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Multimedia für die Westentasche

Wenn Arnold Neu künftig im ICE durch die Lande braust und seine anstehende Konferenz vorbereitet, wird er mit der neuen Welt der Multimedia-Kommunikation via mobilem Endgerät in Verbindung treten: Mit seinem Multimedia-Handy, das wie ein mobiles Büro fungiert, kann er Bilder oder Grafiken bearbeiten und sogar mit seinem Sitznachbarn in Kontakt treten.

HB DÜSSELDORF. Die künftigen universellen Mobilgeräte des 21. Jahrhunderts sehen wie Puderdosen aus, sind eirund, farbenreich und sollen einmal das schwere Notebook im Handgepäck ersetzen. Sie haben Funkzugang ins Internet per "Universal Mobile Telecommunications System" (UMTS) und brauchen keine Platz raubende Tastatur mehr, prophezeit der Mobilfunkanbieter Alcatel in seiner Zukunftsstudie "Concept Phones", weil sie einen berührungsempfindlichen Farbbildschirm haben, der sich je nach Bedarf verwandelt: Von der Eingabetastatur für Telefonnummern zur Schreibtastatur oder vom Internet-Browser zum Fernsehschirm.

"Wenn wir wissen wollen, wie das Handy von morgen aussieht, müssen wir herausfinden, was die Menschen mit ihren Handys tun wollen", stellt Marion Kessing von Alcatel fest. Die Handys der dritten Generation werden multimediale Werkzeuge sein, die Handy, Organizer und Computer miteinander kombinieren und sogar eine digitale Minikamera beinhalten, so dass Bilder und Videos versandt werden können.

Die Mobilzwerge erlauben dadurch Videokonferenz im Taxi oder aus dem Urlaub. Die Kommunikationskünstler werden zur vollwertigen Surfstation, mit der man E-Mails mit Ton, Grafik, Fotos und Videos abrufen kann. Motorola hat dafür den Slogan "Pocket Internet" geprägt und präsentiert erste All-in- One-Phones namens Accompli auf der Cebit.

Außendienstler werden ihren Kunden via Mobilfunk plastische Videopräsentationen neuer Produkte vor Ort vorführen können, und Rettungskräfte erhalten die Chance, sich bei einem Unfall bereits vor ihrem Eintreffen ein Bild von der Lage zu machen. Natürlich kann man mit den neuen, vielseitig nutzbaren Handys auch telefonieren, aber "Telefongespräche werden nur noch einen Teil des Mobilfunkverkehrs ausmachen", verkündet Udo Reckemeyer vom Handyhersteller Alcatel.

Dennoch wird die Sprache bei der Bedienung im Vordergrund stehen. Das Wählen per Stimme ist da erst der Anfang. Sprachnavigation im mobilen Internet soll künftig Tastatur und Maus ergänzen. "Sprechen statt Klicken hat Zukunft" ist der IBM -Manager für Spracherkennung, Wolfgang Karbstein überzeugt, "akustische Web-Browser werden schneller und vor allem kostengünstiger sein als heutige Wap-Handys."

Statt zu klicken kann der Surfer künftig via Mikrofon im Handy Klartext sprechen, so wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Egal ob er "Wetter, Paris", "Horoskop, Jungfrau" oder "Wechselkurs, Dollar" sagt, das Handy ermöglicht ihm den Zugang zu den Infodiensten und empfängt sie als SMS (Short Message Service). Die Sprachsoftware wird Schlüsselbegriffe wiedererkennen, um Fragen zu stellen. Entwickler haben die Vision, Spracherkennung als mobiles Äquivalent zur PC-Maus zu nutzen. Damit wird das Mobilfon zum vollwertigen Diktiergerät und sogar zur digitalen Sekretärin.

Philips verkündet in seinem "connected pl@net-Szenario" das mobile Universalgerät, das sich jederorts und jederzeit drahtlos mit seiner elektronischen Umwelt verständigt: Im "Meeting Modus" während der Besprechung im Büro etwa klingelt das Gerät nur noch bei Anrufen mit hoher Priorität, alle anderen Gespräche werden automatisch zur Sekretärin oder Voice-Mailbox umgeleitet. Dringende Sprachnachrichten wandelt es zum diskreten Lesen in Text um. Der Besitzer kann sich mit einem Bluetooth-Stift Notizen machen, die im Handy-Organizer gespeichert werden. Im "Flugzeug-Modus" verbindet sich das Multifunktionsterminal selbsttätig mit dem Bord-Netz. Hier bietet sich ein Übersetzungsservice an, der dem Gast ein Gespräch mit seinem Sitznachbarn über alle Sprachgrenzen hinweg erlaubt.

Am Ziel angekommen bietet die Funktion "Standortservice" einen Stadtplan und fungiert gleichzeitig als Touristenführer. Im "Ferien-Modus" werden alle Nachrichten durch Anrufumleitung entsprechend geordnet. Der "Fun-Modus" spürt mittels Nähesensor - etwa in der Bahn - andere Handyträger im nahen Umfeld auf und arrangiert ein multimediales Gruppenspiel.

Wenn der Handybenutzer der Zukunft schließlich nach Hause kommt, bemerkt der "Home Hub" sofort dessen Anwesenheit und begrüßt den Besitzer mit einem freundlichen "Hallo", schaltet das Licht im Cyber-Haus an und lässt sogleich das Wasser für ein wohlig warmes Bad einlaufen.

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