M&A-Branche
Geschäft mit Übernahmen kommt wieder in Schwung

Ins Geschäft mit Übernahmen und Fusionen kommt wieder Bewegung: Die hohe Verschuldung erhöht den Verkaufsdruck auf große Konzerne in Deutschland.

FRANKFURT/M. Auch wenn die M&A-Branche noch heftig klagt - der Stillstand im Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (M&A) scheint in Deutschland vorbei zu sein. "War es noch vor Monaten sehr ruhig, werden wir mittlerweile wieder häufiger angesprochen", sagt Christine Graeff, Partnerin bei der auf M&A spezialisierten Kommunikationsberatung Brunswick. "Mandanten, die lange Zeit nicht aktiv waren, sind wieder da, wenngleich sie immer noch sehr vorsichtig agieren", bestätigt Wulf Merkel, Managing-Partner der Sozietät Ashurst Morris Crisp.

Mehrere Trends zeichnen sich ab. Die in den ersten Monaten zu beobachtenden Not-Verkäufe - etwa die Übernahme der Kirch-Tochter Pro Sieben Sat. 1 durch den US-Milliardär Haim Saban - wird es auch weiterhin geben. Vor allem die Finanzbranche bereinigt ihr Portfolio. So will die Hypo-Vereinsbank ihre Töchter Norisbank und die Vereins und Westbank - verkaufen.

Die teils hohen Schuldenberge verstärken den Verkaufsdruck. "Das ist ein Trend, der uns noch einige Zeit beschäftigen wird", sagt Merkel von Ashursts. So will RWE früher oder später seine Beteiligungen Hochtief und Heidelberg Druck versilbern, um die Schuldenlast zu reduzieren. Aus ähnlichen Motiven verkaufte Bertelsmann vergangene Woche die Fachverlagsparte Bertelsmann Springer an die Finanzinvestoren Candover und Cinven.

Erzwungen sind auch die Verkäufe von Eon. Der Energieriese muss sich im Zuge der Ministererlaubnis für die Übernahme der Ruhrgas von Beteiligungen wie etwa Gelsenwasser trennen. An dem privaten Wasserunternehmen hat wiederum RWE ein großes Interesse. Gleichzeitig versuchen die Unternehmen, das eigene Portfolio aufzuräumen. So will sich Daimler-Chrysler vom Triebwerkhersteller MTU trennen. Die noch zum Stinnes-Konzern (Bahn AG) gehörende Chemie- Logistik-Tochter Brenntag ist ebenso im Markt wie Dystar, ein Pigment-Joint-Venture von BASF, Hoechst und Bayer.

Auch bei deutschen Familienunternehmen könnte sich einiges bewegen. "Der Verkauf von Wella an Procter & Gamble wird auch andere Unternehmer-Familien zum Nachdenken bringen", glaubt Graeff von Brunswick. Neben der Unsicherheit über die steuerliche Situation in Deutschland werde auch die Finanzierung schwieriger. Graeff macht an der Wella-Transaktion einen weiteren Trend fest. "Nicht abgestimmte Übernahmen, bei denen die Offerte ohne Einbindung des Vorstands direkt den Großaktionären vorgelegt wird, haben in Deutschland eine Zukunft", sagt die M&A-Expertin.

Ohne ein wachsendes Interesse bei den Käufern käme das M&A-Geschäft freilich kaum in Schwung. Auffällig ist das wachsende Engagement von Private-Equity-Unternehmen. "Die Finanzinvestoren waren immer aktiv. Aber sie halten jetzt verstärkt nach Gelegenheiten Ausschau", sagt Merkel.

Doch auch die Unternehmen verspüren wieder Lust, sich strategisch zu verstärken. Das beweist die Übernahme des Heizungsherstellers Buderus durch Bosch. "Die Bewertung deutscher Unternehmen ist so niedrig wie noch nie", sagt Graeff. Immer mehr Unternehmen nutzten die Gunst der Stunde. "In erster Linie ist das ein psychologischer Effekt. Geld war immer vorhanden, aber man war unsicher, wie lange die Krise dauern wird. Ganz allmählich traut man sich wieder", sagt Merkel.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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