschland gemacht, um in München mit einer Party zum Verkaufsstart für Aufmerksamkeit zu sorgen.

Multimedia-Fähigkeiten sollen Kauflust wecken

Die gesamte Branche hofft, das neue Windows könnte den notwendigen Auftrieb bringen, um die Stagnation zu überwinden. Alte PCs benötigen oft mehr Speicher, alte inkompatible Komponenten müssen gegen neue ausgetauscht werden. Zudem sollen die erweiterten Multimedia-Fähigkeiten des Betriebssystems Begehrlichkeiten zum Kauf neuer Musikplayer und Kameras wecken.

In großen Computer-Shops vor den Toren Berlins scheint die Marketing-Welle um Microsofts neues Betriebssystem Windows XP jedoch weitgehend vorbei gegangen zu sein. Im Potsdamer Innenstadt-Store von Vobis sucht der Kunde vergeblich nach einem der grünen oder blauen Produktkartons. Im nahegelegenen größeren Vobis-Laden kurz vor der Stadtgrenze zu Berlin finden sich ohne jeden weiteren Werbehinweis immerhin zwei Dutzend Exemplare. Beratung gibt es dazu nicht, Verkäufer langweilen sich an benachbarten Regalen - der Verkauf ist entsprechend.

Kunde: "Was soll ich damit?"

Im Pro Markt bietet sich ein ähnliches Bild. Keine Microsoft-Werbung, keine Windows-XP-Pakete. Ein Azubi schneidet mit dem Teppichmesser gerade angelieferte Kartons auf - ob Windows XP dabei ist, weiß auch er nicht. Immerhin findet sich ein Vorzeigeexemplar in einer gut versteckten Glasvitrine. Dorthin hat sich ein Schüler verirrt, der eigentlich ein anderes Produkt sucht. "Was soll ich damit", umreißt er sein Interesse an der neuen Windows-Version. Der nahende Verkäufer scheint ähnlich skeptisch. "Eigentlich müsste jeder Kunde bereits ein stabil laufendes Betriebssystem auf seinem Rechner haben", wiegelt er ab, "das neue Windows ist auch nicht besser als das alte". Ganze fünf Kunden haben sich bei ihm am ersten Tag nach Windows XP erkundigt - und sind weiter gezogen.

Ein ganz anderes Bild hingegen im Media Markt, der in den Genuß einer Microsoft-Promotion gekommen ist. Ein schicker kleiner Stand gleich am Eingang, darüber ein blaues Werbebanner. Ein Rechner arbeitet problemlos mit einem tragbaren MP3-Player, Webcam und digitalem Fotoapparat zusammen. Drumherum gestapelt Updates und Vollversionen der neuen Software. Kunden bleiben stehen, lassen sich Details erklären und greifen auch zuweilen zu.

Während die Einzelhändler insgesamt eher ein zähes Geschäft registrieren, boomt Windows XP im Online-Handel. Bei Amazon Deutschland dominiert das Programm seit Wochen die Vorbestell-Liste der Software-Charts. Gestern wurde der gesamte Schub ausgeliefert, der sich in drei Order-Monaten angesammelt hatte. "Es sind schon sehr beträchtliche Zahlen", sagte Amazon-Sprecher Felix Pepzel in München, ohne konkrete Verkäufe zu nennen. Prompt steht das Windows XP Home Edition Update an der Liste der Bestseller der letzten 24 Stunden. Auf den Spitzenplatz der Vorbestellungs-Charts für Software, deren Verkaufsstart erst noch bevorsteht, hat sich derweil ein Microsoft-Konkurrent geschoben: Das neue Linux-Paket Professional 7.3 der fränkischen Firma Suse.

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