Multimediaverband fordert zwölf Tätigkeitsprofile
Betriebsnahe Ausbildung für die digitale Wirtschaft

Über die Forderung in Deutschland, die Ausbildung effizienter, betriebsnaher und besser zu gestalten, wird viel geredet und geschrieben. Aber außer schönen Sonntags- und Wahlreden ist bis jetzt nicht viel passiert, mit einer Ausnahme.

Im März 2002 wurde in Berlin das neue IT-Weiterbildungskonzept vorgestellt, eine kleine Revolution, die eine Lücke zwischen dualer Erstausbildung beziehungsweise vom Arbeitsamt geförderter Weiterbildung und akademischer Ausbildung schließt. Das Bundesbildungsministerium hat in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Fachverbänden, dem Bundesinstitut für Berufsbildung und der Fraunhofer-Gesellschaft dieses Konzept erarbeitet, das von den Firmen der digitalen Wirtschaft einhellig begrüßt wurde.

Für den IT- Ausgebildeten, der zum Beispiel den Beruf des Fachinformatikers erlernt hat, oder für den Quereinsteiger, der eine einjährige Fortbildung als Softwareentwickler abgeschlossen hat, ist es nun möglich, in dem Unternehmen in dem er tätig ist, eine Aufstiegsqualifizierung zum "Spezialisten" und anschließend zum "Professional" durchzuführen.

Die Qualifizierung findet im Unternehmen statt und wird im Rahmen der normalen betrieblichen Arbeit durchgeführt. Ein Mitarbeiter, der sich nach seiner Anstellung im IT-Bereich eines Unternehmens fachlich gut entwickelt hat und den der Betrieb möglichst etwas längerfristig an sich binden möchte, kann nun nach einem vom Fraunhofer Institut entwickelten Konzept die neuen Qualifizierungsstufen erreichen. Diese Qualifizierung verläuft entlang eines normalen betrieblichen Arbeitsauftrages, wobei der sich qualifizierende Mitarbeiter einen Mentor aus seinem Unternehmen erhält.

Die Prüfungen für den Spezialistenstatus werden von akkreditierten Zertifizierungstellen vorgenommen, die von der Trägergemeinschaft für Akkreditierung (TGA) zugelassen werden. 29 Spezialisten-Profile und anschließend sechs Professionals-Abschlüsse können so erarbeitet werden. Es ist geplant, dem "Professional" den Status eines vergleichbaren akademischen Abschlusses zu geben, was noch Zukunftsmusik ist, denn die Universitäten und Fachhochschulen zieren sich noch ein bisschen.

Aber die schöne neue IT-Welt hat leider einen kleinen Schönheitsfehler, der mit etwas gutem Willen aller Beteiligten bald behoben sein wird. Das gesamte Fachgebiet Multimedia wird im IT-Weiterbildungskonzept mit einem Spezialisten-Profil, dem "Multimedia-Developer" abgedeckt werden, eine Situation, die dem vielschichtigen Fachgebiet Multimedia nicht in Ansätzen gerecht wird. Die anderen 28 IT-Spezialistenprofile wurden sorgfältig auf die Bedürfnisse der IT-Wirtschaft angepasst. Aber für den Bereich Multimedia muss noch nachgearbeitet werden.

Der dmmv - Deutscher Multimedia Verband - hat diesen Missstand auch in seinen Forderungen, die am 15. Mai 2002 den Parteiführungen der im Bundestag vertretenen Parteien übergeben wurden, unter anderem genannt und Nachbesserung verlangt. Die 560. 000 Mitarbeiter in Deutschland, die in der Multimediawirtschaft tätig sind, lassen sich nicht in einem Profil subsummieren.

Der dmmv hat für die Multimedia- und Internetwirtschaft vier Tätigkeitsfelder, Content, Design, Management und IT, definiert, denen insgesamt 15 Tätigkeitsprofile zugeordnet wurden. Zieht man die drei Profile des Tätigkeitsfeldes IT ab, die sich mit den Profilen des IT-Weiterbildungskonzeptes überlagern, so steht eine Erweiterung von 12 Spezialistenprofilen an.

Dieser Schritt entspricht dann auch der Aufforderung der Bundesbildungsministerin Frau Bulmahn, die andere Verbände aufgerufen hat, dieses Konzept zu adaptieren. Bleibt dann nur noch die Kleinigkeit, den allumfassenden Multimedia Developer gegen zwölf dezidierte dmmv-Profile auszutauschen.

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