Mut gemacht
Viel Lob und wenig Kritik für Merkel

Der Auftritt Angela Merkels vor dem World Economic Forum sorgte auch am Donnerstag noch für Gesprächsstoff unter den deutschen und internationalen Konzernchefs. Während viele Merkel für die Betonung des Freiheitsbegriffs lobten, kritisierten andere eine zu schwache Darstellung des Standorts Deutschland vor den internationalen Investoren.

HB DAVOS. Die Bundeskanzlerin hatte am Mittwochabend das World Economic Forum mit einer wirtschaftspolitischen Grundsatzrede eröffnet, in der sie einerseits die soziale Marktwirtschaft pries, andererseits aber die Verantwortung des einzelnen herausstellte und die Rolle des Staates in der Gesellschaft relativierte.

"Das hat Mut gemacht", sagte der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens, der - wie einige andere - nicht genannt werden wollte. SAP-Chef Henning Kagermann, der erst nach der Rede in Davos eingetroffen war, berichtete, seine ausländischen Geschäftspartner seien "sehr beeindruckt" gewesen.

"Wer in Europa hat heute ihr Kaliber?" lautete die rhetorische Frage eines Top-Investmentbankers aus London. "Sie hat ,Leadership' und sie erkennt die Probleme des Landes messerscharf." Sowohl in Bezug auf die sachlichen Inhalte als auch in Sachen Durchsetzungswille habe Merkel die Davoser Community überzeugt. Sie sei zwar keine große Kommunikatorin, habe aber mit ihrer Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit zu Hoffnungen Anlass gegeben, dass Deutschland wieder auf die Spur komme, so der Tenor. Ähnlich äußerte sich der Vorstandschef der Deutschen Börse, Reto Francioni.

Bereits am Mittwochabend hatte Hank McKinnell, der Chef des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer, die Kanzlerin ermutigt: "Dieser Ton war seit langem überfällig, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa". Merkel hatte unter anderem eine Initiative zum Bürokratieabbau auf europäischer Ebene angekündigt. "Der Staat muss wissen, wo er zugreift - und wo er wieder loslässt".

Doch am Tag danach gab es auch kritische Stimmen. Der Chef eines deutschen Großunternehmens kritisierte die Kanzlerin dafür, dass sie "eine Rede von Deutschen für Deutsche" gehalten habe. "Sie hat die Chance verpasst, für Deutschland zu werben und sich im Klein-Klein verfangen", bemängelte er.

Die Kritik, die Kanzlerin habe sich nicht international genug gegeben, wischte jedoch ein amerikanischer Geschäftsmann beiseite: "Sie hat über die Dinge geredet, die sie beeinflussen kann. Warum sollte sie einen Diskurs zur Weltpolitik halten?"

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