Musikindustrie leidet unter Flaute und Downloads von Titeln aus dem Internet: Plattenfirma BMG schafft die Wende

Musikindustrie leidet unter Flaute und Downloads von Titeln aus dem Internet
Plattenfirma BMG schafft die Wende

Mit Hilfe der "Superstars" hat die Bertelsmann - Tochter BMG inmitten der schwersten Krise der Musikindustrie die Trendwende in Deutschland geschafft. "Wir rechnen in diesem Jahr in jedem Fall wieder mit einem steigenden Umsatz", sagt Thomas Stein, Präsident der BMG im deutschsprachigen Raum.

HB/dpa MÜNCHEN. In den vergangenen fünf Jahren waren die Erlöse des Unternehmens im Gleichschritt mit der Branche zurückgegangen. Derzeit aber bringen die Teilnehmer der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar", begleitet von einer abgestimmten Vermarktungsmaschine im Hause Bertelsmann, bei BMG viel Geld in die Kassen. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse in Deutschland um etwa ein Viertel. In der vergangenen Woche besetzten drei BMG-Künstler die ersten drei Plätze der offiziellen deutschen Single-Stars: An der Spitze die "Superstars" Daniel und Alex. Bei Bertelsmann weiß man aber, dass der Sonder-Boom die Probleme der Branche nur kurzzeitig überlagern wird.

Die Musikindustrie leidet unter der weltweiten Konjunkturflaute und unter illegalen Software-Downloads im Internet. Nach Angaben des Branchenverbandes IFPI sanken die Umsätze mit Musikaufnahmen im vergangenen Jahr weltweit um 7 Prozent auf 32 Mrd. Dollar. In Deutschland betrug das Minus gut 11 Prozent. "Die Flaute ist nach wie vor da", sagt Stein. Im ersten Quartal seien die Branchenumsätze hier zu Lande sogar um 18 Prozent gefallen. Da Marktführer BMG (Deutschland-Umsatz 2002: 237 Mill. Euro) von den "Superstars" profitierte, seien bei den anderen die Einbrüche sogar noch stärker ausgefallen. Der Zwang zur Konsolidierung könnte sich so beschleunigen. Einigen Plattenfirmen könnte das Aus drohen.

In der Branche wird der "Superstar"-Erfolg mit einer Mischung aus Neid und Skepsis beobachtet. Das Budget der Teenager ist begrenzt, "echte Künstler" könnten nicht mehr gefördert werden, wenn künstliche neue Stars kreiert werden. Stein kann das Klagen der Konkurrenz verstehen. Allerdings betont er: "Wir bringen die jungen Leute in die Plattenläden." Da sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass noch ein Konkurrenz-Produkt mitgenommen werde. Kritisch beäugt wurde in der Szene auch Steins persönliches Engagement. Der Manager saß jeden Samstag neben Dieter Bohlen in der "Superstar"-Jury und erwarb so ein gehöriges Maß an eigener Prominenz. Damit habe er aber der BMG genützt, sagt Stein. Er bekomme derzeit drei Mal so viele Demo-Tapes zugeschickt wie vor der Sendung.

Auch bei BMG ist man sich bewusst, dass sich das "Superstar"- Fieber schnell wieder legen kann. Zwar erwarte er noch eine Menge von den Solo-Alben der Finalisten Alexander, Daniel und Juliette, sagt Stein. Zudem laufe derzeit die Tournee, die den Absatz noch einmal anheize. "Ich weiß aber, dass dieser Sondereffekt nicht ewig gehen wird." So sei abzuwarten, ob die geplante zweite Staffel noch einmal das Niveau der ersten erreichen werde. In den USA sei die zweite Staffel aber sogar besser gelaufen als die erste.

In der Branche insgesamt gibt es nur wenig Hoffnungsschimmer. 2002 seien allein in Deutschland 259 Millionen CD-Rohlinge nur mit Musik kopiert worden. "Das sind rund 100 Millionen Stück mehr als verkaufte CD-Alben, und die Schere geht weiter auseinander", sagt der Chef der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhard. Die Firmen würden aber auch die Chancen nutzen, die das neue Medium bietet, sagt Stein. Problem sei allerdings, das in der Flaute überall weniger investiert werde.

Auch aus der vor drei Jahren angekündigten Bündelung der Bertelsmann - BMG-Internetaktivitäten in einer Firma mit Arbeitstitel "Spaceworld" ist auf Grund der Konzentration auf Kernkompetenzen nichts geworden. Stein will nun den Schwung der "Superstars" nutzen, damit die BMG als einer der Sieger aus der Branchenkrise hervorgeht. "Es darf keine Lethargie geben nach dem Motto: Alles läuft gut, jetzt lehnen wir uns zurück." Bei BMG Germany, Switzerland, Austria (BMG/GSA) werden intern die Bilanzen daher auch schon ohne den "Superstar"-Effekt berechnet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%