Murdoch droht mit Klage
Kirch-Gruppe will Springer verklagen

Die Kirch-Gruppe gerät immer stärker unter Druck. Der Münchener Medienkonzern will den Axel Springer-Verlag verklagen: Kirch hält eine Verkaufsoption für Anteile an der Pro Sieben Sat1 Media AG, die Springer in der vergangenen Woche ausgeübt hat, für rechtswidrig.

HB DÜSSELDORF. Deshalb will der hoch verschuldete Konzern die im April fälligen 767 Mill. Euro nicht zahlen. Ein Gutachter sagte dem Nachrichtensender N-TV jedoch, die Klage werde wohl Jahre dauern, aber keine aufschiebende Wirkung für das Geschäft haben.

Zugleich droht der Medienunternehmer und Kirch-Partner Rupert Murdoch mit einer Klage, falls die Kirch-Gruppe bei einer drohenden Insolvenz Gläubiger oder Aktionäre bevorzugt. In der Medienbranche mehren sich die Befürchtungen, dass Kirchs Existenz in Frage steht, wenn der Medienkonzern die Springer-Anteile zurückkaufen muss. "Ich gehe davon aus, dass Kirch in Sachen Liquidität am Ende ist", sagt Medienunternehmer Herbert Kloiber. Er bezweifle, dass Leo Kirch frisches Geld von seinem Partner Rupert Murdoch bekommen kann. "Von Herrn Murdoch sind keine Gefälligkeiten zu erwarten", fügt der Chef der Tele-München-Gruppe (TMG) hinzu, der früher selbst eng mit Murdoch kooperiert hat.

Murdoch geht immer stärker auf Konfrontationskurs zu Kirch. Er hatte die Kirch-Gruppe 1999 mit 1,5 Mrd. Euro für den defizitären Bezahlfernseh-Kanal Premiere unterstützt. Dafür bekam er 22 % der Anteile an Premiere und das Versprechen, die Beteiligung für 1,9 Mrd. Euro zurückgeben zu können, falls Premiere bestimmte Ziele nicht einhält. Nun hat Murdoch wohl Angst um seine Forderung: Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" zitiert einen Brief von Arthur Siskind, einem Manager von Murdochs News Corp., an Kirch-Vize Dieter Hahn. Danach ist das US-Unternehmen sehr besorgt, wenn Kirch andere Gläubiger oder Aktionäre bevorzugen würde, "ohne der News Corp. vergleichbare Rechte einzuräumen".

Der rot-grünen Bundesregierung sei der Kohl-Freund Kirch immer noch lieber als der Einstieg des ultrakonservativen Murdoch in den deutschen Medienmarkt, heißt es in Berlin. Dennoch werde es für Kirch keine Rettungsaktion wie beim Baukonzern Holzmann geben: "Dafür ist der Medienkonzern selbst ein zu großes Politikum", sagt ein Insider. Auch der bayerische Regierungschef und Kanzlerkandidat Edmund Stoiber ist an der Erhaltung der Kirch-Gruppe interessiert: Da die Bayerische Landesbank auf Fürsprache der Landesregierung Kirch trotz dessen angespannter Finanzen Milliardenkredite eingeräumt hat, käme Stoiber in Schwierigkeiten, wenn die Darlehen Not leidend würden.

Kirch-Konkurrent Bertelsmann hält sich bei Spekulationen um einen Zusammenbruch der Kirch-Gruppe zurück. Konzernsprecher Manfred Harnischfeger: "Wir wollen nicht über die Situation eines Mitbewerbers unserer Fernsehtochter RTL Group spekulieren." Auf die Frage, ob Bertelsmann im deutschen TV-Markt weiter expandieren wolle, sagt er: "Es ist klar, dass eine Expansion durch Zukäufe medien- und wettbewerbsrechtlich außerordentlich schwierig wäre."

Unterdessen mehren sich die Gerüchte um eine Neuordnung der Formel 1, an deren Betreiberholding SLEC Kirch die Mehrheit hält. "Die Automobilhersteller wollen die Formel 1 langfristig gesichert sehen", sagt ein Sprecher der Daimler-Chrysler AG vieldeutig. Man wolle "über einen bestimmenden Einfluss" im Motorsport verfügen. Daimler-Chrysler und die anderen in der Formel 1 engagierten Autohersteller wie Fiat, Ford und BMW hatten gedroht, eine Konkurrenzveranstaltung zu etablieren. Damit würde der teuer finanzierte Einstieg von Kirch praktisch wertlos. "Die Lage wird sich in dramatischer Weise zu Gunsten der Autokonzerne verschieben", sagt auch Kloiber, der als ausgewiesener Kirch-Feind gilt.

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