Musiktauschbörse steht vor dem Aus
Richter untersagt Napster-Kauf - Bertelsmann gibt auf

Mehr als 100 Millionen Euro hat Bertelsmann in die Musiktauschbörse bereits investiert - jetzt reicht es den Güterslohern. Nachdem ein Richter die vollständige Übernahme untersagte, gab der Medienkonzern seine Pläne endgültig auf.

rtr LONDON. Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann hat seine Pläne aufgegeben, die Internet-Musiktauschbörse Napster vollständig zu übernehmen. Damit droht der insolventen US-Tauschbörse nach Einschätzung von Analysten das endgültige Aus.

Ein US-Konkursgericht in Delaware habe die Übernahme von Napster durch Bertelsmann abgelehnt, teilte der Medienkonzern am Dienstag mit. "Wir akzeptieren die Entscheidung des Gerichts gegen den Verkauf von Napster-Vermögenswerten an Bertelsmann. Der Kauf wird von uns damit nicht weiter verfolgt", sagte ein Bertelsmann Bertelsmann-Sprecher. sei bereit gewesen, neun Mill. Dollar an die Gläubiger von Napster für dessen Vermögenswerte zu zahlen. Doch Musik-Produzenten und Platten-Labels hätten das Angebot nicht akzeptiert, da die gebotene Summe ihrer Ansicht nach kein fairer Preis gewesen sei.

Branchenkenner rechnen damit, dass Napster ohne aktuelle Einnahmen und mangels Aussicht auf einen Käufer seine Geschäfte nun einstellen muss. Napster hatte im Juni Gläubigerschutz beantragt. Im Juli 2001 war der kostenlose Online-Dienst Napster nach heftigen Protesten und Klagen von Musikkonzernen abgeschaltet worden und befindet sich derzeit im Rechtsstreit mit den großen Musik-Labels der Welt. Insgesamt hat Bertelsmann bereits 103 Mill. ? in Napster in Form von gesicherten Krediten investiert. Sollte Napster wieder frisches Kapital zufließen, wäre Bertelsmann damit einer der ersten Gläubiger, der bedient werden würde.

In unternehmensnahen Kreisen hieß es, Bertelsmann hätte Napster selbst bei einer Zustimmung des Gerichts wahrscheinlich keine weiteren Finanzhilfen bereitgestellt. Der Geschäftsbetrieb wäre entweder in einen anderen Unternehmensbereich eingegliedert oder geschlossen worden.

Bereits Ende Juli hatten sich nach dem Rücktritt des früheren Bertelsmann-Chefs Thomas Middelhoff, der als einer der wenigen Fürsprecher von Napster galt, die Aussichten auf eine Übernahme der Tauschbörse Branchenkennern zufolge drastisch verschlechtert. Middelhoff wollte Napster - einst Magnet für Mill. von Musik-Fans - in einen kostenpflichtigen Abonnenten-Service umwandeln.

Bertelsmann war 2000 bei Napster eingestiegen. Die vollständige Übernahme sollte einer der letzten von Middelhoff eingefädelten Coups werden. Middelhoff war Ende Juli wegen Unstimmigkeiten über die Strategie des weltweit fünftgrößten Medienkonzerns zurückgetreten.

Am Dienstag kündigte der Bertelsmann-Konzern, der im ersten Halbjahr trotz eines Umsatzeinbruchs einen deutlich höheren Überschuss erzielte, zudem seinen weitgehenden Rückzug aus dem Internet-Handel mit Medienprodukten in Europa an. Dabei werde sich das Unternehmen auch von Teilen des defizitären Internet-Buchhändlers BOL trennen.

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