M&A-Studie: Preise deutlich gesunken
US-Unternehmen im Sonderangebot

Wer sich in den USA einkaufen will, sollte jetzt zugreifen, denn Unternehmen gibts dort derzeit so billig wie nie zuvor. M&A-Experten rechnen daher mit einer steigenden Zahl von Transaktionen.

DÜSSELDORF/NEW YORK. Die USA könnten diesem Jahr ein Einkaufsparadies für Schnäppchenjäger werden. Diesen Eindruck erwecken jedenfalls aktuelle Prognosen von M&A-Experten. So sind nach einer aktuellen Studie der KPMG Corporate Finance US-Unternehmen derzeit so billig wie nie. Nach Berechnungen der Gesellschaft lagen in 2001 die Preise in fast allen Branchen um bis zu 30% unter dem Niveau des Vorjahres.

Die anhaltend schwache Konjunktur in den USA und in Europa sowie die Ereignisse des 11. September in den USA hätten bewirkt, dass die Verkäufer von Unternehmen ihre Preiserwartungen vielfach nach unten korrigiert haben, sagte Thomas Ehren, Leiter KPMG Corporate Finance in Deutschland dem Handelsblatt. "Für mittelständische, nicht börsennotierte Unternehmen wird heute nur noch rund das Vierfache des EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) bezahlt, zum Teil noch weniger. Vor zwölf bis 15 Monaten war es noch das Fünf- bis Sechsfache."

Auch Arno Burckhardt von M&A International GmbH, Königstein, bestätigt, das 2001 aus Sicht verkaufswillige Unternehmen – nicht nur in den USA – ein "grauseliges Jahr" war, was die Preissituation betrifft. Die KPMG-Studie nennt zwei Hauptgründe für den Rückgang: Zum einen sei der M&A-Markt im vergangenen Jahr weltweit zurückgegangen. Andererseits sei dieser Einbruch noch durch stark unterschiedliche Preisvorstellungen von Akquisiteuren und Verkäufern noch verstärkt worden.

Nach Ermittlungen der M&A Review Data Base verzeichneten die USA unter den Zielländern grenzüberschreitender Transaktionen deutscher Unternehmen den stärksten Rückgang. Waren es im Jahre 2000 noch 173 Gesellschaften, die US-Beteiligungen übernehmen wollten, so sank diese Zahl in 2001 auf nur noch 40.

Deutsche Unternehmen auf Einkaufstour

Die M&A-Experten rechnen im laufenden Jahr aber wieder mit steigender Nachfrage auf dem amerikanischen Markt – vor allem aus Europa – und sich stabilisierenden Preisen. Joe O'Donnell von der Metzler Bank in New York schätzt, dass insbesondere deutsche Gesellschaften verstärkt in den Staaten auf Einkaufstour gehen werden. "Die Deutschen machen nach der Steuerreform Kasse und verkaufen alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört." Damit hätten sie genug Geld, um sich auf dem größten Markt der Welt ein Standbein zu schaffen. Der Appetit sei in allen Branchen zu sehen.

Ein Problem könnte bei Unternehmen, die nicht so gut bei Kasse sind, die Finanzierung der Transaktionen sein, so Burckhardt. "Die Banken sind in der Finanzierung von Transaktionen nach wie vor sehr zurückhaltend, teilweise sogar noch restriktiver als im Vorjahr." Insgesamt werde sich der Markt in 2002 sowohl in den USA als auch in Deutschland wieder deutlich beleben, prognostiziert der M&A-International-Chef.

Laut KPMG-Studie wird ein Engagement in den USA vor allem für Konzerne der Chemie- und Automobilzuliefererindustrie sowie den Bereichen Elektronik und Elektrotechnik wieder attraktiv. Dasselbe gelte aber auch für viele andere Investitionsgütermärkte, in denen der weltweite Konzentrationsprozess unverändert weitergeht.

"Europäische Unternehmen gehen aus strategischen Gründen in die USA", sagt Investmentbanker O'Donnell. Die US-Unternehmen seien jetzt auf Grund der gesunkenen Kurse günstig. Gleichzeitig hätten die schwachen Börsen die Finanzkraft potenzieller Käufer kaum geschwächt, weil viele gar nicht börsennotiert seien und ohnehin in bar bezahlten.

Nach Auffassung von Burkhard Weber, KPMG Corporate Finance Chicago, veranlasst das derzeitige konjunkturelle Umfeld immer mehr familiengeführte US-Mittelständler, sich von ihren Anteilen zu trennen, da sie sich scheuten, nach den guten Ergebnissen der neunziger Jahre, ihr Unternehmen nochmals durch eine Rezession zu steuern.

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