Musikindustrie startet weitere Attacke
Napster-Klonen geht es an den Kragen

Der Sieg vor Gericht gegen Napster war für die Musikindustrie nur ein Teilerfolg. Ohne großes Aufsehen in der Öffentlichkeit zu erzeugen, zieht die Branche nun gegen die vielen Napster-Klone zu Felde.

rje/wsj NEW YORK. Seit letzten Montag verschickt der Verband der US-Musikindustrie (Recording Industry Association of America, RIAA) Abmahnungen an alle Betreiber von Internetangeboten, die die Möglichkeit zum Downloaden von urheberrechtlich geschützten Musikdateien ermöglichen. Über 60 Schreiben seien schon verschickt worden, so die RIAA.

Napster-Klone nutzen eine Software, z.B. "Napigator", die dem originalen Napster-Programm ähnelt und an vielen Stellen im Internet kostenlos beschafft werden kann. Prinzipiell kann auf jedem Computer mit einer schnellen Internetanbindung und einem solchen Programm ein Musiktauschdienst installiert werden. Die Betreiber der Server haben mit dem Unternehmen Napster aber keine Verbindung. "Es gibt mittlerweile mehr als 350 Musikserver im Internet", sagt Chad Boyda, der Entwickler von Napigator.

RIAA-Anwalt Cary Sherman meint, dass dieses Vorgehen gegen die freie Napster-Bewegung erst durch das in der vergangenen Woche ergangene Urteil eines US-Berufungsgericht möglich geworden ist. Der 9th U.S. Circuit Court of Appeals hatte sich im Sinne der Musikindustrie geäußert und die Unterlassung von Verletzungen des Copyrights gefordert. Das Verfahren wurde aber an die untere Gerichtsinstanz zurückverwiesen. Am kommenden Freitag soll das endgültige Urteil gesprochen werden. Auch gegen europäische Betreiber soll vorgegangen werden, hier sei es aber schwieriger eine Schließung zu erreichen, meint Sherman.

Napigator-Autor Boyda sagt, er habe mit diesem Schritt gerechnet, er sei nur über die Geschwindigkeit überrascht, mit der die Musikindustrie reagiert habe. "Ich glaube, die Anbieter haben kaum eine andere Wahl, als sich dem Urteil zu fügen, nur wenige werden dagegen kämpfen", glaubt Boyda.

Neben den vielen Napster-Servern befasst sich die RIAA auch mit dem File-Sharing-Netzwerk "Gnutella". Gnutella basiert nicht auf einem zentralen Rechner, von dem die Musikdateien heruntergeladen werden, sondern auf einem Netz vieler miteinander verbundener Rechner. Da es keinen zentralen Punkt gibt, ist dieses System auch schwieriger anzugreifen. Wir haben konkrete Vorstellungen, wie wir uns mit Gnutella einigen können, sagt der RIAA-Anwalt, er wolle sich jedoch dazu nicht äußern.

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