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Museum des Aufstands: Warschauer gaben Kriegsandenken

Warschau (dpa) - Noch wird gehämmert und gebaut, werden Kabel verlegt und Vitrinen bestückt. Das Museum des Warschauer Aufstands, das am kommenden Samstag, einen Tag vor dem 60. Jahrestag der polnischen Untergrundrevolte gegen die deutsche Besatzung, eröffnet werden soll, wirkt noch wie ein Provisorium.

Warschau (dpa) - Noch wird gehämmert und gebaut, werden Kabel verlegt und Vitrinen bestückt. Das Museum des Warschauer Aufstands, das am kommenden Samstag, einen Tag vor dem 60. Jahrestag der polnischen Untergrundrevolte gegen die deutsche Besatzung, eröffnet werden soll, wirkt noch wie ein Provisorium.

Nach wenigen Wochen wird das in einem ehemaligen Straßenbahndepot untergebrachte Museum bereits wieder schließen, kündigte Museumsdirektor Jan Oldakowski an - die Arbeiten für den nächsten Bauabschnitt stehen dann an.

Doch zum runden Jubiläum, an dem wohl zum letzten Mal so viele Überlebende und Zeitzeugen anwesend sein werden, sollen die Besucher einen Eindruck von der Vision bekommen, die derzeit Plakate in ganz Warschau ankündigen. «Der einzige Aufstand dieser Art - das einzige Museum» heißt es darauf. Einzigartig ist für Oldakowski die Art, wie das Museum zu seinen Exponaten gekommen ist. «Dieses Museum hätte nicht gebaut werden können, wenn sich die Warschauer nicht von ihren wertvollsten Familienandenken getrennt hätten» betonte er am Dienstag.

Im vergangenen November hatte das Museum dazu aufgerufen, Kriegsandenken zu spenden. Von der Resonanz waren Oldakowski und seine Mitarbeiter überwältigt. Die Warschauer kamen in Massen, und sie brachten persönliche Gegenstände und Alltagserinnerungen aus dem 63 Tage dauernden verzweifelten Kampf gegen die deutsche Übermacht mit. Uniformen, Kuriertaschen, Untergrundzeitungen oder private Fotos und Briefe - sie alle sollen im Museum gegen das Vergessen wirken.

Viele der Exponate haben eine tragische Geschichte. Etwa die aus einem Massengrab exhumierte Holztafel mit dem Namen der Patrouillengängerin Wanda Gromulska, die im Alter von 23 Jahren im Aufstand ums Leben kam. Oder die aus Fallschirmseide genähte Bluse, die Janina Kazimierska-Herman trug, als sie sich den Aufständischen anschloss. Fast 60 Jahre lang hatte sie nichts bewegen können, sich von der Bluse zu trennen, sagte sie dem Magazin «Newsweek Polska». Denn der Stoff war ein Geschenk ihres in Majdanek ermordeten Ehemanns.

Trotzdem nahmen Hunderte für das Museum Abschied von ihren Kriegserinnerungen. Denn das Museum ist für sie auch eine späte Genugtuung. Jahrzehntelang war der Aufstand aus politischen Gründen verdrängt, wenn auch nicht vergessen worden. Einen festen Platz in der Erinnerung vieler Warschauer hat er dennoch, und auch in der polnischen Kultur hinterließ er unübersehbare Spuren.

Regie-Altmeister Andrzej Wajda setzte schon in seinen Anfangsjahren den Aufständischen ein filmisches Denkmal. «Der Kanal», Teil von Wajdas Trilogie über die Kriegs- und Nachkriegszeit, wurde zwar im Ausland nicht so bekannt wie «Asche und Diamant», weckte aber in Polen Erinnerungen an die Flucht der Aufständischen durch das Warschauer Kanalisationsnetz.

In der Literatur was es vor allem Andrzej Szczypiorski («Die schöne Frau Seidenman»), der in seinen Werken immer wieder die deutsche Besatzung und den Krieg thematisierte. Szczypiorski, der selbst ein Zeuge des Aufstands war, kam in kaum einem Werk los vom prägenden Erlebnis des Krieges und den miteinander verflochtenen Schicksalen seiner polnischen, deutschen und jüdischen Charaktere.

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