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Musikbranche sieht Chancen im Internet

rtr HAMBURG. Trotz der weit verbreiteten Online-Musikpiraterie sieht die deutsche Musikbranche im Internet mehr Chancen als Gefahren. Illegales Herunterladen von Musik aus dem Internet sei zwar ein großes Problem, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Martin Schaefer, am Dienstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. "Es hat aber keinen Sinn, fatalistisch die Waffen zu strecken." Vielmehr müssten die illegalen Seiten bekämpft und die kommerziellen Angebote ausgebaut werden. In Erwartung neuer Umsätze würden mehrere Musik-Unternehmen schon bald ihre Produkte ins Internet stellen. Dazu gehöre auch die Bertelsmann-Tochter BMG, die im Herbst mit ihrem Musikkatalog online gehen will.

BMG Deutschland ist wie die deutschen Töchter der Marktführer Sony, Time Warner, EMI und Universal im Verband der Phonographischen Wirtschaft vertreten. Der Verband hat insgesamt 400 Mitglieder.

Musik-Piraterie im Internet habe der deutschen Musikindustrie 1999 allein durch Lizenz-Einbußen einen Verlust von 140 Mill. DM verursacht, sagte Schaefer weiter. Das sei mehr als der Schaden, der im selben Zeitraum durch den Umsatz mit CD-, Platten- und Kassetten-Raubkopien entstanden sei. Den Erwerb von Musik aus dem Internet ermöglicht das Kompressionsprogramm MP3, mit dem die Datenmengen von Musikstücken so reduziert werden können, dass ein Download - also die Übertragung auf den eigenen Computer - relativ scnhell möglich ist. Vor allem Tauschbörsen im Internet bieten Musikdateien zum Download an.

"Es stimmt einfach nicht, dass gegen die illegalen Seiten nichts auszurichten ist", sagte Schaefer. Die rechtlichen Grundlagen seien vorhanden, es gebe allerdings noch Probleme bei der praktischen Umsetzung. Dennoch seien in Deutschland bereits 1 200 Seiten geschlossen worden, die illegale Musik-Downloads angeboten hätten. Der Kampf gegen die Musikpiraterie im Internet spiele auch eine zentrale Rolle auf der ersten Online-Musikmesse "phonokomm.de", die am Montag begann. Dort sollten Internetbegeisterte Musikfans auch über die Folgen der Musikpiraterie informiert werden. Zudem verhandele die deutsche Musikbranche derzeit mit Internet-Service-Providern wie AOL, den Zugriff auf solche illegalen Seiten zu unterbinden, sagte Schaefer. Technisch sei das nicht ganz einfach, aber möglich.

Musikpiraterie im Internet hatte kürzlich Schlagzeilen gemacht, als ein US-Gericht Ende Juli wegen der Verletzung von Urheberrechten die Schließung der Online-Musik-Tauschbörsen Napster anordnete. Der Beschluss wurde von einer höheren Instanz vorläufig ausgesetzt. Die rund 20 Millionen Napster-Nutzer können über die Homepage des Unternehmens kostenlos Musiktitel tauschen. Andere Musikbörsen wie Gnutella vermitteln den direkten Tausch von Musiktiteln zwischen zwei Nutzern.

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