Musiksender wollen trotz Werbeflaute weiter wachsen
Viva und MTV liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Die beiden Musiksender Viva und MTV müssen in Deutschland mit harten Bandagen kämpfen. Es gebe zwar Platz für beide, aber die Expansionsmöglichkeiten seien begrenzt, sagte Viva-Chef Dieter Gorny.

HB/mwb/jojo MÜNCHEN. Beide Sender erweisen sich aber in der derzeitigen Werbeflaute robust. "In diesem Jahr peilen wir ein Umsatzwachstum von 7,5 % an", sagte Catherine Mühlemann dem Handelsblatt. Die Deutschland-Chefin des amerikanischen Senders ist zufrieden: "Im Vergleich mit anderen Sendern geht es uns damit ganz gut." In der Tat: Der Umsatz von Deutschlands größtem Senderverbund, der Pro Sieben Sat 1 AG, ist im dritten Quartal um 10 % eingebrochen. Und auch der deutsche MTV-Ableger wächst langsamer als die Ableger in anderen Ländern. Doch Mühlemann ist überzeugt, dass Deutschland auch der derzeit schwächste Markt in Europa ist. Und die Aussichten hier zu Lande sind laut Mühlemann ebenfalls schlecht: "2003 wird ein hartes Jahr. Ich glaube nicht, dass der Markt anzieht." Auch Gorny geht von Stagnation aus.

Bei MTV soll es dennoch aufwärts gehen. Mit einem Marktanteil von insgesamt 3,5 % für die beiden Kanäle MTV und MTV 2 Pop sieht sich Mühlemann weit vor Viva. MTV gehört zum US-Medienkonzern Viacom. In Deutschland ist der Sender seit 1997 auf Sendung. Umsatzzahlen für Deutschland nennt der Sender jedoch nicht.

Das wurmt Konkurrent Gorny, da seine am Neuen Markt notierte VIVA Media AG mehr Transparenz bieten muss. Den Abstand zu MTV sieht er aber im Gegensatz zur MTV-Chefin denkbar gering. Viva habe im Oktober mit 1,7 % zu MTV aufgeschlossen und liege zusammen mit Viva Plus bei mehr als 3,1 % - im Gegensatz zur Konkurrenz mit steigender Tendenz.

Im Juli musste Gorny allerdings beim Umsatz seine Prognose für die Media AG auf 109 (125) und beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen auf 15 (37) kräftig zurückschrauben. Diese Prognose wird nach Einschätzung von Analysten auch heute nach Präsentation der Quartalszahlen weiter Bestand haben. Hauptgrund für die Korrektur waren Sonderabschreibungen auf den übernommenen Fernsehproduzenten Brainpool. Gorny verteidigt die Akquisition: "Wir haben damit die Abhängigkeit von den Werbeeinnahmen um die Hälfte reduziert".

Erste Erfolge sieht Gorny beim digitalen Ableger Viva Plus. Der Marktanteil habe sich nach der völligen Neuausrichtung von 0,4 auf 1,4 % erhöht. Das interaktive Konzept Sender zum PC habe nicht funktioniert. "Aber der Kontakt zum Zuschauer über das Handy klappt gut", sagt Gorny. Viva Media AG hatte für 30 Mill. Euro 49 % vom Sender Viva Plus, der nicht mehr in der AG-Bilanz konsolidiert ist, an den US-Großaktionär AOL Time Warner abgegeben. Die Amerikaner zogen im Herbst die Bremse, als die Quote von Viva Plus im Keller blieb. 40 Beschäftigte mussten gehen. Mit AOL Time Warner im Rücken sieht Gorny gute Chancen, MTV in Europa künftig stärker auf den Pelz zu rücken. Viva-Ableger gibt es in den Niederlanden der Schweiz, Polen und Ungarn. Akquisitionen scheinen Gorny jetzt auch in Großbritannien und Italien möglich. "Es gibt keine Mondpreise mehr", sagt er. Viva hat 40 Mill. Euro in der Kriegskasse. Analysten betrachten die Expansionspläne aber mit Skepsis. Neun von 15 Experten empfehlen die Aktie zum Verkauf. Gestern legte der Kurs um 4 % auf 5,90 Euro zu, seit dem Jahreshoch hat er sich aber halbiert.

Quelle: Handelsblatt

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