Multinationale Nahrungsmittelkonzerne nutzen auch in Krisenzeiten ihre Chancen
Analysten honorieren den Unilever-Umbau

Die drei großen europäischen Nahrungsmittelkonzerne Nestlé, Danone und Unilever wollen durch gesteigerte Effizienz die Kosten drücken. Die Restrukturierungsprogramme laufen deshalb auf vollen Touren.

DÜSSELDORF. Aktien aus dem Nahrungsmittelsektor gelten in Zeiten der Konjunkturflaute als sichere Häfen. Denn die Menschen müssen auch in Krisenzeiten Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken befriedigen. Außerdem sind die Global-Player der Branche längst auf den weltweiten Wachstumsmärkten engagiert. Multinationale Konzerne wie Nestlé und Unilever erlösen bereits rund 15 % ihres Umsatzes in Asien und mehr als ein Zehntel in Lateinamerika. Auch wenn es in einigen Teilregionen - beispielsweise Argentinien und Brasilien - kriselt, mittel- und langfristig steigen dort sowohl Bevölkerungszahlen als auch Einkommen, und damit das Bruttoinlandsprodukt.

Durch den weltweiten Konzentrationsprozess im Lebensmitteleinzelhandel geraten auch die großen Nahrungsmittelkonzerne preislich unter Druck. Kosten und Effizienz müssen in allen Bereichen gesteigert werden. Deshalb laufen bei den drei im Stoxx 50 notierten Nahrungsmittelherstellern - Nestlé S.A., Unilever N.V. und Groupe Danone - derzeit langfristige Restrukturierungsprogamme. Von deren erfolgreicher Umsetzung hängt die künftige Entwicklung der Konzerne ab.

Unilever-Chef Antony Burgmans will mit seinem "Path-to-growth"-Programm bis Ende 2004 von einst 1 600 nur noch 400 Marken im Portfolio halten und peilt doch ein langfristiges organisches Umsatzwachstum von 5 bis 6 % pro Jahr an. Analysten honorieren die bisherigen Maßnahmen des niederländisch-britischen Konzerns, der weltweit zu den größten Nahrungsmittelherstellern (Langnese, Rama, Iglo) gehört und ein bedeutender Produzent von Körperpflege- (Rexona) und Reinigungsmitteln (Sunil) ist. Die Analysten von Goldman Sachs setzten die Unilever-Aktien deshalb Ende November als "Outperformer" auf ihre Investment-Liste. Zu der gleichen Einschätzung kommt die Landesbank Baden-Württemberg (LB-BW). "Der Konzern investiert konsequent in die Stärkung der Marken und erreicht die angestrebten Kostenersparnisse und Synergieeffekte aus den Akquisitionen", sagt Analystin Barbara Ambrus.

Beim Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé (Nescafe, Maggi, Smarties) laufen gleich drei Restrukturierungsprogramme parallel: "Fitness" soll bis Ende 2004 die Verwaltungskosten senken, "Target 2004" soll im gleichen Zeitraum die Effizienz im Bereich der Produktion steigern und "Globe" die Vielzahl der Informations- und Datensysteme des Konzerns vereinheitlichen. Allein "Globe" soll nach Abschluss im Jahr 2006 jährlich 3 Mrd. Euro an Kosten einsparen. Dass "Globe" im Zeitplan liegt, bewertet ING-BHF-Bank-Analyst Sven Madsen als "erfreulich". "Auf Grund der hervorragenden Marktpositionierung und den überdurchschnittlichen Umsatzwachstumsraten betrachten wir die Aktie als unterbewertet", urteilt Madsen und empfiehlt die Nestlé-Papiere weiterhin zum Kauf.

Auch beim französischen Hersteller von Milchprodukten (Actimel), Keksen (LU) und Getränken (Evian), Danone, greift offenbar das Restrukturierungsprogramm "Thémis". Die Optimierung und Vereinfachung aller operativen Geschäfts- und Produktionsprozesse soll bis 2006 zu Einsparungen von rund 150 Mill. Euro führen. "Der schrittweise Umbau zeigt deutliche Fortschritte. Das Kosteneffizienz-Programm Thémis wird die Margen zusätzlich ausweiten", prognostizieren die Experten der HVB Equity Research.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Denn Schwierigkeiten bei der Integration von Akquisitionen in China und Brasilien sowie Probleme bei der Restrukturierung der europäischen Keks-Sparte belasten die Geschäftsentwicklung von Danone. "Es bedarf einer nachhaltigen Trendwende, damit der Konzern wieder zu den alten Umsatz- und Ertragszuwachsraten zurückkehren kann", meinen Matthias Gmeinwieser und Andreas Strobl vom Research der Bayern LB.

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