Murdoch hat kein Interesse an Pleite
Kein Insolvenzantrag für Premiere in dieser Woche

Das angeschlagende Bezahlfernseh-Geschäft der Kirch-Gruppe wird nach der Einschätzung von Bankenkreisen in dieser Woche keinen Insolvenzantrag mehr stellen.

Reuters MÜNCHEN. In Gesprächen am Donnerstag und Freitag wollten das Kirch-PayTV-Management um Geschäftsführer Georg Kofler, die Gesellschafter und die Gläubigerbanken weiter über die Zukunft des defizitären Senders Premiere verhandeln, hieß es am Donnerstag in den Kreisen. Vor allem der Medienunternehmer Rupert Murdoch, der über den britischen PayTV-Sender BSkyB mit 22 Prozent an Kirch-PayTV beteiligt ist, sei an einer Verhinderung der Insolvenz interessiert, da sonst seine Anteile wertlos würden. Ein Sprecher von Kirch-PayTV bestätigte, dass die Gespräche mit den Gesellschaftern und Banken weiter liefen. Über den Zeitplan könne er aber keine Auskunft geben.

Premiere ist mit rund einer Milliarde Euro verschuldet und verbucht nach Expertenschätzungen täglich Verluste von zwei Mill. ?. Der seit Februar für Premiere verantwortliche Georg Kofler hatte angekündigt, den Sender mit einem rigorosen Sparkurs bis 2004 in die schwarzen Zahlen bringen zu wollen. Nach der am Montag erklärten Zahlungsunfähigkeit der Kirch-Kerngesellschaft Kirch-Media war eigentlich unmittelbar danach ein Insolvenzantrag von Kirch-PayTV erwartet worden. In letzter Minute habe Murdoch aber auf neue Gespräche gedrängt, hieß es in Kirch-Kreisen.

Murdoch will Insolvenz von Kirch-PayTV offenbar verhindern

Murdoch wird seit langem ein Interesse an der Kontrolle des deutschen PayTV-Senders Premiere nachgesagt, auch wenn BSkyB ein Interesse an einer Übernahme immer dementiert hatte. Daher wird vermutet, dass Murdoch über die Dachgesellschaft seines weltweiten Medienimperiums, News Corp, bei Premiere einsteigen könnte. Murdoch wolle bei Premiere offenbar eine Situation wie bei Kirch-Media verhindern, hieß es in Bankenkreisen. Denn seine Beteiligung an der Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft war nach der Insolvenz wertlos geworden. "Bei Premiere sitzt er noch am Hebel. Bei einer Insolvenz wäre der Fuß, den er in der deutschen Medienlandschaft hat, ebenfalls raus", hieß es in Bankenkreisen. Von News Corp war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Als Gläubigerinstitute seien die Hypo-Vereinsbank und die Bayerische Landesbank an den Verhandlungen beteiligt, hieß es in Finanzkreisen. Die HVB sei mit rund 250 Mill. ? engagiert, die banküblich besichert seien. Unklar ist das Engagement der BayernLB, die insgesamt zwei Mrd. ? an die ganze Kirch-Gruppe geliehen hat. In den Gesprächen werde auch diskutiert, ob die Banken einen Teil ihrer Kredite in Eigenkapital umwandeln könnten, sagte ein Bankenvertreter.

US-Studios wichtige Teilnehmer im Verhandlungspoker

Wichtige Spieler in dem Verhandlungspoker sind aber auch die Hollywood-Studios, allen voran Paramount und Columbia. Denn als Voraussetzung für eine Sanierung Premieres gelten Preisnachlässe in den Filmlizenz-Verträgen der Kirch-Gruppe mit den Produzenten in den USA. Kirch habe die Rechte viel zu teuer eingekauft und sich langfristig zur Abnahme von Filmen verpflichtet, hatte der neue KirchMedia-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray das Hauptproblem zusammengefasst.

Die US-Studios seien durchaus interessiert, ihre Forderungen gegenüber der Kirch-Gruppe in Anteile an Kirch-PayTV umzuwandeln, heißt es in Studio-Kreisen. Verhindern wollten sie vor allem, dass Murdoch die uneingeschränkte Kontrolle bei Kirch-PayTV erhalte, um dann womöglich sein konzerneigenes Studio Fox zu bevorzugen. "Wenn sich die Studios mit den Banken einigen, dann wird eine Insolvenz wahrscheinlich - einfach, um den Gesellschafter Murdoch loszuwerden", hieß es in Kirch-Kreisen.

Derzeit sei Premiere jedenfalls noch zahlungsfähig, hieß es bei dem Sender. "Der ein oder andere Lieferant wird überrascht sein, wenn seine Rechnung bezahlt wird.

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