Murdoch hat angeblich bei Schröder vorgesprochen
Leo Kirch bricht sein Schweigen

Leo Kirch lässt sich von dem drohenden Zusammenbruch seines Medienimperiums nicht aus der Ruhe bringen. In seinem ersten Interview zur schwersten Krise seines Unternehmens gab sich der 75-Jährige Firmengründer gelassen.

dpa MÜNCHEN. "Ich war nie ein Spieler, sondern allenfalls ein Unternehmer mit Sportsgeist", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Gefahr einer Übernahme seines Konzerns durch den anglo-australischen Medienmogul Rupert Murdoch kommentierte Kirch mit Galgenhumor. "Dann frisst er mich eben."

Doch die Äußerungen Kirchs sind nach Einschätzung von Branchenkennern Strategie. Der 75-Jährige weiß sehr genau, dass weder die Politik noch seine Konkurrenten in der Medienbranche Interesse daran haben, dass der mächtige Medien-Milliardär Murdoch den Kirch-Konzern als Einfalltor nutzt, um den deutschen Medienmarkt zu erobern.

"Wenn ich Politiker wäre, hätte ich auch etwas dagegen. Aber das ist nicht mein Problem", sagte Kirch - beendete das Gespräch und verließ den Raum. Doch seine Botschaft dürfte in Berlin angekommen sein. Erst vor wenigen Tagen soll Murdoch dort bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vorgesprochen haben, um die Ängste vor seinem Eintritt in den deutschen Medienmarkt zu zerstreuen.

Offiziell hat sich Schröder bis jetzt nicht in die Kirch-Krise eingeschaltet. An einer Medienlandschaft nach britischem Vorbild, wo Murdoch wegen seiner Dominanz auf dem Zeitungsmarkt als Königsmacher der britischen Politik gilt, dürfte er aber kein Interesse haben.

Mit Kirch kommuniziert Murdoch seit Monaten nur noch in Interviews. Dort hatte Murdoch zuletzt gesagt, er werde nicht weiter in die Kirch Gruppe investieren und fordere im Herbst seine Investitionen in den Bezahlsender Premiere von 1,6 Milliarden Euro zurück. Allerdings gehen Branchenkenner davon aus, dass er Kirch damit nur unter Druck setzen wollte. Leo Kirch bereut es trotzdem nicht, seinen alten Geschäftsfreund an Premiere beteiligt zu haben. "Das brachte uns seinerzeit viel Geld und Wissen ein." Murdoch sei ein Haifisch mit scharfen Zähnen. "Wer mit denen nicht schwimmen kann, der soll gar nicht zu ihnen ins Becken steigen." Ein Angriff Murdochs kommt für Kirch nicht überraschend. "Ich kann Rupert nicht böse sein, auch wenn er mich fressen will. So ist er nun mal."

Auch sich selbst macht Leo Kirch keine Vorwürfe. Seit dem Beginn seiner Karriere als Filmhändler Mitte der 50-er Jahre habe er eine Gesamtkonzeption gehabt. "Ich wollte mit einer wachsenden Zahl von Mitstreitern aus einem kleinen Kern organisch etwas entwickeln, statt mein Geld für Frauen, Yachten oder Immobilien zu verpulvern." Was er persönlich verdienen könne, habe ihn nie interessiert. Nicht Größenwahn habe ihn geleitet, sondern die Idee, maximales Eigentum zu erwerben, um Maximales zu bewegen. Mit diesem Konzept sei er 48 Jahre lang nicht ohne unternehmerischen Erfolg geblieben. "Das allein zählte."

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