Murdoch weiter interessiert
Das Schicksal von Premiere scheint besiegelt

Nach dem Insolvenzantrag für KirchMedia steht nun auch das Geschäft mit dem Abo-Fernsehen Premiere vor der Pleite. "Es ist ziemlich sicher, dass KirchPayTV nicht um ein Insolvenzverfahren herum kommt", erfuhr die dpa aus Kirch-Kreisen. Der Antrag werde aller Voraussicht nach am Mittwoch oder Donnerstag gestellt. Allerdings gab es auch am Dienstag noch Verhandlungen mit Rupert Murdoch, der laut Branchenkreisen trotz aller Dementis weiterhin an einer Übernahme von Premiere mit seinen 2,4 Millionen Abonnenten interessiert ist.

 

dpa MÜNCHEN Sanierer und Insolvenzverwalter der KirchMedia begannen mit der Sichtung der Finanzlage für die geplante Umstrukturierung. Erst nach einer gründlichen Prüfung kann nach Angaben des Amtsgerichts München über die formale Eröffnung des Insolvenzverfahrens entschieden werden. "Das ist keine Sache von Tagen", sagte ein Sprecher des Amtsgerichts München.

Am Montag hatte die KirchMedia mit ihren 5500 Beschäftigten Insolvenzantrag gestellt. Die Gesellschaft ist mit dem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 und dem Filmrechtehandel das Herzstück der KirchGruppe. Zweite Säule ist das Bezahlfernsehen, das zuletzt 2400 Beschäftigte hatte. Daneben gibt es noch die KirchBeteiligung, in der vor allem die Formel 1-Mehrheit und ein 40-Prozent-Paket am Springer - Verlag liegen. Kirch-Sanierer Wolfgang von Betteray schließt einen Insolvenzantrag auch für die KirchBeteiligung nicht aus.

Betteray hatte bereits für Montag einen Insolvenzantrag der KirchPayTV angekündigt. Wegen der neuen Verhandlungen mit Rupert Murdoch wurde der Schritt dann aber in letzter Minute verschoben. Murdoch wolle in jedem Fall die Mehrheit bei Premiere, hieß es in Kirch-Kreisen. Allerdings wolle er wohl lieber ein Insolvenzverfahren abwarten, um Altlasten abzuschütteln.

Premiere ist seit Jahren das größte Sorgenkind der KirchGruppe. Ende 2001 lagen die Finanzverbindlichkeiten bei 962 Millionen Euro. Das operative Minus betrug im vergangenen Jahr ebenfalls fast eine Milliarde Euro. Murdoch hält derzeit 22 Prozent an der KirchPayTV. Er hatte sich eine Option gesichert, diese Anteile im Herbst gegen Zahlung von etwa 1,7 Milliarden Euro an Kirch zurückgeben zu können. Am Montag bekräftigte Murdochs BSkyB, diese Put-Option ausüben zu wollen. Wegen der drohenden Put-Option dürfte sich ohne Insolvenzverfahren ohnehin kein anderer Investor für die Mehrheit an der KirchPayTV interessieren als Murdoch selbst. Bei einer Insolvenz der Dachgesellschaft TaurusHolding würde Murdochs Option nach Einschätzung in der Branche verfallen.

In der KirchMedia wollen Betteray als neuer Geschäftsführer und Insolvenzverwalter Michael Jaffé sich zunächst einen genaueren Überblick über die Finanzprobleme verschaffen und dann erste Sanierungsschritte einleiten. "Durch den Insolvenzantrag haben wir jetzt erst einmal Luft gekriegt", hieß es bei einer Gläubigerbank. Mit schnellen Entscheidungen sei aber nicht zu rechnen. Hauptaufgabe der Sanierer dürfte es sein, Medienkonzerne zu finden, die bereit zu einem Einstieg in die KirchMedia sind. Zwar würden die Gläubigerbanken notfalls auch eine Mehrheit übernehmen. Dies gilt aber nicht als Ideal-Lösung, da die Kreditinstitute nach eigener Einschätzung nichts von dem Geschäft verstehen.

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