Archiv
Musikbranche sagt Raubkopierern Kampf an

Das Knacken von CD-Kopierschutz soll gesetzlich verboten werden, fordern die Unternehmen. Sie waren bereits beim Kanzler vorstellig.

rtr HAMBURG. Die deutsche Musikindustrie will das Umgehen von Kopierschutzsystemen auf CDs per Gesetz verbieten lassen. Ein Gespräch mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) dazu sei sehr erfreulich erlaufen, sagte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt, am Donnerstag in Hamburg.

Die Branche musste im vergangenen Jahr erwartungsgemäß einen Umsatzrückgang von mehr als zehn Prozent hinnehmen und führt dies vor allem auf das immer stärker verbreitete Kopieren von CDs zurück. 2001 seien in Deutschland erstmals mehr CDs privat gebrannt als kommerziell bespielte CD-Alben im Handel verkauft worden, sagte Gebhardt. Während 2001 rund 173,4 Mill. CD-Alben über die Ladentische gingen - ein Minus von etwa 10,8 % - wurden einer Umfrage zufolge gleichzeitig 182 Mill. CD-Rohlinge mit Musik bespielt.

"Das massenhafte unkontrollierte Kopieren von CDs hat sich zu einer echten Bedrohung für die Musikwirtschaft entwickelt und im letzten Jahr zu drastischen Umsatzverlusten geführt", sagte Gebhardt. Das Kopieren für den privaten Gebrauch ist bisher erlaubt. Seit einem halben Jahr verkaufen die Musikunternehmen jedoch verstärkt CDs mit Kopierschutz, der aber durch spezielle Programme und ausführliche Anleitungen in diversen Zeitschriften relativ leicht geknackt werden kann.

"Wir wollen das Umgehen von Kopierschutzsystemen und die Anleitung dazu gesetzlich unterbunden wissen", sagte Gebhardt. Die Gespräche mit Schröder und auch Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) gäben da mit Blick auf die anstehende Novelle des Urheberrechts Anlass zum Optimismus. Beide Politiker hätten verstanden, dass der Trend die kreative Vielfalt und das wirtschaftliche Ergebnis der Branche belaste. Auch seien zahlreiche der rund 180 000 Arbeitsplätze in der Branche und deren Umfeld gefährdet, sagte Gebhardt. Im Kern der Tonträger-Industrie mit zuvor 13 500 Beschäftigten seien schon 2001 bis zu 1000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Die deutschen Musikunternehmen setzten im vergangenen Jahr noch 2,24 Mrd. ? um, was einem Minus von 10,2 % entspricht. "So einen Rückgang hatten wir noch nie", sagte Gebhardt und signalisierte, dass auch die Ertragslage nicht gut sei. Der negative Umsatztrend habe sich auch in den ersten zwei Monaten des neuen Jahres nicht brechen lassen. Der Rückgang liege allerdings nach ersten Schätzungen unter zehn Prozent. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr rund 22 Mill. CDs, LPs, Singles und Kassetten weniger über die Ladentische, was einem Absatzrückgang von rund 8,4 % entspricht.

Als Problem sieht die Branche auch das Herunterladen von kostenloser Musik aus dem Internet. Knapp fünf Mill. Fans hätten sich der Umfrage zufolge im vergangenen Jahr im Web mit Musikstücken eingedeckt. "Wäre diese (kopierte und heruntergeladene) Musik gekauft worden, hätte sie einen Umsatzwert von rund 3,2 Mrd. ? erzielt und damit den Jahresumsatz der Branche bei weitem überstiegen", sagte Gebhardt. Er räumte jedoch ein, dass nicht jede Kopie auch tatsächlich einem der Branche entgangenen Kauf entspreche. "Aber die Größenordnung des Problems ist erkennbar."

Einen Lichtblick sieht die Musikindustrie bei den Digital Video Discs (DVDs), die vor allem mit Musik und Film fertig bespielt angeboten werden. Von diesen Video-DVDs seien 2001 mit 1,3 Mill. Stück mehr als doppelt so viel verkauft worden. Seit kurzem sind jedoch DVD-Rekorder und-Rohlinge auf dem Markt, so dass Verbraucher jetzt auch DVDs brennen können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%