Multimillionär soll engen Kontakt zu Hannelore Kohl gehabt haben
Mysteriöser Tod eines Deutschen beschäftigt Frankreichs Justiz

Der mysteriöse Tod des deutschen Multimillionärs Diethelm Höner in Cannes beschäftigt nach Informationen der Pariser Tageszeitung "Le Parisien" die französische Justiz. Wie die Zeitung am Montag berichtete, hatte Höner Kontakte zu Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und seiner verstorbenen Frau Hannelore, kannte sich offenbar mit der Leuna-Affäre aus und war über die Unterschlagung deutscher Milliardenhilfen für Russland informiert.

afp PARIS. Der 60-Jährige wurde dem Bericht zufolge am 17. Januar tot in seiner Villa in Cannes an der Côte d'Azur aufgefunden. Dem ersten Anschein nach war er kopfüber die Treppe hinunter gestürzt. Die Zeitung zitierte jedoch ein ärztliches Gutachten, wonach bei einem solchen Sturz der Leichnam am Boden eine andere Position gehabt hätte. Die Staatsanwaltschaft im südfranzösischen Grasse leitete daraufhin Ermittlungen ein.

Der Anwalt von Höners Frau, Christian Curtil, sagte, der Leichnam werde in den nächsten Tagen in Deutschland bestattet. Höner sei zuckerkrank und seit einigen Jahren Alkoholiker gewesen. Er halte es für ausgeschlossen, dass ihn jemand ins Treppenhaus gestoßen haben könnte, fügte Curtil hinzu. Entweder sei Höner in betrunkenem Zustand gestürzt oder er habe Selbstmord begangen. Der Überstellung des Leichnams ging ein Rechtsstreit voraus.

Der "Parisien" veröffentlichte Auszüge aus Geheimdokumenten, die Höner anfertigte und zwei Jahre vor seinem Tod Freunden übergeben habe. Demnach lebte der deutsche Geschäftsmann, der sein Vermögen durch Aktienspekulationen mehrte und zahlreiche Investitionen in den USA getätigt hatte, in ständiger Todesangst. Höner notierte dem Bericht zufolge in seinen vertraulichen Papieren, dass von den deutschen Milliardenhilfen für Russland "ein bedeutender Teil gestohlen wurde". Dabei verdächtigte er die Russen, mit dem Geld Industriespionage in den USA zu finanzieren, um an Geheimnisse von Computer- und Biotechnik-Firmen heranzukommen. Von 1995 an habe Höner dann über einen Berater von US-Präsident Bill Clinton, William B. Bader, Kontakt mit dem US-Geheimdienst CIA aufgenommen und ihn über die Vorgänge informiert, berichtete die Zeitung weiter.

Guter Draht zu Kanzlergattin und Geheimdienstkoordinator

Höner soll nach den Informationen des "Parisien" in Cannes wiederholt von Hannelore Kohl angerufen worden sein. Er habe ihre Stiftung finanziell unterstützt und einmal über umgerechnet 1,5 Mill. DM von einem Konto in den USA überwiesen. Laut "Parisien" war Höner vermutlich auch gut über das Leuna-Geschäft informiert. Beim Kauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie 1992 durch den ehemals staatlichen französischen Ölkonzern Elf-Aquitaine flossen "Provisionen" in Höhe von rund 80 Mill. DM. Höner habe engen Kontakt zu dem früher teilweise in Monaco lebenden deutschen Geschäftsmann Dieter Holzer gehabt, einer der Schlüsselfiguren der Leuna-Affäre. Zudem habe sich Höner regelmäßig mit Kohls Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer (CDU) getroffen.

Service: Der Artikel aus "Le Parisien" im Internet

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