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Muslime suchen Lebenspartner im Internet - Kopftuch ja oder nein?

Kairo (dpa) - Für gläubige Muslime, die sich von dem oft lockeren und unverbindlichen Ton herkömmlicher Internet-Kontaktbörsen nicht angesprochen fühlen, gibt es nun eine islamisch-korrekte Alternative. Denn seit einiger Zeit bieten im Internet auch rein muslimische Eheanbahnungsinstitute wie MuslimMatch.com oder TwoMuslims.com ihre Dienste an.

Auch auf Internetseiten, die eher auf religiöse oder politische Themen spezialisiert sind, finden sich inzwischen Links zu Heiratsvermittlungen, zum Beispiel bei Islam-Online.

«Ich bin 28 Jahre alt, Ingenieur, romantisch, sensibel, ehrlich und suche nach starken Gefühlen», schreibt ein Ägypter, der sich selbst als religiösen Muslim bezeichnet und bei egymatch.com auf der Suche nach seiner «gebildeten, weltoffenen, lustigen» Traumfrau ist. «Ich denke, dass unsere Religion, der Islam, eine sehr inspirierende Religion ist ... weshalb ich mich kürzlich für das Kopftuch entschieden habe», schreibt eine 21 Jahre alte gebürtige Ägypterin mit Universitätsabschluss, die auf dem Foto im Internet allerdings noch ihr langes Haar zeigt und an der amerikanischen Ostküste lebt.

«Aus religiöser Sicht ist es kein Problem, wenn die Eheanbahnung über das Internet stattfindet, solange keine Bilder von Frauen ohne Kopftuch veröffentlicht werden, denn im Islam gibt es keine Vorgaben, was die Methoden der Partnersuche angeht», sagt der Generalsekretär der Weltversammlung der muslimischen Jugend (WAMY), Saleh el Wohaibi. Für ihn sind die Heirats-Webseiten nichts anderes als eine elektronische Variante der älteren Frauen, die in Saudi-Arabiens Großstädten mit den Lebensläufen heiratswilliger Männer in der Tasche Familien besuchen, die junge Frauen im heiratsfähigen Alter haben. Kommt es zu so einer arrangierten Ehe, wird eine Vermittlungsgebühr von 100 bis 200 Euro fällig. Auch der Mufti von Ägypten, Ali Gomaa, erklärte kürzlich in einem islamischen Rechtsgutachten, dass nichts gegen die Internet-Heiratsvermittlung für Muslime spreche, «solange die Suchenden keine falschen Angaben (über ihre eigene Person) machen».

Vor allem muslimische Ausländer der 2. und 3. Generation, die mit ihren Familien in Nordamerika oder Europa leben und in ihrem Umfeld wenig Auswahl an möglichen Ehepartnern der gleichen Religion haben, suchen über die Internet-Institute nach einem Lebenspartner. Außerdem stellen viele junge Muslime heute höhere Ansprüche an eine Ehe als ihre Eltern. Sie suchen nicht nur jemanden, der ihnen nicht von Bildung und sozialem Status her ebenbürtig ist, sondern auch einen Partner, der ihnen optisch und auf der Gefühlsebene zusagt.

Zusätzlich zu den üblichen Angaben wie Größe, Beruf, Alter und Freizeitaktivitäten wird in einigen der muslimischen Heiratsforen auch explizit nach dem Grad der Religiosität und in einigen Fällen nach «Kopftuch/kein Kopftuch» gefragt. Einige Bewerber geben zudem konkret an, welcher Schule des Islam sie sich zugehörig fühlen. Eines ist jedoch allen muslimischen Kontaktbörsen gemein: Ihre Betreiber weisen die Suchenden ausdrücklich darauf hin, dass die Vermittlung außerehelicher Beziehungen zwischen Männern und Frauen ausgeschlossen ist, und dass niemand versuchen sollte, hinter dem Rücken der Eltern persönlichen Kontakt zu einem Interessenten aufzunehmen.

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