Muskelspiele des neuen Supersportwagens Murciélago fallen zahmer aus
Lamborghini gibt sich kultiviert

Die Sportwagenmarke Lamborghini aus Italien hat sich unter Audi-Regie zu einer ernst zu nehmenden Ferrari-Alternative gewandelt. Das neue Modell Murciélago hat im VW-Konzern sogar strategische Bedeutung.

HB SANT?AGATA. Das Böse hat der neue Lamborghini Murciélago abgelegt. Handzahm ist er dadurch freilich nicht geworden. Er hat sich vielmehr zu einem wohl erzogenen Hochleistungssportler mit unübersehbaren Muskelpartien gewandelt. Doch das imageschädigende Stigma des ordinären Bodybuilders besitzt das Auto nicht mehr.

So leicht kann es gehen, ein anspruchsvolles Design - und schon ist das alte Image wie weggeblasen. Als Audi vor drei Jahren die einstige Sportwagenschmiede des Traktorenfabrikanten und Weinbauers Ferruccio Lamborghini nach einer ganzen Reihe von Besitzerwechseln übernahm, da rümpfte die Öffentlichkeit die Nase. Parkten "Lambos" doch häufiger in Rotlichtbezirken als in feinen Gegenden. Zudem schreckten zahlungskräftige Ästheten wegen der brutalen Optik vor einem Kauf zurück.

Erst der Leiter des Audi-Designstudios in München, der Belgier Luc Donckerwolke, machte das Nachfolge-Modell des alten Lamborghini Diablo mit einer unaufdringlichen, feinsinnigen Formensprache zu einem stilistischen Kunstwerk. Nun können auch kultivierte Liebhaber derartiger Extremsportwagen wieder an den Kauf eines Lamborghini denken.

Der Spaß indes, den Murciélago auf sich zuzulassen, beginnt bei stolzen 230 000 Euro. Immerhin werden dafür luxuriöse Ledersitze, Klimaautomatik, Bordrechner und Bi-Xenon- Scheinwerfer geboten. Der Schweiß allerdings, der dem Fahrer bislang auf die Stirn trat, wenn er einen alten Lamborghini ohne elektronische Hilfen durch schweres PS-Gewitter lenkte, gehört nun der Vergangenheit an. Nur wenn man ihn provoziert und die elektronische Traktionskontrolle außer Kraft setzt, reagiert der Murciélago wie ein wilder Stier. Schließlich ist auch dieser Lamborghini seinem Wappentier verpflichtet. Alle Boliden, die je in Sant?Agata bei Bologna gebaut wurden, trugen die Namen berühmter Kampfstiere.

Piloten mit gefestigtem Charakter verlangt der heißblütige italienische Sportwagen und einzige ernst zu nehmende Ferrari-Konkurrent auf jeden Fall. Zumal die jüngste Lamborghini-Schöpfung mit 580 PS auf eine Spitzengeschwindigkeit von 330 km/h kommt.

Das enorme Leistungspotenzial des Zwölfzylinders erfordert bei schneller Gangart eine außergewöhnliche Fahrzeugbeherrschung. Kleinste Lenkbewegungen führen bereits zu spontanen Spurwechseln. Das nach den Gesetzen der Renntechnik entwickelte Fahrwerk verfügt über ein nahezu digitales Handling: Es gibt in allen Situationen nur zwei Entscheidungen - falsch oder richtig.

Der Murciélago baut in Kurven Seitenkräfte und beim vollen Beschleunigen (von 0 auf 100 km/h in 3,8 Sekunden) Längskräfte auf, die ihn in die Nähe von Rennwagen rücken. Mit 4 000 Umdrehungen pro Minute dreht sein Motor explosionsartig hoch. Dann frisst der Lambo den Asphalt nur so in sich hinein. Allenfalls die gewaltige Breite (2,04 m) des extrem flachen Boliden erweist sich in schnellen Kurvenkombinationen als lästiges Handicap.

Erstmals spürt man auch, dass der Innenraum von den mächtigen Ausmaßen etwas mehr abbekommen hat. Man schmiegt sich in maßgeschneiderten Schalensitzen, sogar groß gewachsene Fahrer stoßen jetzt nicht mehr mit dem Kopf an. Die Instrumente sind im klassischen Stil gehalten, der stählerne Schalthebel wird präzise durch eine polierte Sechsgang-Kulisse geführt. Spektakulär ist wie schon beim Vorgänger das Öffnen der nach oben schwenkenden Flügeltüren.

Mit der geplanten neuen Struktur des VW-Konzerns in eine sportliche und eine klassische Markensäule bekommt die Zukunft von Lamborghini eine ganz neue Qualität. Die exotischen Extremsportwagen bilden die Spitze der sportlichen Säule. Sie reicht von Seat über Audi bis hin zu der italienischen Marke mit dem Stier im Logo. Ein künftiges Formel 1-Engagement (Audi-Lamborghini) wird in der Wolfsburger VW-Zentrale inzwischen für möglich gehalten. Preislich wie leistungsmäßig fügen sich die drei Marken nahtlos aneinander an. Ihre Staffelung besitzt auch eine gewisse Aufstiegslogik: Wer sich als Student gerade einen gebrauchten Seat leisten kann, kauft später als erfolgreicher Geschäftsmann vielleicht einen Lamborghini. type="person" value="? Lamborghini, Weinbauers Ferruccio" />

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