Musharraf fordert schnelles Ende der Militäraktionen
Schröder: Ohne Sturz der Taliban gibt es keine Lösung

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sieht ohne einen Sturz des Taliban-Regimes keine Lösung für Afghanistan. Schröder sagte am Sonntag nach seinem Treffen mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf in Islamabad, er glaube, dass eine friedliche Entwicklung und eine Regierungsbildung aus dem afghanischen Volk heraus "nur nach Überwindung des Taliban-Regimes objektiv möglich" seien.

afp ISLAMABAD. Gleichzeitig sprach sich Schröder erneut gegen eine Aussetzung der Angriffe aus. Eine Unterbrechung sei falsch und hätte zur Folge, dass sowohl eine politische als auch eine humanitäre Lösung "nicht erleichtert, sondern erschwert" werde. Musharraf betonte, die Militäraktionen müssten so schnell wie möglich beendet werden und sollten zielgerichtet sein. Nach seinem Gespräch mit Musharraf brach Schröder nach Indien auf, der nächsten Station seiner einwöchigen Asien-Reise.

Musharraf betonte, in Afghanistan müsse eine multiethnische Regierung gebildet werden. Laut Schröder muss eine solche Regierung "für eine gewisse Zeit unter dem Dach der UNO agieren". Weiteres Thema des zweieinhalbstündigen Treffens war der Kaschmir-Konflikt. Ursprünglich war nur eine Stunde angesetzt gewesen. Schröder ging es bei seinem Besuch in Islamabad vor allem darum, die Koalition gegen den islamischen Extremisten Osama bin Laden zu festigen und eine politische Lösung für Afghanistan zu erörtern. Pakistan unterhält als einziges Land noch diplomatische Beziehungen zu dem Taliban-Regime. Die pakistanische Führung hatte den USA ihre volle Unterstützung zugesichert, obwohl sie mit massivem Widerstand aus dem eigenen Land konfrontiert wird.

Schröder betonte, er habe "großen Respekt vor der Rolle Pakistans in dem Konflikt". Das Land "spielt ohne jeden Zweifel eine stabilisierende Rolle in der Region, und es spielt eine bedeutende Rolle in der Koalition, die weltweit gegen den Terrorismus zustande gekommen ist". Pakistan werde seine stabile Rolle aber nur dann annehmen können, "wenn man hilft, die Lasten zu tragen", betonte Schröder. So vereinbarten beide Seiten, die wirtschaftlichen Beziehungen zu verstärken. Als Beginn einer Verbesserung der Zusammenarbeit sollen Hermes-Bürgschaften wieder aufgenommen werden, zunächst mit 100 Millionen Mark (51,13 Millionen Euro). Dies müssse aber nicht das Ende sein, betonte Schröder. Außerdem wolle die Bundesregierung hilfreich dabei sein, die Verschuldung Pakistans abzubauen. Deutschland werde sich beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und bei der Weltbank dafür einsetzen.

Parallel zum "militärischen Teil" müssten politische Lösungen gesucht und sich besonders dem humanitären Aspekt gewidmet werden, sagte Schröder. In beiden Bereichen wolle Deutschland "die ihm zukommende Rolle" spielen. Dies betreffe "besonders den humanitären Bereich, wo wir uns wirklich substanziell engagieren wollen". Der Bundeskanzler wurde unter anderem von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) begleitet, die noch bis Montagabend vor Ort bleiben wollte. Die Ministerin wollte am Nachmittag unter anderem in Peshawar mit Vertretern afghanischer und internationaler Hilfsorganisationen sprechen und sich über die Situation der Flüchtlinge informieren. Die Bundesregierung hat in diesem Jahr bereits 70,4 Millionen Mark an Nahrungs-, Not- und Flüchtlingshilfe für Afghanistan bereit gestellt.

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