Musicnet-Partner stellen Angebot für Marktstart im Sommer
Verhandlungen mit Napster über Musikkataloge sind in der Endphase

Die Chancen für Napster stehen gut, mit einem relativ attraktiven Angebot im Sommer seinen kommerziellen Dienst zu starten. Doch noch immer fehlen mit Sony und Universal zwei wichtige Musiklabels.

DÜSSELDORF. Der kommende, legale Nachfolge-Service des legendären Musiktauschdienstes Napster steht nach Medienberichten kurz vor dem Abschluss von Lizenzverträgen mit drei großen Musiklabeln. Dem Start steht dann kaum noch was im Weg, doch von der einstigen Napster-Idee wird wenig übrig bleiben.

Die im Vertriebsverbund Musicnet zusammen geschlossenen Firmen Warner Music, Emi Music Group und Bertelsmann Music Group (BMG) hatten bereits Anfang April angekündigt, jedem legal operierenden Musikservice im Web ihre Musik zum Vertrieb anzubieten, also eventuell auch Napster. Nun scheinen die Verträge unterschriftsreif, heißt es in Industriekreisen. Das will die Bertelsmann AG, Muttergesellschaft von BMG und künftiger Partner der Napster Inc. auf Anfrage so nicht bestätigen: "Es war klar, dass verhandelt werden würde", so Frank Sarfeld, Sprecher der Bertelsmann-E-Commerce-Gruppe, "über einen Zeitplan wurde aber nicht entschieden." Im übrigen kommentiere man keine Gerüchte.

Abschied vom Musikstandard MP3

Doch die Zeit wird knapp für Napster. Schon im Sommer will "Napster-Neu" an den Start gehen, und dann müssen attraktive Angebote vorliegen. Damit Napster - heute noch ein kostenloser Tauschring - in den Kreis der begünstigten Web-Dienste kommen konnte, musste sich der Dienst radikal ändern. Napster wird Abschied nehmen vom globalen digitalen Musikstandard MP3 und ein vom Musicnet-Partner Real Networks Inc. entwickeltes, kopiergeschütztes Fileformat verwenden.

Auch die lange propagierte Idee vom unbegrenzten Musik-Abonnement scheint Vergangenheit. Nach Informationen der "New York Times" wird es in der preisgünstigsten Version des Napster-Monatsabos nur noch Zugang zu sowieso freier Musik und einigen Independent Labels geben und das bei minderer Klangqualität. Die Kataloge der Majors erschließen sich erst dem Premium-Kunden. Und der wird voraussichtlich auch noch eine Begrenzung auf 50 Downloads pro Monat akzeptieren müssen und kann seine Musik auch nicht auf CD brennen. Der Premiumbereich soll früheren Aussagen zufolge bis zu 10 $ monatlich kosten.

Machtkampf um Abspielgeräte

Damit der Kunde seine Musik nicht nur auf dem eigenen PC hören kann, muss es in Zukunft entsprechende Abspielgeräte geben, ähnlich den heutigen Walkman oder beliebten MP3-Spielern. Hier bahnt sich der nächste Machtkampf an. Die Hardwarehersteller wie Rio, Panasonic oder Sony müssten Lizenzen für die Real Networks Technologie erwerben, um in diesem Markt mitspielen zu können.

Hier hofft das Musicnet-Konsortium einen echten Trumpf im Ärmel zu haben, um speziell die Sony-Musikkataloge noch in ihr Angebot zu bekommen. Sony will derzeit zusammen mit der Vivendi-Universal S.A. den eigenen Web-Musikdienst "Duet" aufziehen. Doch bei Duet gibt es außer Ankündigungen bislang wenig zu sehen.

Eine frühzeitige Lizenzierung der Musicnet-Technologie für Sony als Gegenleistung für eine Musiklizenzierung könnte - einen Erfolg von Napster unterstellt - helfen, Sonys Führungsposition im Bereich der tragbaren Player zurück zu erobern, den der Walkman-Erfinder an diverse Hersteller von MP3-Playern verloren hat. Und wenn Sony umfällt, so ein Insider, kann Vivendi auch nicht mehr lange alleine bleiben.

Jetzt müssen eigentlich nur noch die Napster-Nutzer mitspielen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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