Musik-Verlage sehen sich als Sieger
Schuldspruch gegen Internet-Tauschbörse Napster

US-Richter haben die Online-Musiktauschbörse Napster für schuldig erklärt, das Urheberrecht zu verletzen. Die Musikindustrie feiert das Urteil als Sieg über Napster. Die Zeit der Piraterie gilt als passé; alternative Internet-Musikanbieter und die großen Musikverlage dürften sich annähern.

siri/lip/pos NEW YORK/HAMBURG. Das Urteil gegen die Musiktauschböse Napster lässt den US-Verband der Musikindustrie (RIAA) triumphieren: "Napster muss sein Geschäft nun auch ganz altmodisch betreiben und erst um Erlaubnis fragen", sagte Hilary Rosen, Präsidentin des Verbandes. Der Spruch des Berufungsgerichts, das kostenloses Tauschen von digitalen Musikdateien über das Internet in zweiter Instanz für rechtswidrig erklärte, gilt als Meilenstein in der Debatte über den Schutz von geistigem Eigentum im Internet.

Während die Napster-Fans argumentierten, sie tauschten nur Musik über das Internet, die sie vorher auf CD gekauft und bezahlt hätten, verwiesen die Gegner des Dienstes darauf, dass ein einmal bezahltes Musikstück bei Napster Millionen von Nutzern zur Verfügung stehe. Den Künstlern entginge so ein Vermögen an Lizenzgebühren.

Napster droht die baldige Abschaltung

Das Berufungsgericht entschied allerdings, dass die einstweilige Verfügung der Vorläufer-Instanz angepasst werden muss. Denn die Verfügung erschien den Richtern als "zu weit reichend". Noch ist nicht klar, wie die Änderungen aussehen werden, ein Abschalten von Napster droht aber weiterhin.

Branchenkenner gehen davon aus, dass bereits nächste Woche über einen Stopp von Napster entschieden wird. Zudem ermöglicht das Urteil weit reichende Schadensersatzforderungen durch die Musikverlage, die die Klage initiiert hatten.

Auftrieb für alternative Musikdienste

Alternative Internet-Dienste, die Musik über das Internet vertreiben, erhalten durch das Urteil gegen Napster Auftrieb. Sie hoffen, dass die großen Musikverlage jetzt mit ihnen gemeinsam kostenpflichtige Modelle zur Verbreitung von Musik über das Internet entwickeln werden. Bertelsmann will bereits im Sommer gemeinsam mit Napster einen solchen Dienst starten. Rob Glaser, Chef des Multimediadienstes Real Networks, sagte gestern in einer Stellungnahme: "Die Zeiten der Piraterie im Internet sind vorbei." Die Zeit sei reif für Angebote, mit denen Kunden und Künstler leben könnten. Sasa Zorovic, Analyst beim Investmenthaus Robertson Stephens, stimmt zu: "Die Verbreitung von Musik über das Internet wird ganz normale Geschäftspraxis werden." Nach dem Napster-Urteil stieg der Aktienkurs von RealNetworks um 10 % auf knapp über 9 $. Die Kurse anderer Musikdienste wie MP3.com und Emusic legten ebenfalls zu.

Aufatmen bei der Filmindustrie

Auch der US-Verband der Filmindustrie (MPAA) zeigte sich erleichtert. Bisher hatte die Branche Filme aus Angst vor Verletzung des Urheberrechts nur zögerlich ins Internet gestellt.

Zurückhaltend zeigte sich die Bertelsmann E-Commerce-Gruppe. Ihr Chef Andreas Schmidt betonte, dass Bertelsmann jetzt mit Hochdruck an dem neuen Modell mit Napster arbeiten wolle - unter Wahrung des Copyrights.

Die am Neuen Markt notierte Edel Music AG, Hamburg, will an der Zusammenarbeit mit Napster fest halten. Die Anfang Januar vereinbarte Kooperation beschränke sich ausschließlich auf das künftige Napster-Geschäftsmodell, wonach Abonnenten für das Herunterladen von Musikstücken eine Monatsgebühr bezahlen müssen, hieß es. Eine Beteiligung an Napster strebe Edel Music nach Angaben aus dem Unternehmen nicht an.

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